Hoch das Glas zum Bier-Turnier!

Gerhard Hunger (72) ist der älteste Teilnehmer bei der Deutschen Meisterschaft der Bier-Sommeliers

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Es sieht aus wie Sekt, aber es ist Bier: Gerhard Hunger hat eine ganze Reihe besonderer Biersorten in seinem Kühlschrank, darunter auch ein in speziellen Holzfässern gelagertes Waldbier.

Ein Prost auf die Bier-Kenner: Es gibt immer mehr Spezialisten, die sich intensiv mit den verschiedenen Sorten befassen. In Gräfelfing findet nun die Deutsche Meisterschaft der Bier-Sommeliers statt. Der Sieger darf im Herbst zur WM nach München. Gerhard Hunger geht bei den deutschen Titelkämpfen als Lokalmatador an den Start.

Prüfend hält Gerhard Hunger ein mit Bier gefülltes Glas gegen das Licht. Der Gräfelfinger riecht daran, danach genehmigt er sich einen kleinen Schluck. „Es ist eindeutig ein Kölsch, auch wenn es ein wenig herb schmeckt“, sagt er. Und Hunger muss es wissen, denn der 72-Jährige ist ein Bier-Sommelier.

Im Herbst 2014 hat er die gut zweiwöchige Ausbildung gemacht. Acht Tage war er dazu nach Österreich zur Trumer Privatbrauerei gereist. Zuvor hatte er sich an weiteren acht Tagen die Grundlagen in der Gräfelfinger Brauakademie Doemens draufgepackt. Dort findet auch die dritte Deutsche Meisterschaft der Bier-Sommeliers statt (siehe Info unten), bei der Hunger als Lokalmatador an den Start geht.

„Eigentlich wollte ich in der Rente noch Geschichte studieren, um mein Gehirn fit zu halten“, erzählt der Gräfelfinger. Doch dagegen hatte seine Frau etwas einzuwenden. „Sie meinte, dass ich dann überhaupt nicht mehr zuhause, sondern nur noch im Hörsaal wäre.“ Weil sich der ehemalige Verkaufsleiter eines amerikanischen Arzneimittelkonzerns auch für die Historie des Biers interessierte, kam er auf die Idee, stattdessen die Ausbildung zum Bier-Sommelier zu machen.

Seine Chancen bei der Deutschen Meisterschaft schätzt er eher gering ein. „Ich habe einen entscheidenden Nachteil gegenüber jüngeren Teilnehmern: Im Alter lassen Geruchs- und Geschmackssinn nach.“ Doch für den Gräfelfinger zählt der olympische Gedanke: Dabei sein ist alles.

Trainiert wird trotzdem kräftig für die Titelkämpfe. Hunger hat sich einen sogenannten Aromakoffer gekauft. In ihm sind 60 Fläschchen mit den unterschiedlichsten Düften: Essig, Ananas, Petroleum oder Zwiebel kann er dort ebenso erschnüffeln wie Kaffee, Maggikraut oder Banane. Viele der Aromen finden sich auch im Bier wieder. „Banane ist zum Beispiel typisch für Weißbier“, sagt Hunger. Entscheidend für den Geschmack sind dabei die verschiedenen Hopfenarten.

Einen Titel hat Hunger aber schon jetzt sicher: Er ist der älteste der insgesamt 58 Teilnehmer an der Deutschen Meisterschaft. „Auch bei Treffen mit anderen Sommelier-Kollegen bin ich immer der Senior“, erzählt der Gräfelfinger. Brauchen kann er sein Wissen durchaus: „Ich helfe meinem Enkel im Getränkemarkt“, sagt er. Und auch bei VHS-Kursen gibt der Bier-Spezialist seine Kenntnisse weiter. ad

Die Deutsche Meisterschaft der Bier-Sommeliers findet am Freitag, 11. Februar, ab 9 Uhr in der Doemens-Akademie, Stefanusstraße 8 in Gräfelfing, statt. Zuschauer sind willkommen.

So funktioniert das Bier-Turnier
Auf die Teilnehmer der Deutschen Meisterschaft der Bier-Sommeliers wartet ein anspruchsvolles Programm. Sie umfasst zwei Vorrunden und ein Finale. In den Vorrunden gilt es, verschiedene nationale und internationale Bierstile sowie biertypische Aromen in zwei Verkostungsrunden mit jeweils zehn Bieren zu erkennen. Die besten sechs Bier-Sommeliers werden daraufhin in das Finale einziehen. Die Finalisten präsentieren der Fachjury und dem Publikum ausgewählte Biere. Dabei sollen sie nicht nur durch ihr fachliches Können überzeugen, sondern auch durch eine gewisse Bühnenpräsenz und ausdrucksstarke Darstellung. Derjenige, der die Botschaft von Bierkultur und -vielfalt am besten präsentiert hat, wird zum Deutschen Meister gekürt.

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