Verkehrsplanung

Bahnübergang Brunhamstraße: Zweifel an Schließzeiten der Schranke

Die Schranke an der Brunhamstraße in Neuaubing soll laut Bahn künftig 46 Minuten pro Stunde geschlossen sein. Die Gräfelfinger zweifeln diese Zahl an.
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Die Schranke an der Brunhamstraße in Neuaubing soll laut Bahn künftig 46 Minuten pro Stunde geschlossen sein. Die Gräfelfinger zweifeln diese Zahl an.
  • Andreas Schwarzbauer
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Weil die DB mitteilt, dass 2030 der Bahnübergang in Neuaubing 46 Minuten pro Stunde zu sein wird, plant die Stadt Unterführung. Gutachten kommt auf 15 Minuten

  • Stadt München will wegen hoher Schließzeiten der Schranke am Bahnübergang Brunhamsstraße in Neuaubing Unterführung bauen
  • Gemeinde Gräfelfing zweifelt Zahlen der Deutschen Bahn an und gibt eigenes Gutachten in Auftrag
  • Zusätzliches Verkehrsgutachten mit erschreckenden Zahlen

Update 26. März 2020

Aubinger BA-Chef fordert Aufklärung von der Deutschen Bahn

Der Vorsitzende des Bezirksausschusses Aubing, Sebastian Kriesel (CSU), fordert eine schnelle Aufklärung der Deutschen Bahn (DB), ob wie lange die Schranke an der Brunhamstraße 2030 voraussichtlich geschlossen ist. „Was ist Dichtung und was ist Wahrheit. Die Politik braucht eine ehrliche Entscheidungsgrundlage für dieses wichtige Vorhaben“, so Kriesel.

Er zweifelt inzwischen, ob eine Unterführung neben dem Bahnhof Neuaubing tatsächlich nötig ist: „Wenn die Schließzeiten sich auch durch die Zweite Stammstrecke nicht ändern, dann soll dieser Bahnübergang bitte bleiben, so wie er jetzt ist. Alles andere wäre doch eine Verschwendung von Steuergeldern und steht in keinem Verhältnis zu den Auswirkungen.“ Seine CSU-Fraktion hatte sich vor kurzem noch klar für eine Unterführung ausgesprochen.

Die Bürgervereinigung Aubing sah das Projekt schon immer kritisch. Sie fühlt sich von den neuen Zahlen bestätigt und erneuert ihre Forderung nach einer „Südtangente“ entlang der Bahnlinie zur Unterführung am Gleisdreieck. Der Bahnübergang an der Brunhamstraße soll für den Autoverkehr geschlossen werden und eine Rad- und Fußgängerunterführung entstehen. Dies entlaste sowohl Gräfelfing als auch Neuaubing vom Verkehr.

Gräfelfing/Neuaubing - Bleibt die Schranke an der Brunhamstraße in Neuaubing künftig 46 Minuten oder nur knapp 15 Minuten pro Stunde geschlossen? Darüber herrscht Uneinigkeit. Die Deutsche Bahn (DB) hatte mitgeteilt, dass der Bahnübergang nach Inbetriebnahme der Zweiten Stammstrecke 46 Minuten zu sein werde. Für die Stadt ist das der Hauptgrund dort eine neue Unterführung zu planen. Das Verkehrsberatungsbüro Vieregg-Rössler, das die Gemeinde Gräfelfing beauftragt hatte, kommt allerdings zu einem komplett anderem Ergebnis.

Zahlen von Vieregg-Rössler rechtfertigen keine Unterführung an Brunhamstraße in Neuaubing

Ein Mitarbeiter habe sich an den Bahnübergang gestellt, Züge gezählt und die Schließzeiten der Schranke gestoppt, sagt Martin Vieregg bei einer Gemeinderatssitzung in Gräfelfing. Der Bahnübergang sei derzeit in normalen Zeiten rund zehn Minuten und in Hauptverkehrszeiten wegen des Zehn-Minuten-Takts 18,5 Minuten geschlossen. Die Bahn kommt auf 26 Minuten.

