Bürger hoffen auf Geprächsbereitschaft seitens der Gemeinde

Buslinie 259: Warten auf Probleme

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Zdravko Dragovic (links) und Martin Mühlbauer wollen, dass der Bus am Mini-Kreisel im Zentrum wendet. Ihrer Meinung nach sollte er das Wohngebiet gar nicht anfahren.

Martinsried – Ab Sonntag, 9. Dezember, wird die Buslinie 259 das Wohngebiet entlang der der Lena-Christ- und Käthe-Kollwitz-Straße passieren – die Anwohner fürchten Lärm, Abgase und viele Unfälle

Sie hatten Briefe geschrieben, Unterschriften gesammelt – und doch nichts erreicht. Am Sonntag, 9. Dezember, wird wahr, wogegen Anwohner der Lena-Christ- und Käthe-Kollwitz-Straße lange gekämpft hatten: Die neue Buslinie 259 von Pasing nach Martinsried wird zum Wenden ihr Wohngebiet passieren. Die ersten Schilder dafür hat der Bauhof bereits aufgebaut.

Ihr Anliegen ganz abgeschrieben haben die Anwohner – die Lärm, Abgase und mehr Unfälle fürchten – aber nicht. In der Bürgerversammlung Planegg sprach unter anderem Zdravko Dragovic (46) das Thema vor rund 80 Zuhörern wieder an.

Jetzt mischt auch ein früherer ADAC-Experte mit

Dass sich bis Dezember noch etwas ändern lässt, glaubt er zwar nicht. Aber: „Wir erwarten mit dem neuen Bus Probleme. Und wenn die dann da sind, wird die Gemeinde mit uns reden müssen.“ Ihre Beobachtungen wollen die Anwohner schriftlich und mit Fotos dokumentieren. Um für die erwarteten Gespräche gewappnet zu sein, haben sie sich zudem Hilfe von einem Experten geholt.

Der Martinsrieder Martin Mühlbauer (70) hat viele Jahre lang beim ADAC Gemeinden in Sachen Verkehr beraten. „Planegg ist voreingenommen. Ich glaube nicht, dass irgendein Gemeinderat sich je vor Ort die Situation angeschaut hat“, wettert er ob der angestrebten Planung. Und plädiert für eine andere Lösung: Das Wohngebiet soll gar nicht mehr angefahren werden. „Ohne U-Bahn gibt es für einen Halt hier einfach noch keinen Bedarf“, so Mühlbauer. Stattdessen könnte der Bus im Mini-Kreisel an der Lochhamer Straße wenden. Die Endhaltestelle soll in die Fraunhoferstraße gelegt werden, wo eine bereits existierende Haltestelle um zwölf Meter erweitert werden müsste, „aber auch ganz einfach könnte“, so Mühlbauer.

Das sieht Bürgermeister Heinrich Hofmann (SPD) anders. „Eine Endhaltestelle in der Fraunhoferstraße ist nicht umsetzbar“, erklärte er in der Bürgerversammlung. Die Führung der neuen Buslinie sei bereits 2014 so beschlossen worden und könne nicht wieder geändert werden.

Sollte auch nach Einführung der neuen Linie die Gemeinde nicht gesprächsbereit sein, haben die Anwohner aber noch einen Hoffnungsschimmer. „Mit der Gemeinderatswahl ergeben sich im nächsten Jahr sicher neue Perspektiven.“

Romy Ebert-Adeikis

Diese Verkehrsfragen und Umweltprobleme bewegen die Planegger

Nach einem Parkkonzept in der neuen Ortsmitte Martinsried fragte Bettina Kempkes, weil sie Druck auf die angrenzenden Straßen fürchtet. Laut Bürgermeister Heinrich Hofmann würden rund 20 neue Kurzparkplätze an der Lochhamer Straße geschaffen. Im „Unikum“ werde die Öffentlichkeit zudem rund 70 Tiefgaragenplätze nutzen können. Ein Bewohnerparken in der angrenzenden Einsteinstraße sei nicht vorgesehen.

Johann Haugg wollte wissen, ob die Auffüllung des neuen Auskiesungsgebiets in Martinsried das Trinkwasser gefährden könnte – wie es jüngst aus Neuried bekannt wurde. „Durch die Auflagen und Kontrollen des Landrats­amts ist so etwas heutzutage nie im Leben möglich“, erläuterte Hofmann.

Zdravko Dragovic empörte sich über Wucher in den neuen Studentenapartments in Martinsried. „Dort zahlt man 30 Euro pro Quadratmeter, das ist Wahnsinn.“ Hofmann erklärte, dass die Gemeinde keine Handhabe bei privaten Bauträgern habe. Dragovic wünschte sich stattdessen mehr kommunale Wohnungen. Gegenüber Hallo sagte er: „Von ihrer 18-Millionen-Euro-Rücklage hätte die Gemeinde das Gelände selbst kaufen können.“

Viel Kritik übten Bürger an der Kreuzung Lochhamer Straße/Fraunhofer Straße. Diese sei insbesondere für Radfahrer gefährlich (Hallo berichtete). Hofmann versprach, dass die Bauverwaltung demnächst „neue technische Möglichkeiten“ für den Radverkehr vorstellen wird.

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