Sponsoring-Aktion verärgert Bürger

Betrug? Wirbel um Abo-Verkäufe

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„Keinen Unterschied zu Drückerkolonnen“ sieht Karin Frost, Leiterin des „Betreuten Wohnens Zu Hause“, in der Abo-Aktion, die eine ihrer Seniorinnen abgeschlossen hat.

Planegg - Eine angebliche Sponsoring-Aktion für ein Zeitungsabo des DJK Würmtal verärgert die Bürger - eine Planeggerin wittert dubiose Geschäfte

Wie oft hat man es schon gehört: Gutgläubige Senioren an der Haustür von windigen Verkäufern abge­zockt. Als beim Sportverein Planegg-Krailling (SVP) diesen Monat gleich mehrere Anrufer fragten, was von ihrem Geld für ein Zeitungsabo für die Fußballjugend gekauft würde, schrillten bei dem Verein die Alarmglocken. „Drückerkolonne angeblich im Auftrag des SVP unterwegs“, warnte der Vereinsvorstand in einer Mitteilung und riet Betroffenen, Anzeige zu erstatten. Tatsächlich waren jüngst Akquisiteure einer Böblinger Sportwerbungsfirma im Ort unterwegs – allerdings „ausschließlich und erkennbar“ im Namen des Nachbarvereins DJK Würmtal, wie sowohl Vereinspräsident Martin Götz als auch die Firma gegenüber Hallo bestätigten.

So habe man stets ein Formular bei sich geführt, unterschrieben von Vereinspräsident Götz, erklärt Firmenchef Werner Pfeiffer. Er könne sich nicht erklären, warum Bürger stattdessen beim SVP angerufen hätten. „Mit denen haben wir nichts am Hut.“ „Das ist keine Drückerkolonne“, sagt auch Götz, dem die Firma versprochen habe, aus den Erlösen für Zeitschriftenabos Fußbälle für den DJK zu sponsern. Die Aktion sei legal. Karin Frost, die im Würmtal das Betreute Wohnen Zu Hause (BWZH) leitet, sieht das anders. Vor wenigen Tagen habe eine ihrer Planegger Seniorinnen erzählt, dass sie das Abo für ihre Fernsehzeitschrift gewechselt hätte. „Das hat sie über Tage nicht in Ruhe gelassen. Es kam ihr komisch vor“, sagt Frost. Die 86-Jährige habe keinen Durchschlag erhalten, die Verhandlung sei „übers Fensterbrettl“ geführt worden, berichtet ihre Betreuerin. Außerdem sei von der Firma auch das alte Abo gekündigt worden – telefonisch, im Namen eines Mannes, den die Seniorin nicht kenne, der aber ihre Adresse angegeben habe. Weil die Dame für ihr neues Abo nicht mehr bezahlt, handele es sich nicht um Betrug, habe ihr die Polizei erklärt.

„Aber die Art und Weise des Vertiebs ist trotzdem moralisch verwerflich. Wo unterscheidet sich das von Drückerkolonnen?“, fragt Frost. Firmenchef Pfeiffer streitet gegenüber Hallo die Vorwürfe ab. Jeder bekomme eine Vertragsbestätigung, habe ein umfassendes Widerrufsrecht. Und bestehende Abos würden von ihm nicht gekündigt. Pikant: Es ist nicht das erste Mal, dass seine Sportwerbung in Verbindung mit dubiosen Geschäften gebracht wird. Letzten Endes könnte die Aktion viel Ärger und wenig Nutzen bringen. „Maximal zehn Abonnements“ habe man in Planegg abgeschlossen, berichtet Pfeiffer. Normalerweise sei sein Team mehrere Wochen unterwegs, in Planegg seien es nur zwei Tage gewesen. „Es hat sich nicht gelohnt“, erklärt Pfeiffer. Romy Ebert-Adeikis

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