Oktoberfest-Alternative

„Wirtshaus-Wiesn“ in München: Wirte ziehen Bilanz

Nach der Absage des Oktoberfests findet in München die "Wirtshaus-Wiesn" statt.
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Nach der Absage des Oktoberfests findet in München die "Wirtshaus-Wiesn" statt.

Die „Wirtshaus-Wiesn“ sollte für die Wirte eine Alternative zum abgesagten Oktoberfest sein. Kritiker befürchteten neue Corona-Hotspots. Nun ziehen die Wirte eine Bilanz.

  • Das Oktoberfest 2020 wurde wegen Corona abgesagt.
  • In München sollte die „Wirtshaus-Wiesn“ eine Alternative für Wirte und Gäste sein.
  • Am letzten Tag der „Wirtshaus-Wiesn“ ziehen die Wirte nun Bilanz.

Update 04. Oktober, 11.40 Uhr:

München - Auch wenn heuer das Oktoberfest coronabedingt ausfiel - ein bisschen Wiesn-Stimmung gab es trotzdem in München. In gut 50 Gaststätten und Biergärten luden Wirte zur „WirthausWiesn“.

Wirtshaus-Wiesn: Wirte in München ziehen nach zwei Wochen Bilanz

„Deutlich zeigte sich die Sehnsucht der Menschen nach Lebensfreude, nach etwas, das auch Mut macht“, bilanzierte der
Sprecher des Vereins der Münchner Innenstadtwirte, Gregor Lemke, zum Abschluss am Sonntag.

Die Gäste hätten sich an Corona-Regeln gehalten und friedlich gefeiert. Auch bei der Polizei war die Aktion kein Thema, über
Verstöße gegen die Auflagen bei der „Wirtshaus-Wiesn“ sei nichts bekannt, sagte ein Sprecher auf Nachfrage der Nachrichtenagentur dpa.

„Die Menschen freuten sich über die wiesnmäßig geschmückten Gasthäuser und genossen die typischen Oktoberfest-Schmankerl“, sagte Co-Wiesnwirte-Sprecher Christian Schottenhamel.

Um wilde Wiesn-Ersatzfeiern mit hohem Infektionsrisiko zu verhindern, hatte die Stadt zum Start der Aktion auf der Theresienwiese, wo sonst beim Oktoberfest Millionen Liter Bier fließen, ein Alkoholverbot verhängt.

Update 24. September:

„Wirtshaus-Wiesn“-Wirte kritisieren Corona-Maßnahmen in München

Wiesn- und Innenstadtwirte in München kritisieren bei den Corona-Maßnahmen fehlende Planungssicherheit für ihre Branche.
Die Politik müsse verlässlicher und vorausschauender planen, sagte der zweite Wiesnwirte-Sprecher und Nockherberg-Chef Christian Schottenhamel der Deutschen Presse-Agentur.

Wir reden seit Monaten von einer zweiten Welle. Es wäre schön, wenn wir von der Staatsregierung vorher informiert worden wären, was für diesen Fall geplant ist.

Christian Schottenhamel


Während seit Samstag in Bayern Bars wieder öffnen dürfen, sollen laut Kabinettsbeschluss bei Überschreitung von 50 Neuinfektionen in einer Region in sieben Tagen pro 100 000 Einwohner striktere Regeln gelten. Etwa sollen sich nur fünf Menschen als Gruppe in der Öffentlichkeit aufhalten.

In München wurde dieser Wert laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mehrfach überschritten. Am Mittwochabend gab die Stadt eine entsprechende Allgemeinverfügung bekannt. Damit dürfen nur noch fünf Personen zusammensitzen.

