Erweiterte Ökumene

70 Jahre Michaelskirche Lochham: Veränderungen & Visionen

Die Michaelskirche Lochham
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Die Michaelskirche Lochham.

Die Michaelskirche Lochham feiert Geburtstag: Am Donnerstag, 10. Dezember, jährt sich zum 70. Mal die Eröffnung des evangelischen Gotteshauses.

„Die Tatsache, dass fünf Jahre nach dem Krieg nichts so wichtig war, wie in aller Not eine Kirche zu bauen, fasziniert mich“, sagt Pfarrer Bernd Reichert. Er hat sich für das Jubiläum ausgiebig mit der Geschichte beschäftigt, alte Leuchter und die erste Taufschale wiedergefunden.

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Bereits 1949 wurde der Grundstein für die Lochhamer Michaelskirche gelegt. Baubeginn war aber erst im März 1950.
Bereits 1949 wurde der Grundstein für die Lochhamer Michaelskirche gelegt. Baubeginn war aber erst im März 1950. © Reichert

Der Bau der Kirche dauerte nicht einmal ein Jahr. Eröffnet wurde das Gotteshaus am 10. Dezember 1950.
Der Bau der Kirche dauerte nicht einmal ein Jahr. Eröffnet wurde das Gotteshaus am 10. Dezember 1950. © Reichert
Diese Außenansicht der Michaelskirche entstand wahrscheinlich kurz nach ihrer Eröffnung. „Der Garten ist hier noch nicht angelegt“, erklärt Pfarrer Bernd Reichert seine Schätzung.
Diese Außenansicht der Michaelskirche entstand wahrscheinlich kurz nach ihrer Eröffnung. „Der Garten ist hier noch nicht angelegt“, erklärt Pfarrer Bernd Reichert seine Schätzung. © Reichert
Als „Knattertoni“ war der erste Pfarrer, Oskar Anton, bekannt. Der Kriegsversehrte saß im Rollstuhl, den er mit einem Motorrad kombiniert hatte. Für ihn wurde das Pfarrhaus auch als ebenerdiger Bungalow gebaut.
Als „Knattertoni“ war der erste Pfarrer, Oskar Anton, bekannt. Der Kriegsversehrte saß im Rollstuhl, den er mit einem Motorrad kombiniert hatte. Für ihn wurde das Pfarrhaus auch als ebenerdiger Bungalow gebaut. © Reichert
So sah die Kirche anfangs von innen aus. „1982 wurde die Ausrichtung der Kirche nochmal verändert“, so Pfarrer Bernd Reichert. „Wo im Bild der Altar ist, ist heute die Orgel.“ Heute noch vorhanden sind die Kirchenbänke, allerdings wurden diese mit dem Gotteshaus gedreht.
So sah die Kirche anfangs von innen aus. „1982 wurde die Ausrichtung der Kirche nochmal verändert“, so Pfarrer Bernd Reichert. „Wo im Bild der Altar ist, ist heute die Orgel.“ Heute noch vorhanden sind die Kirchenbänke, allerdings wurden diese mit dem Gotteshaus gedreht. © Reichert
Auch auf einer alten Postkarte von Lochham, vermutlich aus den 60er Jahren, ist die Michaelskirche zu finden. „Es ist erstaunlich, dass in dieser Zeit in einem katholischen Land eine evangelische Kirche gezeigt wird“, sagt der heutige Pfarrer.
Auch auf einer alten Postkarte von Lochham, vermutlich aus den 60er Jahren, ist die Michaelskirche zu finden. „Es ist erstaunlich, dass in dieser Zeit in einem katholischen Land eine evangelische Kirche gezeigt wird“, sagt der heutige Pfarrer. © Reichert

Die Menschen wollten die Vergangenheit vergessen und in die Zukunft schauen. Die Kirche brachte die Alteingesessenen mit den Flüchtlingen aus den deutschen Ostgebieten zusammen. Das war damals eine riesige Integrationsleistung.

Pfarrer Bernd Reichert

Die Kirche als Ort des Zusammenkommens – diesen Leitgedanken verfolgt Pfarrer Reichert auch heute

Dabei gehe es aber nicht nur um zugezogene Protestanten. „Wir bringen heute Menschen aller Glaubensrichtungen und auch Nicht-Gläubige zusammen. Unsere Kirchentüren sind offen, wir fördern Austausch und leben sozusagen eine erweiterte Ökumene“, sagt der Pfarrer, der seit fünf Jahren die Gemeinde leitet.

Pfarrer Bernd Reichert.

So wurden dort Sprachkurse für Flüchtlinge angeboten, im alten Pfarrhaus, einem Bungalow aus den 60er Jahren, lebt eine syrische Großfamilie zur Miete. Während der Flüchtlingskrise 2015 entstand auch die Idee, die zur Kirche gehörende Wiese für Wohnraum zu nutzen. „Wir wollten aber etwas Nachhaltigeres als Flüchtlingscontainer: Wohnungen für sozial Schwache, weil die im Ort total fehlen, vielleicht auch Räume für eine inklusive Wohngruppe oder Beratungsstelle“, erklärt Reichert.

Vorstudien von Architekten gibt es dafür bereits. „Unsere neueste Überlegung ist aber, mit dem Diakoniewerk Oberbayern-West zusammenzuarbeiten, die auch dringend Räume benötigen“, so der Pfarrer. Der geplante Neubau auf dem Kirchengelände wird sich daher zwar verzögern. „Aber innerhalb der nächsten fünf Jahre sollte es klappen.“

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