Vom Brexit entrechtet

Wegen Brexit – Brite aus Gauting muss Gemeinderatskandidatur zurückziehen 

Er war Kandidat für den Gemeinderat Gauting – jetzt darf Michael Sinclair nicht einmal mehr wählen.
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Er war Kandidat für den Gemeinderat Gauting – jetzt darf Michael Sinclair nicht einmal mehr wählen.

Michael Sinclair war Kandidat für den Gemeinderat Gauting. Nun ist ihm der Brexit dazwischen gekommen. Denn Michael Sinclair ist Schotte und darf nun nicht einmal mehr wählen...

Gauting – Kurz vor der Kommunalwahl schmerzt das besonders: Mit Michael Sinclair verliert das Wahlbündnis „Menschen für Gauting“ (MfG) einen seiner bekanntesten Kandidaten für den Gemeinderat. 

Der 52-Jährige ist bei der Piratenpartei Bundesbeauftragter für Migration und Integration und Vizevorsitzender im Landkreis Starnberg. Und er ist Schotte. Das ist ihm jetzt zum Verhängnis geworden. 

Denn nach dem EU-Austritt Großbritanniens zum 1. Februar darf Sinclair als „Drittstaatler“ bei Kommunalwahlen nicht mehr wählen – und erst recht nicht selbst antreten. „Meine Rechte werden mir einfach entrissen, das ist schon erschreckend“, ärgert sich der 52-Jährige. 

26 Jahre in Gauting

Sein halbes Leben lang – genau 26 Jahre – ist er in Gauting ansässig, in seiner Aufenthaltsgenehmigung prangt das Wort „unbefristet“, vor sechs Jahren trat er schon einmal für die Piraten für den Gemeinderat an. 

„Und jetzt das! Ich habe immer gehofft, dass der Brexit doch nicht kommt.“ Genauso wie seine Mitstreiter bei MfG, die den Schotten erst im Dezember auf Platz 11 ihrer Kandidatenliste gesetzt haben. 

Andere Kandidaten werden aufrutschen

„Man wusste ja nie, ob der Brexit wirklich kommt“, erklärt das Tobias McFadden, der das Wahlbündnis mitinitiiert hat. „Mickey ist immerhin einer der aktivsten Piraten in Deutschland“. Für ihn werden nun andere Kandidaten aufrutschen, am Ende der Liste steigt Nachrücker Stephan Limmer auf Platz 30 neu ein. „Zum Glück waren die Wahlunterlagen noch nicht gedruckt“, sagt McFadden. Auch wenn er selbst in Großbritannien für Europa gekämpft hat – Wut über den Brexit verspürt Sinclair nicht. 

Warum sollte ich auch eine andere europäische Identität annehmen, wenn ich schon längst Europäer bin.“ Stattdessen übt sich der 52-Jährige in Optimismus: „Ich werde jetzt einfach mehr Aktivist sein.“

„Was will man machen, es war eine demokratische Abstimmung. Nur schade, dass es kein zweites Referendum gegeben hat“, so der Schotte, der als Sohn eines Soldaten in einer Militärbasis bei Münster geboren wurde und nur während seiner Schulzeit in Großbritannien lebte. „In Schottland selbst sogar nur 28 Tage“, erzählt Sinclair und lacht. 

„Ich werde jetzt einfach mehr Aktivist sein.“

Die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen, davon hält er nichts: „Ich erkenne keine Nationalitäten an. Sie sind der größte Gegner des Friedens in der Welt. 

Warum sollte ich auch eine andere europäische Identität annehmen, wenn ich schon längst Europäer bin.“ Stattdessen übt sich der 52-Jährige in Optimismus: „Ich werde jetzt einfach mehr Aktivist sein.“

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Das gilt für Briten in der Region

Im Zuge des Brexits hat das Landratsamt München eine E-Mail-Adresse eingerichtet, an die sich Briten mit Fragen wenden können. Diese lautet brexit@lra-m.bayern.de. „Stand heute leben 1022 britische Staatsangehörige im Landkreis München“, so eine Sprecherin. 

Diese werden während der im Austrittsabkommen vorgesehenen Übergangszeit bis Ende 2020 weiter so behandelt, als wäre Großbritannien Mitglied der Europäischen Union – Freizügigkeitsrechte und Arbeitserlaubnis gelten bis dahin unverändert fort. 

Sie verlieren einzig das aktive und passive Kommunalwahlrecht, auch amtierende Lokalpolitiker müssten ihr Mandat abgeben. Gleiches gilt für den Landkreis Starnberg. Dort leben dem Landratsamt zufolge etwa 450 Personen mit britischer Staatsbürgerschaft.

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