Gemeinderat Planegg streitet um Grünstreifen – Gewerbe angedacht

Fällt der Wall?

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Für die Freien Wähler – hier Gemeinderat Max Gum-Bauer (von links), Ortsparteichef Florian Zeller und zweiter Bürgermeister Peter Heizer – ist der Gewerbebau am Wall unverzichtbar.

Martinsried – Der Wall an der Röntgenstraße ist Lärmschutzwand, Blickfang und ein Stück Natur in einem. Doch jetzt soll auf einem Teil des Grünstreifens eine Gewerbe­immobilie entstehen

Eigentlich hätte der Bauausschuss Planegg schon Mitte Dezember eine Entscheidung treffen sollen: Jetzt debattiert der gesamte Gemeinderat am Donnerstag, 31. Januar, noch einmal über die Ausweitung des Martinsrieder Gewerbegebiets an der Fraunhoferstraße. Denn: Für das geplante neue Gebäude müsste auch ein Stück des Walls verschwinden – und das stößt gleich mehreren Gemeinderäten sauer auf.

Der Hintergrund: Im Zuge der Planung für die Westumfahrung Martinsried ist das Grundstück an der Fraunhoferstraße 1 ins Interesse der Gemeinde gerückt. Hier könnte die neue Straße problemlos ins Gewerbegebiet einschwenken. Doch bei der Vergabe wurde die Gemeinde überboten. Mit dem aktuellen Eigentümer – der „mw Martinsried Objekt GmbH“, die auf dem Gelände eine Gewerbeimmobilie samt Parkdeck errichten möchte – will man sich darum auf einen Tausch verständigen. Im Gegenzug für sein Grundstück soll der Investor südlich davon 4200 Quadratmeter erhalten, um zu bauen. Dort trennt der grüne Wall aber eigentlich Gewerbe- von Wohngebiet.

Gewerbe oder Grün: Im Gemeinderat stehen sich wegen des „Walls“ an der Röntgenstraße zwei Fronten gegenüber.

Als „absolute Win-Win-Situation“ bezeichnet Florian Zeller von den Freien Wählern Dynamische Planegg (FWD) das Vorhaben. Denn durch den Bau einer Zufahrt zur Umfahrung müsste ein Teil des Walls ohnehin weichen. „Durch den Tausch können wir die Straße schön bauen und gleichzeitig brauchen wir dank des Neubaus keine sechs Meter hohe Lärmschutzwand zwischen Umfahrung und Wohngebiet“, so Zeller. Außerdem würden ansässige Firmen dringend auf neue Gewerbeflächen warten. „Wenn Planegg nichts tut, ziehen erfolgreiche Unternehmen weg. Unsere Nachbarn schlafen nicht“, warnt er.

Anders sehen das Teile der CSU und die Fraktionen von Grüne Gruppe 21 und FDP. Zwar wurde im Bauausschuss bereits beschlossen, das geplante Gebäude von sechs auf fünf Etagen zu reduzieren. Mehrere Räte lehnen das Vorhaben aber grundsätzlich ab – es wurde daher dem Gemeinderat zur Überprüfung vorgelegt.

„Wir sind dagegen, dass der Wall jetzt zugunsten einer massiven Gewerbebebauung plus Parkdeck geopfert werden soll. Eine Verschmelzung von Wohn- und Gewerbegebiet wäre die Folge, die wir den Anwohnern nicht zumuten möchten“, erklärt CSU-Gemeinderat Giovanni Sammataro seine Ablehnung. Dabei hatte in der Debatte um einen neuen Flächennutzungsplan Bürgermeister Heinrich Hofmann mehrfach betont, dass der Wall erhalten bleibt. „Das ist keine zwei Monate her“, echauffiert sich FDP-Gemeinderat Christian Haugg (kl. Foto). „Das ist ein politischer Verrat an der Bevölkerung.“

Haugg zufolge sei es ein „fatales Versäumnis der Gemeinde“ gewesen, das Grundstück Fraunhoferstraße 1 überhaupt von einem Investor kaufen zu lassen. Er hofft, dass man den Wall komplett erhalten kann, der, so Haugg, als „natürlicher Lärmschutz völlig ausreichend“ sei. Eine Lärmschutzwand wollen er und die anderen Gegner jedenfalls ebenfalls verhindern.

Romy Ebert-Adeikis

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Schon im Frühjahr letzten Jahres hat der neue Flächennutzungsplan für Planegg im Gemeinderat für heftige Debatten gesorgt. Besonders hart gerungen wurde um die Ausweisung zukünftiger Wohngebiete.

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