Schottenhamel sagte die Reservierungen für seinen Festsaal mit unter Corona-Bedingungen rund 450 Plätzen bereits ab

Dort gibt es Tische für acht Gäste. Die Wirte hätten Verständnis, dass Maßnahmen nötig seien. Aber: „Wenn wir vorher gewusst hätten, dass es kommen kann, dass wir nur fünf Personen an einen Tisch setzen können, hätten wir vorher schon reagieren und nur Reservierungen für fünf Menschen am Tisch annehmen können.“

Es wäre schön, vorausschauende und planbare Verordnungen zu bekommen, die es uns ermöglichen, in unseren Betrieben die Strukturen rechtzeitig entsprechend zu verändern

Sprecher der Innenstadtwirte und Chef des Augustiner Klosterwirt, Gregor Lemke

Es gehe etwa um das Reservierungsmanagement. Auch für neue Abstände, kleinere Einheiten, Trennwände und die Schulung von Personal sei Vorlauf nötig. Es gebe eine Reihe von Stornierungen - auch aus Sorge vor dem Virus.

Vor allem sagten Gäste ab, weil Gruppen nicht wie geplant kommen könnten und sie „sich den Wirtshausgenuss nicht schmälern lassen wollen“. Gruppen wollten nicht hinter Plexiglas oder an einem anderen Tisch sitzen und verschöben dann lieber den Besuch.

Keine Stimmung bei der Wirtshaus-Wiesn

Die neuen Regeln bremsen auch die Wirtshaus-Wiesn, die am Samstag zum ursprünglich geplanten Oktoberfest-Start begann. Damit wollen die Wirte bis 4. Oktober etwas Wiesn-Stimmung in die Stadt bringen.

„Es ist schade, dass die Wirtshaus-Wiesn nun in dem Umfang nicht mehr stattfinden kann“, sagte Schottenhamel. Die Resonanz sei zum Auftakt sehr gut gewesen, sagte Lemke. „Ich habe schon lang nicht mehr in der Innenstadt so viele fröhliche, gut gelaunte Menschen gesehen. Ich bin sicher, wir haben ihnen einen Tag Lebensfreude geschenkt.“

Angesichts der steigenden Corona-Zahlen war allerdings Kritik an der Ersatz-Wiesn-Aktion laut geworden. In den sozialen Medien äußerten Menschen Unverständnis, dass Kinder mit Maske in der Schule sitzen sollten, in den Kneipen aber gefeiert werde.

Update: 22. September 2020

Eigentlich hatten die Innenstadt- und Wiesn-Wirte die „Wirtshaus-Wiesn“ als Alternative zum abgesagten Oktoberfest 2020 ins Leben gerufen. Das Volksfest war wegen der Corona-Krise abgesagt worden.

Im Vorfeld hatte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) in einer Pressemitteilung darauf hingewiesen, dass die Wirte auf die Einhaltung Ihres Schutz- und Hygienekonzepts - Maskenpflicht, Abstandsgebot und alle weiteren Vorgaben der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung achten sollen.

„Wirtshaus-Wiesn" vor dem Aus wegen Corona-Maßnahmen in München?

Aufgrund der aktuellen Corona-Entwicklungen in München hat jetzt der Nockherberg bekannt gegeben, dass er Reservierungen für Acht-Personen-Tische für die „Wirtshaus-Wiesn“ stornieren musste. Der Grund: „Es dürfen maximal 5 Personen beziehungsweise Personen aus zwei Haushalten oder Verwandtschaft in gerader Linie zusammen sitzen. Diese Regelung gilt selbstverständlich auch bei einem Besuch der Wirtshaus-Wiesn“, so die Gaststätte. Die Wirtshaus-Wiesn sei aber nicht gestrichen. „Entgegen anderer Meldungen wird das Programm bis zum 4. Oktober 2020 laufen.“

Die Reservierungen im Festsaal des Nockherberg werden storniert. 

Am Montag wurde für München weitreichende Corona-Maßnahmen beschlossen. Dabei handelt es sich auch um eine Kontaktbeschränkungen bei Treffen von Personen in der Gastronomie.

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Tradition oder Alternative? Nach Oktoberfest-Absage kommt die "Wirtshaus-Wiesn" in München

Erstmeldung: 07. September 2020

Wirthaus-Wiesn“ heißt die Alternative zum coronabedingt geplatzten weltgrößten Volksfest, mit dem die Münchner Wiesn- und Innenstadtwirte bis zum 4. Oktober Wiesnstimmung schaffen wollen.

