Ortsteil fühlt sich ausgegrenzt

Bürger kämpfen für eine höhere Bustaktung im Kraillinger Osten

Nur einmal in der Stunde hält der Bus – zu selten finden (v.l.) Waltraud Asam, Marita Bittschiller, Ursula Königsdorfer, Jasmin Thiel, Carolin Ulbrich, Maria Pistone und Katrin Möhle.
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Nur einmal in der Stunde hält der Bus – zu selten finden (v.l.) Waltraud Asam, Marita Bittschiller, Ursula Königsdorfer, Jasmin Thiel, Carolin Ulbrich, Maria Pistone und Katrin Möhle.

Krailling -  „Alle reden immer nur von der Kraillinger Ortsmitte. Und wir sind die da drüben, die Abgelegenen“ - Das wollen sich die Anwohner künftig nicht länger gefallen lassen

An manchen Tagen hat Maria Theresa Pistone (53) das Gefühl, neben ihrem Feinkostgeschäft auch ein Taxiunternehmen zu führen. „Immer wieder fragen mich ältere Leute aus unserem Haus, ob ich sie nicht schnell zum Arzt oder zur S-Bahn fahren kann, weil sie den Bus verpasst haben“, erzählt die Kraillingerin. „Ersatzhaltestelle“, nennt sie ihr Geschäft in der Muggenthaler Straße darum zwinkernd. 

Das Problem: In dem Viertel hält der Bus 967 nur einmal in der Stunde. „Das ist nichts“, findet Marita Bittschiller (58), die neben Pistone ein Geschäft für Wohnaccesoires betreibt. „Alle reden immer nur von der Kraillinger Ortsmitte. Und wir sind die da drüben, die Abgelegenen.“ Dabei gebe es in der Muggenthaler Straße auch einen Arzt, Supermarkt, Friseur, Bäcker und Physiotherapie. Es sei ein „Versorgungszentrum, das immer beliebter werde“, schreibt auch die ehemalige Vorsitzende der Senioreninitiative, Waltraud Asam (88) in einem Brief an MVV und Gemeinde. Außer ihr würden in der Straße zahlreiche Ältere leben, die auf den Bus ins Zentrum angewiesen sind. 

Bis 2014 sei die Buslinie 967 wenigstens noch alle 30 Minuten gefahren. Genau das wünschen sich Pistone und Bittschiller zurück, „zumindest wochentags zwischen 9 und 16 Uhr“. In ihren Geschäften wollen sie Unterschriftenlisten auslegen – zum zweiten Mal in diesem Jahr. Über 200 Signaturen haben sie bereits im Frühjahr in nur vier Tagen gesammelt. „Hätten wir länger gewartet, wäre es mindestens das Doppelte geworden“, schätzt Pistone. Doch sie wollten die Liste vor dem Urlaub von Bürgermeisterin Christine Borst einreichen. 

Dass sie jetzt wieder sammeln, liegt auch an der Reaktion der Gemeinde auf ihre Forderung. „Wir wurden informiert, dass das Thema im Gemeinderat angesprochen wird, aber danach haben wir nichts mehr gehört“, ärgert sich Pistone. In der Tat war der Busverkehr in Krailling jüngst im Gemeinderat Thema, bestätigt Sprecher Alexander Broschell. Neben der Muggenthaler Straße sei eine Taktverdichtung aber auch für die Haltestelle am Sperberweg und die Buslinie 936 nach München-Fürstenried angeregt worden. 

„Das Landratsamt Starnberg prüft nun, was die einzelnen Maßnahmen kosten würden“, so Broschell. Allein um die Muggenthaler Straße häufiger anzufahren, sei aber wahrscheinlich ein Verstärkerbus notwendig, den die Gemeinde allein finanzieren müsste. Etwa 250 000 Euro in acht Jahren müsste Krailling dann laut MVV-Verkehrsplaner Andreas Hanitzsch schultern. 2014 seien gerade die Kosten ein Grund gewesen, die Buslinie 967 seltener in den Osten fahren zu lassen – und dafür stündlich eine Verbindung zum Altenheim Maria Eich anzubieten. „Das wollen wir auch so behalten“, sagt Hanitzsch. Generell sei der MVV für eine sinnvolle Taktverdichtung aber offen. Frühstens 2021 könnte diese umgesetzt werden. rea

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