Kämpfen für die Villenkolonie

Weg frei für kastenförmige Neubauten?

Prächtige Villen schmücken das Gräfelfinger Ortsbild. Bewohner befürchten jetzt, dass sich das durch den fehlenden Denkmalschutz ändern könnte.
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Prächtige Villen schmücken das Gräfelfinger Ortsbild. Bewohner befürchten jetzt, dass sich das durch den fehlenden Denkmalschutz ändern könnte.
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Prächtige Villen schmücken das Gräfelfinger Ortsbild. Bewohner befürchten jetzt, dass sich das durch den fehlenden Denkmalschutz ändern könnte.
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Prächtige Villen schmücken das Gräfelfinger Ortsbild. Bewohner befürchten jetzt, dass sich das durch den fehlenden Denkmalschutz ändern könnte.
Lageplan der Villenkolonie Gräfelfing.
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Lageplan der Villenkolonie Gräfelfing.
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Gräfelfing - Einen Denkmalschutz wird es vorerst nicht geben. Welche Bausünden es schon gibt, worauf die Denkmalschutz-Befürworter jetzt hoffen: Hallo hat sich umgeschaut

Es sollte eigentlich eine Auszeichnung sein: Im Januar ist das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege an Gräfelfing herangetreten, um den Kernbereich der Villenkolonie als Ensemble in die Denkmalliste eintragen zu lassen. Als „entwicklungsgeschichtlicher Endpunkt des Siedlungstyps in und um München“ seien die Steinkirchner Straße, die Grawolf-, Professor-Kurt-Huber- und Bahnhofstraße ein historisch wichtiger Beitrag zum Siedlungsbau der Vorkriegszeit, so die Begründung. Der Gemeinderat hat den Ensembleschutz jetzt aber mit 15 zu 7 Stimmen abgelehnt – weil dieser den Eigentümern der rund 80 Gebäude weniger Freiheiten bei Sanierungen lasse.

Eine Aussage, die nicht alle Villen-Bewunderer so stehenlassen wollen. „Es ist Unsinn, dass dann keiner eine Türklinke wechseln kann. Der Ensembleschutz beschäftigt sich nicht mit Einzelgebäuden, sondern mit dem Ortsbild“, sagt Friederike Tschochner. Was die frühere Gemeindearchivarin stattdessen beobachtet hat: Immer wieder suchen Besitzer ihren Rat, um die Villen möglichst historisch zu erhalten. „Außerdem sind sie alle längst verändert worden und wenn sie nur neue Sanitäranlagen bekommen haben“, so Tschochner.

Nicht Einzelgebäude sondern Ortsbild werden geschützt

Der Ensembleschutz lege eher Wert auf Grundsätzliches wie die einsehbaren Vorgärten und geschwungenen Straßen mit Parkflächen, die auf sogenannte Mustervillen zulaufen und die es in der Form nur in Gräfelfing gibt. In Sachen Brandschutz oder Dämmung ermögliche der Denkmalschutz sogar Ausnahmeregelungen, argumentiert Tschochner. Aber: Wer ein Gebäude verändern oder neu bauen will, muss die Planung der Unteren Denkmalbehörde im Landrats­amt vorlegen, die entscheidet, ob der Entwurf zum Umfeld passt.

„Wenn das Ortsbild erhalten bleibt, ist das doch ein Wert. Das hat etwas mit der Lebensqualität von Gräfelfing zu tun“, findet Nicolaus von Welck, der sich wie Tschochner für den Schutz einsetzt. Ein Negativbeispiel gibt es ihnen zufolge bereits: An der Ecke Steinkirchner- und Hügelstraße prangt zwischen vier denkmalgeschützten Villen ein moderner Bau: rechteckig, weiß, mit Flachdach und Fensterfronten – ein Gegenentwurf zum holzlastigen, bunten Haus nebenan, in dessen ehemaligen Garten der Neubau steht. „Über den Bau an sich kann man sich streiten. Aber er steht an der völlig falschen Stelle“, sagt Tschochner. Solche Brüche würden in einem geschützten Ensemble wohl nicht genehmigt.

Die Hoffnung: der Landesdenkmalrat, in dem auch Gräfelfings Bürgermeisterin Uta Wüst (IGG) Mitglied ist. „Was viele nämlich nicht wissen: Der Rat kann selbst entscheiden, ob etwas geschützt wird“, so von Welck. Sollte er ein Denkmal- Ensemble festsetzen, würde Gräfelfing wohl nicht dagegen vorgehen: „Da die Planungshoheit der Gemeinde davon nicht betroffen ist und auch der Bebauungsplan nicht geändert werden muss, wird die Gemeinde nicht dagegen klagen. Doch der Gemeinderat wird sich dann sicher zu gegebener Zeit noch einmal damit befassen“, so Sprecherin Birgit Doll.                                            Romy Ebert-Adeikis

Geschichte der Villenkolonie

Lageplan der Villenkolonie Gräfelfing.

Nachdem bereits an der Münchner Prinzregentenhöhe, in Gern und Großhadern Villenkolonien entstanden waren, rückten ab 1898 auch die Badeorte an der Würm in den Fokus. Zwischen 1900 und 1902 entstand nordwestlich des Altdorfs Gräfelfing eine neue Kolonie. Bürgermeister Andreas Kotzbauer, Gemeinderäte und Professoren ließen sich dort nieder – darunter bekannte Namen wie Radartechniker Max Dieckmann, Widerstandskämpfer Kurt Huber oder Verwandte von Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy. Die Straßenführung (Bild re.) besteht noch heute, ebenso einige Villen. Da oft mehrere Bauparzellen zu einem großen Garten zusammengefasst wurden, konnten diese später zusätzlich bebaut werden – wie nach dem Zweiten Weltkrieg als Wohnraum knapp war. Seit den 1970er Jahren stehen gut ein Dutzend Gebäude unter Einzeldenkmalschutz.

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