Dieser Gautinger gründet Partei für Betroffene

Eine Lobby für Messies

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In Michael Schröters Messie-Akademie in Gauting steht schon alles für den Wahlkampf bereit.

Gauting – Sie kämpfen dafür, dass das Messie-Syndrom als Krankheit anerkannt wird – mit ihrem Anliegen wollen die Mitglieder der Messie-Partei jetzt in das Europa-Parlament einziehen

Die Tierschutzpartei, die Familienpartei oder die Rentnerpartei haben es schon einmal ins Europa-Parlament geschafft. Ginge es nach Michael Schröter (66), würde im Mai 2019 noch eine andere Special-Interest-Partei dazukommen: die „Messie-Partei“, die der Gautinger vor wenigen Tagen mit acht Mitstreitern gegründet hat.

„Messies stehen am untersten Ende der Gesellschaft und sie haben keinerlei Lobby“, erklärt Schröter, wieso er in die Politik strebt. Seit 15 Jahren betreibt er einen Messie-Hilfsdienst, 2016 hat er am Gautinger Hauptplatz die erste deutsche Messie-Akademie gegründet. „Mit der Partei wollen wir das Thema in die Gesellschaft heraustragen. Die Europawahl gibt uns die Möglichkeit, das auch europaweit zu tun.“

Michael Schröter will mit der Messie-Partei in das Europäische Parlament einziehen.

Elf Mitglieder hat die „Messie-Partei“ aktuell – rund die Hälfte davon sind Betroffene. Am Donnerstag, 29. November, werden die Europakandidaten der Partei bestimmt. „Dann brauchen wir bis Februar circa 4500 Unterschriften, um an der Wahl auch teilnehmen zu können“, so Schröter. Rein rechnerisch sei das möglich: Etwa 2,5 Millionen Betroffene gibt es dem 66-Jährigen zufolge allein in Deutschland. Aber Messies leben oft im Verborgenen: Ein Hauptmerkmal des Syndroms ist die Scham der Betroffenen, außerhalb gesellschaftlicher Konventionen zu leben. „Es wird sicher schwierig, die Messies zu mobilisieren, aber ich glaube, es ist genau der richtige Zeitpunkt dafür.“

Das Hauptanliegen der neuen Partei ist, dass das Messie-Syndrom als Krankheit anerkannt wird. Nur so kann es zum Beispiel offiziell erforscht werden. „Es gibt auch viel zu wenig Beratungsstellen, das Wissen über Messies ist sehr gering“, klagt Schröter, der sich früher als Caritas-Mitarbeiter auf das Thema spezialisiert hat.

1200 Euro haben Schröter und seine Mitstreiter bisher in den Wahlkampf gesteckt. Sollte es mit dem Einzug ins Europaparlament dennoch nicht klappen, hoffen sie, ihr Anliegen wenigstens in die Gesellschaft getragen zu haben.

Romy Ebert-Adeikis

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