Die Malteser schlagen Alarm

Dringend gesucht: Schulbegleiter

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Petra Birner mit Hund Nelli und ihrem Sohn Paul. Die Suche nach einer Schulbegleitung für ihn hat Birner an den Rand der Verzweiflung gebracht.

Gräfelfing/Giesing – Es mangelt akut an Schulbegleitern: Immer mehr Anfragen von Familien in Not können deshalb nicht mehr bedient werden – Die Malteser schlagen Alarm

„Wenn man kein Rückgrat hat, ist man verloren“, sagt die Giesingerin Petra Birner (48). Seit vier Jahren unterstützt ein Schulbegleiter der Malteser ihren Sohn Paul (10) beim Lernen in einer Spezialschule. Paul leidet an der Aufmerksamkeitsstörung ADHS und hat autistische Züge. „Anstatt sich Herausforderungen zu stellen, tickt er aus und rennt weg“, erklärt Birner, warum der Zehnjährige nur mit Hilfe die Schule bewältigen kann. Die zu bekommen war für die Mutter ein Kampf – wochenlang hat sie sämtliche Begleitdienste im Raum München durchtelefoniert, letzten Endes selbst eine Betreuerin gefunden, die von den Maltesern eingestellt wurde. „Ich habe mich mit Ellbogen durchgesetzt. Das schaffen nicht alle“, sagt Birner heute. „Aber zeitweise war ich auch am Boden zerstört.“

Martina Zobrist (links) und ihr Kollege vom Schulbegleitungsdienst der Malteser in Gräfelfing vor dem Schulbegleiterbus.

Ein Gefühl, das derzeit wohl viele Eltern kennen. Denn: Es mangelt akut an Schulbegleitern. „Wir bekommen fast täglich neue Anfragen von Eltern, die erst jetzt von einer Individualbegleitung erfahren“, sagt Martina Zobrist vom Schulbegleitungsdienst der Malteser in Gräfelfing. Die Situation sei heuer schlimmer als in den Vorjahren. „Obwohl die Schule längst angefangen hat, haben wir noch viele offene Anfragen“, so Zobrist. Derzeit sind es rund 30. Circa 130 Schulbegleiter arbeiten im Großraum München bereits für die Malteser – mit Kindern mit körperlichen Behinderungen oder entwicklungspsychischen Störungen.

Dass die Warteliste so lang ist, liegt laut Zobrist zum einen daran, dass das Begleitungsangebot immer bekannter und von Lehrern und Schule häufiger empfohlen wird. Gleichzeitig steige der Bedarf, so ihr Kollege Benjamin Wellinger. Nicht zuletzt ist die Vermittlung aufwendig, Betreuer und Kind sollten von Anfang an zueinander passen, um die Kinder nicht zu verunsichern. Dabei ist das Personalangebot knapp.

Geringer Lohn trifft auf mehr Bekanntheit und Bedarf

Dieses Dilemma bestätigen auch andere Münchner Dienste. „Obwohl wir dieses Jahr die Anzahl der zu begleitenden Kinder auf über 50 verdoppelt haben, haben wir sicherlich noch genauso viele auf der Warteliste“, erklärt Gudrun Keinert von der Lebenshilfe München. „Der Bedarf ist groß, deshalb gibt es eine Warteliste und wir stoßen mit unseren Kapazitäten an die Grenzen“, teilt die Arbeiterwohlfahrt mit.

Wie die Malteser setzen viele inzwischen auf Quereinsteiger. „Bei uns sind viele Rentner oder Mütter, die genau zu den Schulzeiten nach einer Beschäftigung suchen“, sagt Benjamin Wellinger. Denn die Begleitung ist nur eine Teilzeitbeschäftigung: Als regulärer Job reicht das Fachkräften meist nicht aus.

Romy Ebert-Adeikis

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