IZB-Chef: „Innovation benötigt Raum“

Innovations- und Gründerzentrum in Martinsried wird 25 Jahre alt – und platzt aus allen Nähten

Innovations- und Gründerzentrum in Martinsried.
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Das Innovations- und Gründerzentrum in Martinsried.

Vor 25 Jahren wurde in Martinsried das Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie (IZB) eröffnet. Zum Jubiläum hat Hallo mit Geschäftsführer Peter Hanns Zobel gesprochen.

Herr Zobel, das IZB ist 25 Jahre alt geworden. Wenn Sie sich an den Anfang erinnern – was hat sich seitdem am meisten verändert?

Wir starteten damals mit 1000 Quadratmetern Büro- und Laborflächen. Heute hat sich das IZB zu einem der größten Biotechnologiezentren in Europa entwickelt. Die Ziele und Visionen der Biotech-Start-Ups, innovative Medikamente für bisher noch unheilbare Krankheiten zu entwickeln, sind immer noch die gleichen.

Die Konzepte der Unternehmen sind jedoch professioneller geworden. Beliefen sich die Finanzierungen in den Anfangsjahren noch im einstelligen Millionenbereich, so sind sie heute zweistellig. Ganz aktuell hat das IZB-Start-Up CatalYm 50 Millionen Euro von einem Investorenkonsortium für die Entwicklung eines neuen onkologischen Behandlungs-Paradigma erhalten.

IZB-Geschäftsführer Peter Hanns Zobel.

Hätten Sie sich so eine Entwicklung zu träumen gewagt?

Ehrlich gesagt: Das war nicht vorhersehbar. Wir waren ja die Ersten, welche die Biotech-Branche in Bayern ansiedeln wollten und hatten gezielt den Standort Martinsried gewählt. Man plante circa 5000 Quadratmeter Labor- und Büroflächen für das Gründerzentrum.

Durch die Max-Planck-Institute und das Klinikum Großhadern hatte Martinsried schon ein weltweites Renommee in Bezug auf die Biotechnologie und die klinische Forschung.

Der Freistaat Bayern, vertreten durch den damaligen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, förderte durch die Initiativen „Offensive-Zukunft-Bayern“ 1994 und die „High-Tech-Offensive“ von 2001 die Forschung und Entwicklung in Bayern. Insgesamt flossen fast vier Milliarden Euro in die definierten Schlüsseltechnologien „Life Sciences“, Informations- und Kommunikationstechnologie, Neue Materialien, Umwelttechnik und Mechatronik.

So konnten wir die ersten beiden Bauabschnitte des IZB mit Gesellschafter-Darlehen aus den oben genannten Programmen realisieren. Um der Nachfrage am Standort nach Labor- und Büroflächen in den Folgejahren gerecht zu werden, haben wir die weiteren Bauabschnitte größtenteils über Bankkredite finanziert – und waren damit sehr erfolgreich. Insgesamt haben fast 150 Biotech-Firmen das IZB für ihren Start gewählt.

Aktuell sind 50 Start-Ups mit über 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf 26.000 Quadratmetern im IZB tätig.

Und wo wollen Sie mit dem IZB noch hin?

Wir müssen uns an der Dynamik der Start-Ups orientieren. Deshalb ist es so wichtig, dass wir den Standort mit Labor- und Büroflächen erweitern. Unsere Gründer sind extrem erfolgreich und müssen die Möglichkeit haben, am Standort zu wachsen.

Die Pharmaindustrie ist sehr daran interessiert, enge Kooperationen mit unseren Gründern einzugehen. Es wäre viel leichter, wenn wir den internationalen Pharmafirmen hier auch Flächen anbieten könnten, um direkt am ‚Hotspot for Life Sciences‘ ansässig zu sein.

Hinzu kommt: Die Zeit steht auch bei unseren Nachbarn nicht still. Der Neubau des Klinikum Großhadern ist bereits in vollem Gange. Und auch die beiden Max-Planck-Institute planen neue Gebäude. Innovation benötigt Raum! Wir sind hierfür mit den Ministerien im Gespräch.

Im IZB sind zahlreiche Biotechnologie-Start-Ups ansässig. Glauben Sie, dass der Standort Martinsried deswegen von der Corona-Pandemie jetzt auch gewissermaßen profitieren kann?

Im IZB, arbeiten sieben Biotech-Start-Ups an dem neuen SARS-CoV-2-Erreger. Immunic Therapeutics, Eisbach Bio und Origenis forschen an Medikamenten zur Behandlung des neuen Coronavirus. GNA Biosolutions und Exosome Diagnostics brachten je einen neuen Corona-Test auf den Markt.

Ella Biotech erhöhte die Produktion von Komponenten, die in Corona-Tests enthalten sind. Die Leukocare AG arbeitet mit einem italienischen Konsortium an einem Impfstoff gegen das SARS-CoV-2-Virus. Gerade in Zeiten von Corona hat nun jeder die Bedeutung der Biotechnologie verstanden.

Unser Gründerzentrum trägt dazu bei, dass mutige Biotech-Unternehmer neue Wege in der Medikamentenentwicklung gehen und dadurch Krankheiten wirksam bekämpft werden können.

Gerade haben die ersten Vorarbeiten für die U-Bahn-Verlängerung nach Martinsried begonnen. Wie wichtig ist das für das IZB und warum?

Eine direkte Anbindung an die U-Bahn ist extrem wichtig für den Standort. Es arbeiten derzeit circa 12.000 Menschen auf dem Campus Martinsried/Großhadern.

Nicht nur die Tangente zwischen den beiden Technologiezentren Garching und Martinsried ist dann eine großes Errungenschaft, sondern auch die Erreichbarkeit vom Flughafen. Dies wird den internationalen Geschäftsbeziehungen sehr zugute kommen.

Welche Herausforderung sehen Sie für das IZB in Zukunft?

Unser Ziel ist es, die Start-Ups an diesem ‚Hotspot for Life Sciences‘ zu halten. Hierfür würden wir gerne weitere 20.000 Quadratmeter für unsere Unternehmen bauen, die aus den Kinderschuhen herausgewachsen sind.

Zudem würden wir für eine engere Vernetzung auch gerne Dependancen der Pharmaunternehmen am IZB ansiedeln. Ich sehe die Wachstumsflächen des IZB natürlich auf dem Campus Martinsried. Hierzu gibt es jedoch noch keine konkrete Planung.

Und für die Branche an sich?

Um die Eigenständigkeit von Biotech-Firmen zu fördern, müsste ein radikales Umdenken bei der Förderung der jungen Unternehmen erfolgen. Die Finanzierung von Start-Ups sollte in Deutschland steuerlich begünstigt werden. Anleger, die in Risikokapitalfonds investieren und damit auch in die Entwicklung zukunftsträchtiger Medikamente, sollten belohnt werden.

Wir haben es in der Vergangenheit immer wieder erlebt, dass Unternehmen von amerikanischen Firmen aufgekauft wurden. Beispiele dazu sind Suppremol 2015, Rigontec 2017 und Chromotek 2020.

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