Nach dem Bau der Zweiten Stammstrecke seien ganztags genauso viele Züge unterwegs wie im Moment zu den Stoßzeiten. Darunter sind allerdings zwei Express-S-Bahnen, die sogar schneller durchfahren würden. Vieregg hat auf dieser Grundlage hochgerechnet, dass die Schranke dann 14,7 Minuten pro Stunde unten sein wird. Die Deutsche Bahn dagegen spricht von 46 Minuten. Wie diese Diskrepanz zustande kommt, kann sich Vieregg nicht erklären. „Ich weiß nicht, was in die Bahn gefahren ist.“

Für die Stadt ist Aussage der Bahn maßgeblich

Gemeinderat Martin Feldner (Grüne) wollte daraufhin von dem Vertreter des Münchner Mobilitätsreferats, Robert Adam, wissen, ob die Stadt die Aussagen der Bahn überprüft hätte. „Wenn die Bahn uns 46 Minuten mitteilt, glauben wir das erst einmal.“ Eine so lange Schließzeit sei kritisch zu sehen. „Es ist nicht gewährleistet, dass sich bei der Öffnung der Stau am Bahnübergang auflöst und es besteht dadurch eine große Gefahr, dass beim erneuten Schließen noch Fahrzeuge auf den Gleisen stehen.“

Ulrike Tuchnitz (Grüne) erkundigte sich, ob nun angesichts der wesentlich kürzeren Schließzeiten die Planungen für eine Unterführung ad acta gelegt würden. Adam entgegnete: „Für uns ist die Aussage der Bahn maßgeblich. Wir werden nochmal nachfragen. Wenn sie uns die 15 Minuten bestätigt, ist alles gut. Dann können wir alles lassen, wie es ist.“ Die Bahn hat sich auf Anfrage nicht zur Diskrepanz geäußert.

Unterführung mit erheblichen Auswirkungen auf Verkehr in Gräfelfing

Die Gräfelfinger würden das begrüßen, denn ein zweites Gutachten der Gemeinde zeigte, dass durch eine Unterführung der Verkehr in Lochham und Gräfelfing erheblich zunehmen würde. Selbst bei einem Fortbestehen der Schranke wären 2035 durch die zahlreichen neuen Baugebiete in München rund 1600 Fahrzeuge mehr auf dem Gemeindegebiet unterwegs. „Es gäbe aber keinen ausgeprägten Durchgangsverkehr, der über die Aubinger und die Lochhamer Straße auf die Autobahn fahren würde“, sagt Hellmuth Ammerl vom Planungsbüro Obermeyer.

Bei einer Unterführung sei die Fahrt von Neuaubing zur A96 dagegen attraktiver. Der Verkehr im Ort werde dadurch nochmal um bis zu 24 Prozent zunehmen.

Stadt München sieht neue Straße entlang der Bahn kritisch

Der Gräfelfinger Gemeinderat lehnte daher einstimmig eine Unterführung ab. Bürgermeister Peter Köstler (CSU) meinte: „Die einfachste Lösung ist doch, einfach alles so zu lassen, wie es ist.“ Für die Grünen und die Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing (IGG) wäre eine reine Rad- und Fußgängerunterführung an der Brunhamstraße eine mögliche Alternative. Denn dadurch würde der motorisierte Verkehr auf der Brunham-, Aubinger und Lochhamer Straße stark abnehmen. Die Fahrzeuge sollen stattdessen über eine neue Straße entlang der Bahnlinie zur Unterführung am Gleisdreieck geleitet werden. Das würden sich auch einige Neuaubinger Anwohner wünschen.

Das allerdings lehnt die Stadt München ab. „Dann haben wir das Verfahren nicht in der Hand, denn die Grundstücke für die neue Straße gehören uns nicht“, sagte Adam. Zudem bezweifelt er, dass dort überhaupt genug Platz wäre: „Wir fürchten, wir kommen dort schlichtweg nicht durch mit einer Straße.“

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