Protest gegen Verdreifachung der Siedlung

Aufstand in der Heitmeiersiedlung: Bürger kämpfen um ihre grüne Oase

Joachim Terasa (v.li.), Dr. Birgit Appenrodt, Hans Schlegel, Albrecht Pröbstle, Dieter Horch und Angelika Scheurle stehen gemeinsam gegen die geplanten Veränderungen ihrer Siedlung, auch wenn sie sich bis vor Kurzem noch kaum kannten.
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Joachim Terasa (v.li.), Dr. Birgit Appenrodt, Hans Schlegel, Albrecht Pröbstle, Dieter Horch und Angelika Scheurle stehen gemeinsam gegen die geplanten Veränderungen ihrer Siedlung, auch wenn sie sich bis vor Kurzem noch kaum kannten.

Gräfelfing - 250 Wohnungen statt einer grünen Wiese soll Gräfelfing bekommen. Das regt viele Bürger auf.

Gräfelfing ist einer der letzten Flecken im Umkreis München, wo meine drei Kinder so frei aufwachsen können“, sagt Dr. Birgit Appenrodt. Mit Gräfelfing meint die 41-Jährige konkret die Heitmeiersiedlung, in die sie vor drei Jahren mit ihrer Familie gezogen ist.

27 neue Gebäude (weiß) für bis zu 800 Neu-Gräfelfinger sieht der erste Entwurf vor.

Umso mehr Sorgen macht ihr das, was die Gemeinde für ihre Siedlung plant: Um 37 000 Quadratmeter könnte sie im Osten erweitert werden, statt der bisher 400 Bewohner könnten es in einigen Jahren 1200 sein. Zu den Einfamilienhäusern würden sich dann 27 Wohnriegel mit bis zu vier Geschossen gesellen (Hallo berichtete). So hat es jedenfalls kürzlich ein Architekt des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum im Gräfelfinger Bauausschuss vorgestellt.

„Gegen dieses Ausmaß muss man vorgehen“, so Appenrodt. Mitstreiter zu finden, sollte nicht schwer sein. Überall in der Siedlung regt sich Unmut, insbesondere, seit die SPD mit einem Rundschreiben an die Anwohner getreten ist. Von einem „Mammutprojekt“ und „Flächenversiegelung in Massivbauweise“ ist darin die Rede. Gefordert wird stattdessen eine Aufwertung des Grüngürtels zwischen der Siedlung und Pasing – oder zumindest ein moderaterer Ausbau. Ein Großteil der „Heitmeier“ teilt diese Ansicht, viele haben empörte Briefe an Bürgermeisterin Uta Wüst (IGG) geschrieben. „Da stimmt doch was nicht“, glaubt etwa Albrecht Pröbstle (72), der derzeit von seiner Terrasse aus noch Rehe auf der grünen Wiese zählen kann. „Dieses Projekt ist in diesem Ausmaß ein Angriff auf den gesunden Menschenverstand, es ist das Projekt eines Größenwahns“, findet auch Hans Schlegel (50) ein Eck weiter. Es sei „enttäuschend“, dass gerade unter einer Bürgermeisterin der Interessengemeinschaft Gartenstadt ein solcher Entwurf gemacht werde. „Die sollten eigentlich für mehr Grün sorgen.“

Software-Entwickler Joachim Terasa (62) hat dafür eine einfache Erklärung: Die Gemeinde wolle die Exklaven-Siedlung zur „Betonwüste“ machen, um die eigentliche Gartenstadt Gräfelfing vor Nachverdichtung zu schützen. „Von einem für alle akzeptablen Gleichgewicht kann hier keine Rede sein“, klagt Terasa. Er fürchtet, dass mit dem Ausbau auch der Weg für eine seit Jahrzehnten geplante Umgehungsstraße geebnet wird – und damit noch mehr Verkehr die Siedlung belastet. In der Gemeinde hält man die Bedenken für verfrüht. Das vorgestellte Konzept entspräche dem, „was möglich wäre, von konkreten Planungen kann keine Rede sein“, so Sprecherin Sabine Strack. Zudem solle die Siedlung Schritt für Schritt wachsen, der Ausbau erst in vielen Jahren beendet sein. „Aber auch in 30 Jahren will ich das so nicht“, sagt Anwohner Terasa. Erstaunt zeigt man sich in der Gemeinde vor allem daran, dass sich die SPD vehement gegen das Projekt stemmt, das die Wohnungsnot für Geringverdiener lindern soll. „Ich verstehe unter sozial aber auch, dass man Rücksicht auf die Menschen vor Ort nimmt“, erklärt SPD-Ortsvorsitzender Dieter Horch, selbst „Heitmeier“, das Aufsetzen des Flugblatts. Die Gemeinde möchte diese Woche auch ein Infoschreiben verteilen, eine Bürgerversammlung sei von Anfang an geplant gewesen. Noch gebe es allerdings dafür kein konkretes Datum, so Gemeinde-Sprecherin Strack. Auch die Anwohner wollen sich demnächst versammeln – um konkrete Aktionen gegen die Erweiterung zu planen.

Romy Ebert-Adeikis

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