Formycon hofft auf Zulassung in 2022

Unternehmen aus Martinsried entwickelt Corona-Medikament

Eine Laboristin steht im Unternehmen Formycon in Martinsried.
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Im Labor von Formycon in Martinsried wurde ein Corona-Medikament entwickelt

Medikament statt Impfstoff: Formycon aus Martinsried hat einen Wirkstoff gegen das Coronavirus entwickelt. Wie er funktioniert und wann er auf den Markt kommt...

  • Unternehmen aus Martinsried entwickelt Medikament gegen Coronavirus
  • Formycon hofft auf Zulassung in 2022
  • Wirkung auch bei Mutation des Coronavirus

Martinsried Dem Martinsrieder Unternehmen Formycon ist ein Durchbruch bei der Suche nach einem Medikament gegen das Coronavirus gelungen. Die Firma entwickelt seit 2012 biopharmazeutische Arzneimittel. Nun hat sie nach eigenen Angaben ein Antikörper-Fusionsprotein gefunden, welches eine Infektion der Zellen mit Corona vollständig verhindert. Das hätten Laborergebnisse bestätigt.

„Es gibt immer eine bestimmte Stelle, durch die ein Virus in die Zellen schlüpft. Diese Tür blockieren wir komplett“, erklärt Formycon-Geschäftsführer Dr. Carsten Brockmeyer. Dafür wurde ein Eiweiß, das auf den Zellen sitzt, mit einem Antikörper-Teil verknüpft. Der Vorteil: „Auch wenn das Coronavirus mutiert, funktioniert das Prinzip“, verspricht Brockmeyer.

Corona-Medikament: Wirkprinzip ist schon bekannt

Warum er sich dabei so sicher ist? „Den Wirkmechanismus gibt es bei Medikamenten in der Augenheilkunde oder Rheumatologie schon seit Jahren.“ Genau für diese Bereiche entwickelte Formycon bisher Arzneimittel. „Bei unserem Corona-Medikament ist nur die Zusammensetzung des Fusionsproteins eine andere“, so Firmensprecherin Sabrina Müller.

Formycon-Geschäftsführer Carsten Brockmeyer hofft auf eine Zulassung des Corona-Medikaments in 2022.

Trotzdem muss es natürlich noch in Kliniken getestet werden. „Wir bauen jetzt die Produktion für den Klinikeinsatz auf und hoffen, dass wir dafür im dritten Quartal 2021 genug Medikamente bereitstellen können“, sagt Geschäftsführer Brockmeyer. 2022 soll die Zulassung für das Mittel erfolgen, das voraussichtlich gespritzt oder als Infusion gegeben werden soll.

Zu spät ist das aus Sicht des Firmenchefs nicht, obwohl bereits jetzt mehrere Impfstoffe in den Startlöchern stehen. „Wir werden auch in zehn Jahren noch Menschen haben, die nicht geimpft wurden oder bei denen der Impfstoff nicht gewirkt hat. Für diejenigen, die deswegen erkranken, brauchen wir ein wirksames Medikament.“

Corona-Medikament: Zusammenarbeit mit TU München

Für die Entwicklung hat Formycon mit den Lehrstühlen für Virologie und Biologie der Technischen Universität München zusammengearbeitet. Mit Immunic Therapeutics, Eisbach Bio und Origenis forschen in Martinsried noch weitere Firmen an Corona-Medikamenten. Mit diesen arbeite man aber nur in einer Hinsicht zusammen, so Formycon-Chef Brockmeyer: „Wir setzen uns dafür ein, dass auch die Arzneimittelentwicklung angemessen gefördert wird, nicht nur die Entwicklung von Impfstoffen.“

Für das eigene Projekt hat das Unternehmen von der Bayerischen Forschungsstiftung 290.000 Euro Fördermittel erhalten. Für den weiteren Prozess sucht Formycon nun finanzielle und strategische Partner.

In der Firma in der Fraunhoferstraße 15 arbeiten derzeit gut 120 Mitarbeiter, Tendenz steigend. „Wir rekrutieren aktuell so viele neue Kollegen wie noch nie“, sagt Sprecherin Sabrina Müller. Dabei ist Formycon schon bisher rasant gewachsen. Vor acht Jahren war das Unternehmen mit gut 30 Mitarbeitern gestartet. rea

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