Gautinger kämpfen für ein Museum in dem Gehöft – Gemeinde will Abriss

Doch noch Rettung für den Wunderlhof?

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Der Wunderlhof gilt als einer der letzten Zeugen des historischen Gautings. Jetzt droht ihm der Abriss.

Gauting – Um 1900 ist der Wunderlhof entstanden. Schon im Sommer soll das Gebäude im Gautinger Zentrum Vergangenenheit sein. Kommt jetzt der Abriss?

Einst siedelten dort die Kelten, die Römer nannten den Ort an der Würm „Bratananium“ und im Spätmittelalter stand dort die Karlsburg. Dass Gauting ein geschichtsträchtiges Pflaster ist, ist unbestritten. Umso unverständlicher ist es für Eva Naumer (54) und Ralf Schrage (57), dass mit dem Wunderlhof bald einer der letzten Zeugen des historischen Gautings verschwinden soll. 

„Dabei ist er für das Ortsbild relevant“, meint Naumer, die seit 25 Jahren in Gauting lebt. Sie und Schrage schätzen, dass der Hof um 1900 erbaut wurde. „Von alter Architektur ist in Gauting jetzt schon fast nichts mehr vorhanden“, ärgern sich die Bürger.

Noch in der ersten Jahreshälfte soll laut Gemeindesprecher ­Maximilian Olberding auch der Wunderlhof abgerissen werden. „Der Hof ist stark verfallen und akut einsturzgefährdet“, so die Begründung. Eine Sanierung sei, wenn möglich, extrem aufwendig und teuer. Aktuell laufe eine Ausschreibung für den Abbruch. „Sobald die abgeschlossen ist, kann es losgehen.“

Eva Naumer und Ralf Schrage sprechen sich für den Erhalt des Wunderlhofs aus.

Ralf Schrage, selbst Restaurator historischer Gebäude, widerspricht der Darstellung der Gemeinde, die den Hof vor 15 Jahren erworben hat. „Die Bausubstanz des Wunderlhofs ist noch in Ordnung.“ Ein Wasserschaden an der Fassade sei die Folge einer defekten Dachrinne. „Das zu reparieren hätte vielleicht 300 Euro gekostet“, so der 57-Jährige. Er vermutet, dass die Gemeinde das Gebäude bewusst verwahrlosen ließ, so dass sie Investoren nach dem Abbruch ein freies „Filetgrundstück“ zum Bauen anbieten kann.

Laut Sprecher Olberding hat die Gemeinde noch keinen Plan für das Areal. Darüber werde erst „zu gegebener Zeit entschieden“. „Warum kann man dann kein Konzept erstellen, bei dem der Hof erhalten bleibt?“, fragen sich Naumer und Schrage. Sie bringen eine eigene Vision zur Debatte: der sanierte Wunderlhof als Heimatmuseum, das die reiche Gautinger Geschichte präsentiert. 

„Andere Gemeinden machen einen riesen Bohei um ihre römischen Wurzeln“, sagt Schrage. „Im Rathaus gibt es zwar zwei Glaskästen des Archäologievereins. Aber der Rest vergammelt in irgendwelchen Kellern. Das ist so schade“, ergänzt Naumer. „So ein Museum könnte für das ganze Würmtal und auch Starnberg interessant sein.“ Für ihre Idee suchen die beiden jetzt nach Mitstreitern.

Gemeindesprecher Maximilian Olberding dämpft die Euphorie aber vorab: „Vor dem Hintergrund der äußerst angespannten Haushaltslage ist eine solche Nutzung unrealistisch.“ Schließlich müsse ein Museum auch unterhalten werden. rea

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