Gibt's bald mehr Geld für Gautinger Erzieher?

5 vor 12 für Kita und Co.

Bereichsleiterin Andrea Griese-Pelikan im neuen BRK-Kinderhaus in Gauting. Aktuell werden schon 15 Kinder in der Einrichtung betreut, ab September sollen es 94 sein.
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Bereichsleiterin Andrea Griese-Pelikan im neuen BRK-Kinderhaus in Gauting. Aktuell werden schon 15 Kinder in der Einrichtung betreut, ab September sollen es 94 sein.

Gauting - Sie werben Quer- und Wiedereinsteiger oder locken Mitarbeiter-Nachwuchs: Im Würmtal ist der Arbeitsmarkt für Erzieher und Kinderpfleger mehr als angespannt

94 Gautinger Kindern soll das BRK-Kinderhaus Henry & Henriette ab September Platz bieten. Aber: Keine zwei Monate vorher sind immer noch eine Erzieher- und eine Kinderpflegerstelle unbesetzt. „Zum Teil waren schon Verträge unterschrieben, die dann wieder abgesagt wurden“, erklärt Andrea Griese-Pelikan vom BRK-Kreisverband Starnberg. Dass sich die Personalsuche in der Branche allgemein schwierig gestalte, sei längst kein Einzelfall mehr. „Man muss sehr kreativ sein, anders geht es nicht.“ Für das BRK bedeutet das: Quer- und Wiedereinsteiger fördern oder an Ausbildungs-Pilotprojekten teilnehmen.

Die parteifreie Gemeinderätin Stephanie Pahl (50) ist selbst Erzieherin. Sie ist der Meinung, dass auch die Gemeinde kreativ werden müsse, um gegen den Erziehermangel vorzugehen.

In Gauting müsste in Sachen Erziehermangel aber auch die Gemeinde kreativ werden, findet die parteifreie Gemeinderätin Stephanie Pahl (50) – selbst Erzieherin. Eine Idee: Vergünstigungen für Erzieher und Kinderpfleger, etwa Jahreskarten für Schwimmbad oder Kultureinrichtungen. „Dabei geht es auch einfach um die Wertschätzung derjenigen, die in sozialen Berufen tätig sind“, so Pahl. Sie kennt junge Kollegen, die nebenbei kellnern oder an Tankstellen arbeiten müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. „Das kann doch bei diesem wertvollen Beruf nicht sein“, findet Pahl.

Der Grund: Anders als in der Stadt München und den anderen Würmtal-Gemeinden gibt es für Erziehungspersonal keine sogenannte Arbeitsmarktzulage – obwohl Miet- und Lebenskosten genauso hoch sind. In Planegg, Neuried oder Krailling erhalten Erzieher etwa 150 Euro Zulage, entweder von den Gemeinden selbst oder vom Träger. Der bekommt das Geld meist über Defizit­ausgleichszahlungen von den Kommunen erstattet. Allerdings: Eigene Einrichtungen hat Gauting nicht, der Einfluss auf die tatsächlichen Arbeitsbedingungen halte sich darum in Grenzen, so Pressesprecher Maximilian Olberding. „Vielleicht könnte die Gemeinde aber einen Runden Tisch mit den Trägern einrichten“, schlägt Pahl vor.

BRK-Bereichsleiterin Andrea Griese-Pelikan sieht in einer Zulage kein Allheilmittel. „Am liebsten wollen die Menschen nah an ihrer Arbeitsstätte wohnen, damit sticht man wohl besser als mit Geld.“ Zumal das BRK als gemeinnütziger Träger tarifgebunden ist – und eine zusätzliche Zulage nur mit Spenden oder höheren Beiträgen ausgleichen könnte.

In Sachen bezahlbarer Wohnraum unterstütze die Gemeinde das Betreuungspersonal bereits, teilt Olberding mit. Wohnungen, die im Eigentum der Gemeinde stehen oder für die ein Vorschlagsrecht besteht, werden Erziehern angeboten. Zudem könnten Stellenangebote auf der Gemeinde-Website eingestellt werden. 

Romy Ebert-Adeikis

Das sagen andere Einrichtungen aus der Region 

Renate Kleinmond, Caritas-Kinderhaus Krailling:
Im Caritas-Kinderhaus Krailling glaubt man fest daran, dass eine Arbeitsmarkt-Zulage den Druck aus der Personalsuche nimmt. Seit zwei Jahren bekommen Erzieher hier 150 Euro extra, Kinderpfleger 100 Euro – kurz nachdem auch in Planegg ein solcher Zuschlag eingeführt wurde. „Der Arbeitsmarkt für Erzieher ist ohnehin eine Katastrophe. Wenn es dann noch ein Ungleichgewicht bei der Bezahlung gibt, geht gar nichts mehr“, sagt Kinderhaus-Leiterin Renate Kleinmond. In ihrer Einrichtung mit 29 pädagogischen Mitarbeitern gebe es momentan zwar keinen Personalmangel. Für eine Stelle, die sie seit einem dreiviertel Jahr gern zusätzlich besetzen würde, hat sie aber bislang noch keine einzige ernsthafte Bewerbung bekommen. „Nur ein paar Anfragen aus Russland, teilweise von Leuten, die nicht mal richtig Deutsch können“, so Kleinmond. Vor 15 Jahren wären es noch um die 50 Bewerber gewesen. Dabei bietet das Caritas-Kinderhaus neben der Zulage auch Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Altersvorsorge – und eine Prämie von bis zu 1000 Euro, wenn Mitarbeiter neue Mitarbeiter werben.

Christian Strohmeier, kaufmännischer Leiter bei FortSchritt

Christian Strohmeier ist kaufmännischer Leiter bei FortSchritt. Die Bewerbungssituation bereitet ihm Sorgen.

Auf eine Stellenausschreibung bekomme man zwei oder drei Bewerbungen. „Das war schon einmal ganz anders“, sagt Christian Strohmeier, kaufmännischer Leiter der FortSchritt gemeinnützigen GmbH, die unter anderem in Gräfelfing oder Martinsried Einrichtungen betreibt. Dabei verlagere sich der Druck immer weiter nach außen. Mit Einführung der Arbeitsmarktzulage in München 2014 gingen Arbeitskräfte aus dem Landkreis in die Stadt. Dann zogen die Bürgermeister im Landkreis München nach. „Wir laufen seit Jahren in den angrenzenden Landkreisen Sturm, weil wir ohne Zulage kaum Erzieher finden“, so Strohmeier. In Gröbenzell musste sich der Träger etwas anderes einfallen lassen. Seit rund zwei Jahren zahlt die gemeinnützige GmbH dort selbst die Zulage. „Seitdem haben wir keine Personalprobleme mehr“, so Strohmeier. Es sei dem Träger lieber, Geld zu investieren, als Gruppen oder Einrichtungen zu schließen – und so vielleicht noch Fördergelder zu verlieren.

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