Besonders in Erinnerung

Landkreis München: Ehrenbürgerschaft für Widerstandskämpfer Kurt Huber?  

Bisher wird Kurt Huber in Gräfelfing mit einer Stele gedacht.
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Bisher wird Kurt Huber in Gräfelfing mit einer Stele gedacht.

In Gräfelfing (Lkr. München) setzt man sich dafür ein, dass Kurt Huber besonders in Erinnerung gehalten wird. Was es dabei für Schwierigkeiten gibt und was der Sohn des Widerstandskämpfers dazu sagt...

  • Gräfelfinger wollen den Widerstandskämpfer aus ihrem Ort jetzt besonders in Erinnerung behalten
  • Kurt Huber soll die Ehrenbürgschaft bekommen
  • Das sagt der Sohn des Widerstandskämpfers dazu.

München/Gräfelfing – Unbekannt ist Kurt Huber in Gräfelfing (Lkr. München) keineswegs. Das örtliche Gymnasium ist nach dem Weiße-Rose-Widerstandskämpfer benannt, ebenso wie die Straße, in der Huber bis zu seiner Verhaftung durch die Gestapo 1943 lebte – und im Zentrum erinnert eine Stele an ihn. 

Doch für die Gräfelfinger Dieter Püschel und Sandra Meilhaus ist das zu wenig. Sie fordern, dass dem Professor die Ehrenbürgerwürde verliehen wird und haben sich dafür mit einem Brief an Bürgermeister Peter Köstler (CSU) gewandt. 

„In einer Zeit, in der antidemokratische Kräfte in Deutschland und in Europa wieder auf dem Vormarsch sind und der Faschismus jederzeit wieder aufbrechen kann, wäre mit einer posthumen Ehrung Professor Kurt Hubers ein Zeichen zu setzen, auch für unsere Zukunft“, argumentieren die Initiatoren des Vorstoßes. 

Dieter Püschel will Kurt Huber nun zum Ehrenbürger der Gemeinde machen.

Huber solle gerade jungen Menschen als Vorbild nähergebracht werden. Doch so einfach ist das nicht: Konkrete Regeln zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde gibt es in Gräfelfing nicht, entscheidend ist die Meinung des Gemeinderats. Anders als in München ist dadurch aber zumindest theoretisch eine Ernennung nach dem Tod möglich (siehe unten). 

Ein erstes Gespräch im Gräfelfinger Rathaus sei sehr positiv verlaufen, berichtet Püschel. Allerdings habe der Bürgermeister um Zeit gebeten. „Es soll kein Schnellschuss werden.“

 Für den Sohn des Widerstandskämpfers, Wolfgang Huber, ist der Vorstoß aus Gräfelfing eine Freude. „Mir gefällt die Idee, weil sie auch meinem Vater gut gefallen hätte. Er wohnte sehr gern im idyllischen Gräfelfing“, sagt der 81-Jährige, der heute in der Ludwigsvorstadt lebt.

Zwar habe sich die Gartenstadt immer sehr um die Erinnerung an Kurt Huber bemüht. „Es wäre dennoch eine nette Geste, ihn jetzt auch zum Ehrenbürger zu ernennen.“ 

Für den Sohn des Widerstandskämpfers, Wolfgang Huber, ist der Vorstoß aus Gräfelfing eine Freude. 

Auch das Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasium (KHG) steht hinter einer solchen Ehrung.  „Als Träger des Namens befürwortet es das Gymnasium natürlich“, sagt Stefanie Fehlhammer, die an der Schule für die Erinnerungskultur zuständig ist. 

„Durch Kurt Huber und auch die anderen Mitglieder der Weißen Rose werden wir immer wieder daran erinnert, dass auch wir in unserer demokratischen Gesellschaft eine große Verantwortung tragen und unseren eigenen Beitrag dazu leisten müssen, um Frieden und Freiheit zu bewahren “, so die Lehrerin. 

Im neuen Schuljahr will das KHG auch mit Aktionen den Vorstoß von Püschel und Meilhaus unterstützen. „Wir denken hier an unterschiedliche Kunst oder Musikprojekte oder auch an kurze Texte und Gedanken, die die Schüler über Kurt Huber und die Weiße Rose verfassen.“ 

Schon vorher wird ein Interview veröffentlicht, bei dem zwei KHG-Abiturienten mit Wolfgang Huber über die gegenwärtige Bedeutung der Weißen Rose gesprochen haben. Das Video soll Ende Juli auf dem Youtube-Kanal der Weiße-Rose-Stiftung online gehen. 

So wird man Ehrenbürger

Zehn Persönlichkeiten hat die Gemeinde Gräfelfing in ihrer Geschichte bislang die Ehrenbürgerwürde verliehen. „Die Voraussetzungen dafür sind streng“, sagt Gemeinde-Sprecherin Sabine Strack: „Natürlich müssen die Personen außergewöhnliches Engagement für den Ort gezeigt haben.“ 

Ob dies gegeben ist, entscheidet der Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung. Auch in München müssen sich die Geehrten „in hohem Maße um das Wohl der Stadt verdient gemacht haben“. Aktuell gibt es dort 60 Ehrenbürger. Vorschläge diskutiert zunächst der Ältestenrat, bevor der Stadtrat nicht öffentlich eine Entscheidung trifft. 

Eine Verleihung nach dem Tode ist in der Landeshauptstadt nicht zulässig. In Gräfelfing – wo es keine Satzung zur Ernennung von Ehrenbürgern gibt – ist das hingegen Auslegungssache. Vorbild könnte Markt Indersdorf sein, wo posthum die jüdische Pädagogin Greta Fischer Ehrenbürgerin wurde.

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rea

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