Gautinger gründet im Würmtal die erste deutsche Messie-Akademie

Profi-Hilfe für alle Messies

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Die Wohnungen von Messies sind oft bis unter die Decke zugemüllt. Michael Schröter (li.) hilft Betroffenen seit 14 Jahren.

In der Wohnung stapelt sich Müll und es stinkt sprichwörtlich zum Himmel: Menschen mit Messie-Syndrom sind einer extremen körperlichen und psychischen Belastung ausgesetzt. Der Gautinger Michael Schröter hat nun eine Messie-Akademie gegründet. Was der Messie-Helfer plant, lesen Sie hier.

Bis unter die Decke stapeln sich Gegenstände, die jeder andere als Müll abtun würde: abgenutzte Gartenstühle, leere Flaschen, Kartons und Unmengen anderes nutzloses Zeug, die auch noch einen üblen Geruch verbreiten. Dennoch können manche Menschen den Unrat nicht wegwerfen. Die Wohnung verwandelt sich nach und nach in ein reines Chaos.

Geschätzt 300 000 Menschen in Bayern leiden an dem sogenannten Messie-Syndrom. Alleine finden sie keinen Weg mehr aus dem Chaos. Seit 14 Jahren hilft der Gautinger Michael Schröter (64) den Betroffenen und Ihren Angehörigen. „Es gibt einen enormen Bedarf an Messie-Helfern, die mit Einfühlungsvermögen den Betroffenen zur Seite stehen können“, sagt der gelernte Schriftsetzer, der sich als Messie-Helfer selbstständig gemacht hat. Deshalb hat Schröter nun die erste deutsche Messie-Akademie gegründet, die nicht nur hilft, sondern künftig auch Helfer praxisnah ausbilden soll. Seine Vision: „Jeder Messie in Deutschland soll die professionelle Hilfe bekommen, die er benötigt.“

Die Anzeichen für das Syndrom sind oft die gleichen: Die Betroffenen lassen aus Scham niemanden mehr in ihre Wohnung und gleiten nach und nach in die Isolation ab. Angehörige würden oft nicht richtig reagieren, wenn sie eine Messie-Wohnung vorfinden, sagt Schröter. „Die meisten machen Vorwürfe, weil sie mit dem Phänomen nicht vertraut sind.“ Besser sei es deshalb eine neutrale Person hinzu zu ziehen. „Hilfe findet man zum Beispiel im Internet.“

Schröters Neugierde am Messie-Syndrom wurde vor 14 Jahren geweckt. Er arbeitete damals als Helfer bei der Caritas. „Als ich dabei in meine erste Messie-Wohnung kam, begann ich mich weiter darüber zu informieren“, erzählt der 64-Jährige. Seitdem war Schröter mit hunderten Fällen konfrontiert, in den er geholfen hat.

Die Aufgabe der Helfer ist nicht nur, den Menschen beim Entrümpeln zu helfen, sondern auch sozialen Beistand zu geben. „Wir versuchen soziale Kontakte neu aufzubauen, so dass die Betroffenen wieder Besuch bekommen.“ Dadurch hätten sie einen Anreiz, weiter aufzuräumen. Psychologische Hilfe müsse ein Profi geben. „Aber auch die sind in Deutschland viel zu selten“, klagt Schröter. Er will deshalb das Messie-Syndrom in den Fokus der Öffentlichkeit rücken.

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Infos unter www.messie-akademie.de

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