Kiesabbau am Martinsrieder Feld?

Jetzt kommen die Steine ins Rollen: Zu Lasten der Gegner

Mitte November soll der Kiesabbau am Martinsrieder Feld starten. Die Anwohner kritisieren das Vorhaben scharf und wollen es vereiteln.
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Mitte November soll der Kiesabbau am Martinsrieder Feld starten. Die Anwohner kritisieren das Vorhaben scharf und wollen es vereiteln.

Gräfelfing/Martinsried - Seit 1960 will die Gräfelfinger Firma Glück am Martinsrieder Feld Kies abbauen - Mitte November soll es laut Geschäftsführer Markus Wahl endlich losgehen.

Gräfelfing/Martinsried Die Erlaubnis gibt es schon seit 1960 – jetzt steht der Kiesabbau am Martinsrieder Feld durch die Gräfelfinger Firma Glück endgültig in den Startlöchern. Ein entsprechender Genehmigungsbescheid ist vom Landratsamt dieser Tage ergangen. Am Samstag, 21. Juli, werden die Bürger beim Tag der offenen Tür des Kieswerks über das Vorhaben informiert. Mitte November sollen die Abräumarbeiten beginnen.

Das ist geplant: 

Geschäftsführer Markus Wahl (links) rechnet mit einer Abbaudauer von ca. zwei Jahren.

Auf einer Fläche von knapp fünf Hektar zwischen Gräfelfing und Martinsried (Umgriff 5,8 Hektar) will die Firma Glück etwa 650 000 Kubikmeter Rohkies abbauen. Die Abbautiefe beträgt 13 Meter. „Wir rechnen dafür mit einer Dauer von zwei Jahren“, sagt Geschäftsführer Markus Wahl. Während des Abbaus soll ein sechs Meter hoher Schutzwall Anwohner vor Staub und Lärm schützen.

Danach wird die Grube in drei Jahren wieder mit Erdaushub und Bauschutt verfüllt und das Gelände rekultiviert“, so der Geschäftsführer. Zudem werde an der Klostermeiergrube ein drei Hektar großes Biotop mit Trocken- und Nasszonen angelegt.

Das sagen Kritiker: 

Vor allem in Martinsried kritisiert man die Nähe der Grube zum Ort. „Martinsried ist seit den 60er-Jahren enorm gewachsen, unweit des Areals sind Kinderkrippen, Schulen und Wohnungen entstanden. Ein Kiesabbau hier ist völlig deplatziert“, sagen etwa Judith Grimme und Sabine Haugg vom Ortsverband der Grünen. Der Schutzwall sei dafür nicht ausreichend, zumal der schnelle Abbau eine intensivere Arbeit notwendig machen könnte.

„Feinstaub verteilt sich überall in der Gegend. Und es gibt keine Grenzwerte, unter denen er ungefährlich ist“, sagt Vorsitzende Dr. Barbara Gutmann.

Eine Meinung, die auch die Bürgerinitiative Planegg-Martinsried teilt. „Feinstaub verteilt sich überall in der Gegend. Und es gibt keine Grenzwerte, unter denen er ungefährlich ist“, sagt Vorsitzende Dr. Barbara Gutmann. Gleichzeitig könne bei der Verfüllung der Grube mit Bauschutt nicht kontrolliert werden, ob auch Asbest freigesetzt wird. „Die Gebäude, die heutzutage abgerissen werden, sind fast immer mit Asbest gebaut worden“.

Von Emissionen betroffen seien auch Gewerbetreibende in der Fraunhoferstraße mit teils hochsensiblen Apparaturen, berichtet Gutmann: „Zwei Firmen haben sich deswegen bei mir bereits gemeldet.“

Bei der Firma Glück versteht man die Aufregung nicht. Alle Auflagen würden erfüllt, „die Beeinträchtigungen so gering wie möglich gehalten“, betont Markus Wahl. Auch die von den Grünen kritisierte Zerstörung von Trinkwasserspeichern und Ökosystemen, weist Wahl zurück. „Kiesabbauflächen sind wertvolle Oasen, etwa für Insekten oder Vögel“, beteuert Wahl. Die kurzen Wege von der Grube zum Kieswerk würden außerdem zur Ökologie des Vorhabens beitragen.

Kann der Abbau doch noch verhindert werden?

Eine entsprechende Petition der Grünen im Landtag, das Gelände als Grünstreifen zu erhalten, war im Frühjahr am Widerstand der CSU gescheitert. Grimme und Haugg setzen ihre Hoffnung nun auf die anstehenden Landtagswahlen.

Einen anderen Weg hält sich die Bürgerinitiative Planegg Martinsried offen: „Wir wollen auf jeden Fall klagen“, so Gutmann. Momentan warte sie aber noch auf Einsicht in Unterlagen aus 1960. Auch der Bund Naturschutz, der das Gelände derzeit auf schützenwerte Tier und Pflanzenarten untersuche, behalte sich eine Klage vor. 

Romy Ebert-Adeikis

Neue Transportbeton-Mischanlage

Noch nicht entschieden ist ein Antrag der Firma Glück für eine zweite Transportbeton-Mischanlage auf ihrem Gelände in Gräfelfing. „Wir wollen viel Material direkt vor Ort veredeln“, erklärt Geschäftsführer Markus Wahl das Anliegen.

Die neue Anlage soll als Ersatz für ein Werk in Sendling dienen, das heuer geschlossen wird. Der Bau ist für 2019 geplant. Momentan liegen die Pläne noch öffentlich aus, danach muss die Gemeinde Gräfelfing entscheiden. Die Gemeinde Planegg, die Anhörungsrecht hat, hat sich erst vor wenigen Tagen gegen die Mischanlage ausgesprochen.

In der Großinvestition sehen Gegner des Kiesabbaus ein weiteres Argument für ihre Seite. Sie fürchten, dass mit der Anlage in ein neuer Umschlagplatz für Kiesprodukte in der dicht besiedelten Gegend etabliert wird. „So eine Anschaffung hat sicher den Grund, dass dort langfristig in der Gegend ausgekiest wird“, so Judith Grimme und Sabine Haugg vom Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen in Martinsried.

Tag der offenen Tür

Zwischen 10 und 16 Uhr erlaubt das Kieswerk Glück am Samstag, 21. Juli, einen Blick hinter seine Kulissen. Neben der Vorstellung der aktuellen Vorhaben im Verwaltungsgebäude der Firma, Spitzackerstraße 12, gibt es Führungen durch das Werk in kleinen Gruppen. Ein Riesensandhaufen lädt Kinder zum Spielen ein. Zudem besteht die Möglichkeit, von einem Riesenkran aus die Umgebung anzusehen.

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