„Für uns ist die Wiesn kein Ort und keine Veranstaltung. Die Wiesn ist ein tiefes, in uns verankertes Lebensgefühl“, sagte der Sprecher der Innenstadtwirte, Gregor Lemke, am Montag. „Wir wollen ein positives Signal setzen.“ Die Botschaft: „Habt's wieder Vertrauen, zieht's die Tracht an - dann werden wir alle zusammen Spaß haben.“

Nach Oktoberfest-Absage kommt die "Wirtshaus-Wiesn" nach München

Mehr als 50 Wirtshäuser wollen sich beteiligen - Hendl, Haxn, originales Wiesn-Bier und teils Livemusik traditioneller Wiesnkapellen sollen für „16 schöne Tage“ sorgen. „Wir wollen, dass die Menschen Freude entwickeln an dieser Zeit und zum Feiern in die Stadt kommen“, sagte der Sprecher der Wiesnwirte, Peter Inselkammer. Rund sechs Millionen Gäste kommen sonst zur Wiesn, zwei Drittel aus Bayern.

"Wirtshaus-Wiesn" in München - Originales Wiesn-Bier wird fließen

Die Münchner Brauereien haben trotz der Absage ihr Wiesn-Bier gebraut - die Menge wird reichen, wie der Vize-Vorsitzende des Vereins der Münchner Brauereien, Bernhard Klier, versichert. Auch den traditionellen Oktoberfest-Maßkrug gibt es - situationsbedingt als „Koa Wiesn“-Krug beworben.

Wiesn-Tradition in München

Die „Wirtshaus-Wiesn“ knüpfe an den Ursprünge der Wiesn an, erläutert Lemke. Ganz München feierte, als 1810 Kronprinz Ludwig, der spätere König Ludwig I., Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen heiratete. Aus Platzgründen zog man auf die Theresienwiese. Aber: „Dort gab es keine Infrastruktur, keine Verköstigung.“ Deshalb habe der König seine Untertanen fünf Tage lang in die Wirtshäuser der Stadt eingeladen.

"Sommer in der Stadt" als Ergänzung zur "Wirtshaus-Wiesn"

Schon seit Ende Juli kreisen auf mehreren öffentlichen Plätzen in München Karussells. Es gibt Schießbuden, Trachtenstände, Zuckerwatte und Lebkuchenherzen, Kultur und Sport, Konzerte, Kabarett. Ein Riesenrad steht am Königsplatz, ein 90 Meter hohes Kettenkarussell am Olympiagelände. 

Dieser „Sommer in der Stadt“ soll Schausteller, Marktkaufleute und Kulturschaffende in der Krise unterstützen und Daheimgebliebenen Abwechslung bieten und wurde jetzt mit neuen Angeboten verlängert.

Auf der Theresienwiese, wo sonst um die Zeit Zelte und Fahrgeschäfte aufgebaut werden, stehen keine Karussells, nur ein paar Buden. „Wir wollen dort keine Wiesn durch die Hintertür“, sagt Wiesnchef und Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU). 

Die Sorge vor unkontrollierten Partys als Infektionsquellen ist groß. Auch wenn auf öffentlichen Plätzen in München ein Alkoholverbot debattiert wird, gebe es aber bei der „Wirtshaus-Wiesn“ keine Sorgen. „In den Gaststätten haften die Wirte dafür, dass die Sicherheitsregeln beachtet werden.“

Baumgärtner setzt, ähnlich wie Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) auf das nächste Jahr – Vorausgesetzt es gebe einen Impfstoff,

Wiesnwirte-Vize Christian Schottenhamel betont: „Wir wollen kein Remmidemmi.“ Kapellen werden in kleinerer Besetzung ruhigere Musik spielen. Trotz allem: „Ich werde die Wiesn ganz schrecklich vermissen.“ 

dpa/lby/jh

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