Streit um Wohnbau-Pläne im „Grund“

Mehr Wohnungen statt Naturraum?

+
Noch ist es im „Grund“ vor allem Grün. Aber künftig könnten hier Wohnungen entstehen. Dafür haben sich vor allem die Fraktionen von Max Gum-Bauer (li.) und Roman Brugger eingesetzt.

Planegg - Der Platz ist eng im Viertel. Jetzt sollen 2,8 Hektar Grün für Wohnungen geopfert werden - doch das gefällt nicht allen 

Der neue Flächennutzungsplan für Planegg hat im Gemeinderat für heftige Debatten gesorgt. Besonders hart gerungen wurde um die Ausweisung zukünftiger Wohngebiete. Von der Verwaltung waren dafür fünf Entwicklungsflächen vorgesehen: an der Herzog-Wilhelm-Straße, der Lena-Christ-Straße, am Klopferspitz, im „Grund“ und dem Bahnhofsumfeld soll Wohnbebauung künftig entstehen können.

Es gäbe Platz für mehr als 1300 Einwohner

Wie Ursula Janson vom Bau- und Umweltamt erklärte, habe man sich an der Leitlinie orientiert, dass bei einem moderaten, flächensparenden Wachstum, – möglichst im Innenort – der Charakter Planeggs erhalten bleiben soll. So hätte Platz für 1100 bis 1300 Einwohner geschaffen werden sollen. Einigen Gemeinderäten war das aber nicht genug: „Unsere Kinder ziehen ja alle weg, weil sie im Ort nichts finden“, erklärt Max Gum-Bauer (FWD) Hallo, warum er im Gemeinderat beantragte, im „Grund“ statt der vorgesehenen 1,4 Hektar die doppelte Fläche für Wohnbau ausweisen zu lassen – Platz für rund 130 Einwohner mehr. Sein Antrag wurde mehrheitlich angenommen.

Etwa mit Stimmen der SPD, die ihr Ja damit begründet, dass im „Grund“ auch Wohnraum für Normalverdiener geschafft werden muss. Sonst drohe ohnehin, dass sich durch die „Umschichtung der Bevölkerung“ der Charakter der Gemeinde verändere. „Und der Vorteil am Grundstück im Grund ist, dass ein Drittel davon durch die soziale Bodennutzung zu günstigeren Konditionen an die Gemeinde abgegeben werden muss“, erklärt Roman Brugger (SPD). In der Sitzung hatte bereits Bürgermeister Heinrich Hofmann (SPD) betont, dass sozialer Wohnungsbau nur funktioniere, wenn die Gemeinden mehr Baurechte auch auf Privatgrund erhalten.

Wohnungen müssen sein, aber nicht in der unberührten Natur

Abgelehnt hatten das größere Wohngebiet im „Grund“ die Grüne Gruppe 21 sowie der parteilose Gemeinderat Peter von Schall-Riaucour. Dabei hatte Letzterer noch vor drei Jahren eben dort für Wohnungen geworben. „Ich habe meine Meinung geändert“, teilt er Hallo mit. Ein moderater Wohnungsbau sei unbedingt erforderlich, aber nicht in diesem Ausmaß und nicht in unberührter Natur. „Solche Naherholungsgebiete zeichnen Planegg beziehungsweise das ganze Würmtal doch aus“, ärgert sich Schall-Riaucour.

Für die Grüne Gruppe 21 ist die Neuausweisung auf Privatgrund eine „krasse Fehlentscheidung“, solange auf anderen Flächen das Baurecht noch nicht ausgeschöpft ist, sagt Fraktionssprecher Herbert Stepp. Statt Grün zu vernichten, müsse nachverdichtet werden. Das weiß auch Max Gum-Bauer. „Aber in weiterer Zukunft brauchen wir noch viel mehr Wohnungen.“ Viel Platz dafür gebe es in der Gemeinde nicht mehr – zumal Grünzuge zu den Nachbarorten unbedingt erhalten bleiben sollen.

Romy Ebert-Adeikis

Geförderter Wohnbau

In der Hofmarkstraße 3 (Foto: Gemeinde) ist die Schaffung neuer Wohnungen bereits fix: In einem zweigeschossigen Gebäude werden dort Ein-Zimmer- sowie Drei-Zimmer-Wohnungen für einkommensschwache Haushalte entstehen. Der Abriss beginnt laut Bürgermeister Heinrich Hofmann (SPD) in wenigen Tagen, der Bezug ist für Pfingsten 2019 geplant. Die Baumaßnahme wird mit 674000 Euro aus dem Wohnungspakt Bayern gefördert, insgesamt kostet sie rund 1,4 Millionen Euro.

Auch für ein gemeindeeigenes Grundstück in der Münchner Straße plant Planegg solche Fördermittel zu beantragen. Erste Entwürfe werden spätestens im Mai besprochen. „Ziel wäre hier im Spätherbst 2019 bezugsfertig zu sein“, so Hofmann.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

HOLIDAY ON ICE entdeckt ATLANTIS
HOLIDAY ON ICE entdeckt ATLANTIS
Planegger Zettelkrieg: Jetzt eskaliert der Streit um das Bürgerbegehren
Planegger Zettelkrieg: Jetzt eskaliert der Streit um das Bürgerbegehren
Erobern die Dirtbikes bald auch in Gräfelfing?
Erobern die Dirtbikes bald auch in Gräfelfing?
Belastendes Licht: Wieso Münchens Bauprojekt die Münchner blendet
Belastendes Licht: Wieso Münchens Bauprojekt die Münchner blendet

Kommentare