Gedenkfeier 50 Jahre nach Absturz seines Starfighters

Hier starb der „Held von Gauting"

Stephan Limmer am Gedenkkreuz für Ferdinand Eckert. Der Feuerwehrler pflegt die Stätte, seit er sie 2013 mit der Gautinger Jugendwehr freigelegt hat.
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Stephan Limmer am Gedenkkreuz für Ferdinand Eckert. Der Feuerwehrler pflegt die Stätte, seit er sie 2013 mit der Gautinger Jugendwehr freigelegt hat.

Gauting - Der Bundeswehrpilot Ferdinand Eckert stürzte im April 1968 mit seinem Jet in den Tod. Heute, 50 Jahre später wird seiner Geschichte gedacht

Ferdinand Eckert

Ferdinand Eckert (kl. Foto) stürzte mit doppelter Schallgeschwindigkeit in den Tod: Der Bundeswehrpilot verunglückte am 17. April 1968 um 14.58 Uhr bei einem Testflug bei Königswiesen mit einem Starfighter-Jet. „Es gab einen Schlag, der im ganzen Würmtal zu hören war, und dann stieg ein riesiger Rauchpilz auf“, erinnert sich Stephan Limmer (54), der damals mit seinem Vater in Stockdorf unterwegs war. 

Zum 50. Jahrestag des Absturzes hat der Berufsfeuerwehrler mit dem Pasinger Daniel Rehermann ein Gedenkbuch verfasst. Die Grundlage: Recherchen der Gautinger Jugendfeuerwehr, die 2013 unweit der St.-Ulrichs-Kapelle nach einer Waldbrandübung ein zugewachsenes Gedenkkreuz für Eckert entdeckt hatte. Die Stätte wird vom damaligen Jugendwart – Stephan Limmer – bis heute gepflegt. „In der Schule fand ich Geschichte einfach nur langweilig“, gesteht der Unterbrunner. Jahreszahlen, Imperatoren – „der Bezug zum Alltag hat mir gefehlt. Geschichte wird erst durch die Menschen lebendig“, sagt er. 

In dem gut 60-seitigen Buch lassen er und Rehermann darum vor allem Zeitzeugen des Starfighter-Absturzes zu Wort kommen – darunter auch die Witwe des Verunglückten. „Ich war völlig geschockt“, erzählt sie über den Tag der Tragödie, „Allein der Anblick dieses Platzes war schockierend. Das war das einzige Mal, dass ich an der Absturzstelle war.“ Auch an der Gedenkfeier für ihren „Ferdi“ will sie darum nicht teilnehmen. „Jeder hat den Absturz anders erlebt“, fasst Limmer die Erkenntnis des neuen Buchs zusammen. 

Weil er Gauting womöglich vor einer Katastrophe bewahrt hat, gilt Eckert als Held

Einige erzählen von einer gewaltigen Druckwelle, andere von waghalsigen Flug-Kunstückchen und eine Königswieserin berichtet, den letzten Funkspruch des Piloten erfahren zu haben: „Ich versuche, die Maschine noch über Gauting zu bringen.“ Auch darum gilt Ferdinand Eckert heute als Held, der seinen Jet im letzten Moment in den Wald lenkte, um Gauting vor einer größeren Katastrophe zu bewahren. Wirklich glauben kann das Limmer nicht. „Bei der Flughöhe von 37 000 Fuß und der Geschwindigkeit hat er das wohl kaum steuern können.“ Vielleicht sei der 28-jährige Aschaffenburger auch vorher bewusstlos geworden, mutmaßt Limmer. „Die Starfighter waren bekannt dafür, dass die Sauerstoffversorgung in der Kapsel nicht immer klappte.“ 

Seinen letzten Funkspruch setzte der erfahrene Pilot unweit von Augsburg gut sechs Minuten vor dem Absturz ab. Zwei Minuten später verschwand der Starfighter vom Radar. 

Ein Bild von 1968 zeigt Wrackteile an der Absturzstelle des Starfighters – kein einziges größer als einen Meter

Die wahre Absturzursache wird auch für Limmer immer ein Geheimnis bleiben: Der Jet wurde beim Aufprall in tausende Teile zerfetzt. Noch heute findet man in dem gut fünf mal fünf Meter breiten Krater neben dem Gedenkkreuz winzige Metallstückchen in der Erde.

Am Jahrestag – Donnerstag, 17. April – werden um Punkt 14.58 Uhr die Glocken der St. Ulrichs Kapelle läuten. Neben Vertretern der Bundeswehr und der Traditionsgemeinschaft Jagdbombergeschwader wird Bürgermeisterin Brigitte Kössinger (CSU) dem Starfighter-Piloten die letzte Ehre erweisen.

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