Fehlendes Personal sorgt für Betreuungsprobleme

Zoff um Kita-Situation in Gauting – Träger fordern nun Hilfe vom Freistaat Bayern

Die Situation in den Kitas in Gauting spitzt sich zu. Es gibt zu wenig Personal. Nun wird Hilfe vom Freistaat gefordert. (Symbolbild)
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Die Situation in den Kitas in Gauting spitzt sich zu. Es gibt zu wenig Personal. Nun wird Hilfe vom Freistaat gefordert. (Symbolbild)
  • Romy Ebert-Adeikis
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Vielen Gautinger Kindereinrichtungen fehlt Personal. Dies macht es für Eltern schwierig Betreuungsplätze zu finden. Träger wollen nun Hilfe vom Freistaat fordern.

Gauting - Ulrike S. ist frustriert. Die Gautingerin sucht gerade nach einem Krippenplatz für September. Auch beim dritten Mal ist es für sie nicht leichter, im Gegenteil.

Bisher ist es zwar immer gut ausgegangen, „aber jedes Jahr die gleichen Schwierigkeiten – das zerrt an den Nerven“, so die Mutter. „Dass es in Gauting genauso ist wie in München, hätten ich mir nie vorstellen können.“ So wie Ulrike S. gehe es vielen Eltern in Gauting. „Ich kenne in meinem Bekanntenkreis niemanden, der mit der Betreuung seiner Kinder keine Probleme hatte“, sagt sie.

Ein Grund: Viele Gautinger Kindereinrichtungen haben zu wenig Personal. „Uns fehlen zur Zeit in Gauting vier Mitarbeiter“, sagt Andrea Griese-Pelikan, Bereichsleiterin Kinder, Jugend und Familie beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) Starnberg.

Das betreibt in Gauting fünf Einrichtungen, von der Krippe bis zum Hort. „Wir machen und tun, um neues Personal zu finden. Aber es sieht so aus, als ob wir in diesem Jahr nicht alle Betreuungsplätze belegen können.“

Andrea Griese-Pelikan, Bereichsleiterin Kinder, Jugend und Familie beim Bayerischen Roten Kreuz (BRK) Starnberg.

Dass die Lage in Gauting besonders hart ist, liegt der BRK-Bereichsleiterin zufolge vor allem daran, dass die Gemeinde den Betreuungskräften – anders als München oder Planegg – keine Großraumzulage von 270 Euro zahlt.

„Wir wissen, dass Gauting nicht reich ist. Aber wir freien Träger können die Zulage nicht zahlen und die Eltern haben schon jetzt relativ hohe Beiträge. Nochmal was drauf geht einfach nicht.“ Pro Kind würden für die Eltern dadurch nochmal 40 bis 60 Euro dazukommen.

„Ich denke, die Personalnot besteht unabhängig von der Zahlung der Großraumzulage ganz einfach, weil es insgesamt viel zu wenige Erzieher gibt“, sagt Alexandra Heckl.

5 vor 12 für Kita und Co. - Gibt‘s bald mehr Geld für Gautinger Erzieher?

Hilfe vom Freistaat Bayern gefordert

Die Bereichsleiterin für Kinder und Jugend bei der Gemeinde Gauting kennt die Sorgen der Eltern (siehe unten), setzt aber auf eine andere Lösung: „Wir wollen vor allem in den Neu- und Ausbau investieren.“ Seit 2015 habe Gauting 245 neue Betreuungsplätze geschaffen, derzeit wird ein neuer Walddorfkindergarten gebaut.

Am Schulcampus und dem ehemaligen AOA-Gelände sind weitere Einrichtungen geplant.Wer die Kinder dort schließlich erziehen wird – diese Frage bleibt.

Die in Gauting aktiven Träger haben sich darum nun zusammengeschlossen. „Unsere Idee ist, für eine Erhöhung des Basiswerts für Ballungsräume zu kämpfen“, berichtet Griese-Pelikan.

Dabei handelt es sich um eine Pflichtförderung, die jeweils zur Hälfte von Freistaat und Kommune gezahlt wird. Am Donnerstag, 25. Februar, soll der neue Ansatz erstmals in der Bürgermeister-Runde des Landkreises vorgestellt und um Unterstützung geworben werden. „Wir wissen, es wird ein langer beschwerlicher Weg. Aber wir müssen etwas ändern.“

Online-Diskussion auf Zoom

Am Donnerstag, 25. Februar, findet ab 19.30 Uhr eine Online-Diskussion auf Zoom zur Kita-Situation in Gauting statt. Die Teilnahme ist unter der Meeting-ID 87 97 22 02 558 möglich. Der Kenncode lautet 98 43 32.

Zahlen zur Kinderbetreuung 

Im September 2020 gab es in Gauting 1451 Plätze in acht Kinderkrippen, 17 Kindergärten, fünf Kinderhorten, drei Großtagespflegen und vier Mittagsbetreuungen.

Wegen Personalmangels konnten gut 200 der insgesamt vorhandenen Betreuungsplätze jedoch nicht besetzt werden, die meisten davon in Kindergärten (134). Plätze, die es bräuchte: „Laut Warteliste benötigten 63 Kinder noch einen Kindergarten- und 61 Kinder einen Krippenplatz“, sagt Alexandra Heckl von der Gemeinde Gauting.

Den diesjährigen Stand und Bedarf von Betreuungsplätzen kann die Gemeinde erst im Mai ermitteln.

rea

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