Hermann Nafziger (CSU) übernimmt Bürgermeisteramt in Planegg

Planeggs neuer Bürgermeister im Interview: "Die nächsten Jahre werden schwierig"

Planeggs neuer Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) in seinem neuen Büro. Die Corona-Situation wird ihn und die Gemeinde in den nächsten Jahren noch beschäftigen.
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Planeggs neuer Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) in seinem neuen Büro. Die Corona-Situation wird ihn und die Gemeinde in den nächsten Jahren noch beschäftigen.

Hermann Nafziger ist Planeggs neuer Bürgermeister. Bereits kurz nach Amtsantritt hat er viel zu tun. Im Interview spricht er über Corona und seine erste Woche.

  • Hermann Nafziger (CSU) ist seit dem 1. Mai Planeggs neuer Bürgermeister
  • Die Corona-Situation schätzt er als schwierig für die Gemeinde ein
  • Im Interview erklärt er außerdem den Stand verschiedener Projekte

Planegg – Nach zwölf Jahren im Gemeinderat, davon sechs als 3. Bürgermeister, kann sich Hermann Nafziger (CSU) nicht über mangelnde Erfahrung in der Kommunalpolitik beklagen. Und doch ist der Start für Planeggs neuen Bürgermeister herausfordernd, wie Nafziger im Hallo-Interview erzählt.

Planeggs Bürgermeister im Interview: Erste Amtshandlungen gleich nach Antritt

Herr Nafziger, Sie sind seit dem 1. Mai im Amt. Wie sah Ihr Start aus?

Eigentlich ist am 1. Mai ja mit den Maifesten schon immer viel los, die sind dieses Jahr natürlich ausgefallen. Aber ich habe die Zeit über das Wochenende genutzt, um mein Büro einzurichten. Auch mit einigen persönlichen Gegenständen.

Zum Beispiel?

Ich habe hier eine alte Tonbandmaschine, die ist noch aus meiner Zeit zum Lehrling als Radio- und Fernsehtechniker. Damit kann ich auch mal Musik hören, wenn ich abends noch im Rathaus arbeiten muss.

Was stand nach dem Büroeinräumen an?

Das ging direkt los mit Abstimmungen mit meinen Mitarbeitern, einer Amtsleitersitzung, dem Organisieren von Abläufen und den Treffen in unserem Corona-Krisenteam.

Außerdem war Montag der erste Tag, an dem das Rathaus nach längerer Pause wieder geöffnet war. Das Vorgehen mussten wir natürlich genau besprechen. Wir haben auch beschlossen, alle Veranstaltungen der Gemeinde bis Ende August abzusagen.

Planeggs Bürgermeister im Interview: Corona-Situation beschäftigt Planegg sehr

Als Bürgermeisterkandidat haben Sie gesagt, dass Sie als erstes ein umfassendes Verkehrskonzept und die Einrichtung eines Jugendbeirats für Planegg angehen wollen. War da schon etwas möglich?

Das habe ich auf jeden Fall im Hinterkopf, aber erstmal haben andere Dinge Vorrang. Die Corona-­Situation beschäftigt uns natürlich sehr.

Diese Woche plane ich darum Besuche bei den größeren Firmen in unserer Gemeinde, aber auch den Geschäften in der Bahnhofstraße und in Martinsried. Ich will wissen, wie es ihnen in der aktuellen Situation geht.

Wie hart wird die Krise Ihrer Einschätzung nach Planegg treffen? Müssen Sie da gleich nochmal an den Haushalt ran?

Planegg hat etliche große Projekte am Laufen und der Haushalt ist eh schon eng genäht. Wir haben unser Geld bis 2023 eigentlich verplant. Natürlich rechne ich mit Gewerbesteuereinbußen, das fängt jetzt mit Stundungen an.

Was wir noch gar nicht abschätzen können ist die Lage in eineinhalb, zwei Jahren. Aber sobald wir sehen, dass etwas aus dem Ruder läuft, werden wir natürlich beim Haushalt Anpassungen vornehmen. Da werde ich auch nichts auf die lange Bank schieben.

Die nächsten drei Jahre wird es defintiv schwierig, da werden wir im Gemeinderat Prioritäten setzen und womöglich auch ein paar Dinge zurückstellen müssen.

Sehen Sie Vorhaben in Gefahr, zum Beispiel die lang ersehnte U-Bahn nach Martinsried?

Ich denke, die U-Bahn-Verlängerung ist vonseiten Planegg erstmal sicher. Sie wird ja hauptsächlich vom Freistaat finanziert. Was von der Seite auf uns zukommt, müssen wir aber erstmal noch sehen.

Planeggs Bürgermeister im Interview: Verschiedene Projekte müssen angegangen werden

Welche Projekte stehen jetzt zeitnah auf der Agenda?

Es läuft ja bereits vieles – wie die Sanierung der Tiefgarage am Marktplatz oder die Sanierung der Grundschule. Bei der Entwicklung des südlichen Bahnhofsgeländes werden wir uns demnächst mit den Bebauungsplänen beschäftigen. Und mit der Entwicklung des Nordgeländes werden wir beginnen.

Auch über Klimaprojekte werden wir reden müssen – dem Klimawandel ist das Coronavirus nämlich völlig egal.

Romy Ebert-Adeikis

Stellvertreter und Ausschüsse: Das ist neu im Planegger Gemeinderat

Seit Montag, 11. Mai, ist auch der neue Planegger Gemeinderat offiziell bestellt. Mit Adeline Spieleder (CSU), Florian Großelfinger (CSU), Judith Grimme (Bündnis 90/Die Grünen), Jürgen Peters (Bündnis 90/Die Grünen), Hannah Betz (Bündnis 90/Die Grünen), Bastian Stibbe (Bündnis 90/Die Grünen), Florian Max (FWD), Florian Zeller (FWD), Christine Berchtold (SPD), Philipp Pollems (FDP), Angelika Lawo (GrüneGruppe21), Eva Schreier (GrüneGruppe21) und Susanne Trenkle (parteifrei) wurden 13 neue Gemeindevertreter vereidigt.

Außerdem einigten sich die Gemeinderäte auf die Stellvertreter von Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU). Die bisherigen Vize Peter Heizer (FWD) und Anneliese Bradel (GrüneGruppe21) sind beide nicht mehr im Gremium vertreten.

Mit 15 zu 9 Stimmen setzte sich als 2. Bürgermeisterin Judith Grimme (Bündnis 90/Die Grünen) gegen Cornelia David (FWD) durch. David kandierte daraufhin auch für den Posten als 3. Bürgermeisterin - fiel aber auch hier durch. Stattdessen wurde mit 14 zu 11 Stimmen Christine Berchtold (SPD) gewählt. 

Als weitere Stellvertreter, die gegebenenfalls repräsentative Aufgaben erfüllen können, wurden Peter von Schall-Riaucour (parteifrei, FDP-Fraktion) und Giovanni Sammataro (CSU) gewählt.

Umstritten war die Frage, wie viele Gemeinderäte künftig in den einzelnen Ausschüssen sitzen werden. Bisher bewährt hatte sich die Arbeit mit acht Vertretern. Da im neuen Gemeinderat aber deutlich mehr Gruppierungen vertreten sind, hätte Ausschüsse mit zehn Mitgliedern das Wahlergebnis besser widergespiegelt. Am Ende fiel mit 13 zu 12 Stimmen die Entscheidung knapp darauf, die bisherige Ausschussgröße von acht Gemeinderäten beizubehalten.

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