Schutz blockiert schnellen Umbau

Gräfelfinger Rathaus soll Einzeldenkmal werden – Ist Erweiterung jetzt nur nach Plänen von 1966 möglich?

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Ob das Gräfelfinger Rathaus besonders schön ist, darüber lässt sich streiten. Aus Sicht des Landesamts für Denkmalpflege ist der „Brutalismus“-Bau aber definitiv schützenswert.

Das Gräfelfinger Rathaus wurde in die Denkmalliste aufgenommen. Dies blockiert nun die geplante Sanierung des Gebäudes.  Was die Lokalpolitiker und das Landesamts für Denkmalpflege dazu sagen...

Gräfelfing – Wird ein Rathaus als Denkmal gelistet, ist das in der Regel ein Grund zur Freude. In Gräfelfing hat es aber zu einigem Kopfzerbrechen geführt. 

Denn: Sowohl die bereits im Juli beschlossene energetische Sanierung des Gebäudes als auch eine von der CSU geforderte Erweiterung werden dadurch erschwert – oder sogar verhindert. Die Denkmalprüfung angeregt hätte der zuständige Kreisheimatpfleger, teilt das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege auf Nachfrage mit. 

Schutzstatus abzulehnen, ist schwierig

Das 1967 errichtete Rathaus sei ein typischer Vertreter des Brutalismus. „Seit dem 27. Januar ist es daher vorab in unsere Denkmalliste eingetragen“, sagt Landesamt-Gebietsreferent Burkhard Körner. „Eine ausführliche Begründung dafür formulieren wir gerade.“ 

Die muss von der Gemeinde zwar noch anerkannt werden. Den Schutzstatus abzulehnen, ist laut Körner aber schwierig: „Das geht nur, sofern die Gemeinde fachliche Fehler benennt. Absichten für mögliche Veränderungen beeinflussen die Aufnahme in die Denkmalliste nicht.“ 

Für die CSU kommt die Ernennung zum Einzeldenkmal zur Unzeit: Bereits im September hatte der Zweite Bürgermeister Peter Köstler (CSU) beantragt, eine Aufstockung des Südwest-Trakts prüfen zu lassen. Debattiert wurde darüber erst jetzt. 

Pläne von 1966 heranziehen?

Im Bauausschuss erklärte Bürgermeisterin Uta Wüst (IGG): „Eine Aufstockung des Rathauses ist unter den neuen Umständen eher nicht möglich.“ Rücken­deckung bekam sie vom Sohn des Rathaus-Architekten Peter Biedermann, der die schlechte Bausubstanz des Trakts betonte. 

Ein Neubau sei laut Wüst bei einem Denkmal aber ausgeschlossen. Stattdessen regte die Bürgermeisterin an, bereits 1966 erarbeitete Pläne für einen Erweiterungsbau, der auf dem Mitarbeiterparkplatz entstehen könnte, zu prüfen. Dem stimmte der Bauausschuss einstimmig zu, wenn auch zum Teil zähneknirschend. 

„Eine Aufstockung wäre die einfachere Variante“

„Das wird einen ziemlichen Parkdruck auslösen“, meinte CSU-Gemeinderätin Marion Appelmann. „Eine Aufstockung wäre die einfachere Variante“, hält Köster an seinem Vorschlag fest. 

„Grundsätzlich finde ich einen Denkmalschutz für Zweckgebäude schwierig. Das schränkt uns zu sehr ein.“ Anders sieht das Denkmalamt-Experte Körner: „Prinzipiell kann man über alles reden.“ Zwar hält auch er einen Erweiterungsbau für denkmalverträglicher. 

„Es kommt aber immer darauf an, wie sich Veränderungen optisch in den Bau einfügen.“ Die Debatte wird er ohnehin zeitnah führen müssen. In Kürze will die Gemeinde bereits beschlossene Maßnahmen – Einbau eines Aufzugs, Austausch von Fen­ster­scheiben – ausschreiben und muss dafür mit dem Amt Rücksprache halten. 

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Bürgerhaus-Umbau doppelt so teuer

„Schönheit hat ihren Preis“ heißt es landläufig – in Gräfelfing hat sich das jetzt bewahrheitet. Denn für den Umbau des Bürgerhauses wird die Gemeinde nach erster Schätzung des Architekten Klaus Molenaar etwa 11,8 Millionen Euro zahlen. 

Und damit mehr als doppelt so viel wie bei einer Machbarkeitsstudie vor fünf Jahren prognostizert (5,8 Millionen). „Allein wegen der allgemeinen Baukostensteigerung wären wir heute bei 8,4 Millionen Euro“, rechnete Molenaar dem Bauausschuss vor, in dem er seinen Entwurf erstmals vorstellte. 

Zu einem „Merkzeichen“ soll der neue Bürgerhaus-Turm werden. Geplant ist ein Glaskubus, der wie ein Lampion den Gräfelfinger Bahnhofplatz erhellen soll.

Der Rest geht auf das Konto besonderer Bedürfnisse. So soll die Bürgerhaus-Bühne nicht nur technisch auf den aktuellen Stand gebracht werden, sondern durch einen Anbau auch deutlich größer werden. „Dann kann endlich mal ein Theaterstück aufgeführt werden oder ein Orchester spielen“, so Molenaar. 

Das allein kostet über eine Million Euro extra. Zudem rechnet der Architekt damit, dass die komplette Fußbodenheizung samt aller Böden erneuert werden muss. Zu einem „Merkzeichen“ will Molenaar den Bürgerhaus-Turm machen, der neu gebaut wird. 

Seine Vision: ein Glaskubus mit Leselounge, Verwaltungsräumen und Dachterrasse, der nachts wie ein Lampion den Bahnhofplatz erleuchtet. 

Auch der Haupt­eingang soll künftig dort untergebracht werden. Im Bauausschuss fand der Entwurf viel Zustimmung – trotz der hohen Kosten. Nur Franz Lang (SPD) sah in dem Glasturm einen „Bruch“ zum Bestandsgebäude. Molenaar rechnet mit einem Baubeginn im Frühjahr 2022.

Romy Ebert-Adeikis

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