Evangelischer Jugenhilfeverbund

Familienbande der besonderen Art

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Gabriel Lang (20), Franziska Dörflinger (21), Corinna Benning (22), Tanja Erler (25), Jan Kuhnmünen (20) und Lamine Gassama (18) gehören zu den Ehemaligen, die jetzt auf eigenen Beinen stehen.

Die Wohngruppe Obermenzing des Evangelischen Jugenhilfeverbundes feiert ihr Zehnjähriges.

Heute sind sie Bäckerin, Altenpfleger oder Mecha­tronikerin. Vor zehn Jahren hätte sich das keiner von ihnen vorstellen können. Damals lebten sie in der Wohngruppe des Evangelischen Jugendhilfeverbunds in Obermenzing, die heuer zehnjähriges Bestehen feiert.

Kevin Ada und seine Betreuerin Barbara Zoller.

Die WG bietet Platz für neun Buben und Mädchen zwischen sechs und 18 Jahren, die Probleme in ihrer Familie haben oder als Flüchtlinge in Deutschland versorgt und betreut werden müssen. Einer der Bewohner ist der 17-jährige Kevin Ada, der seit seinem 16. Geburtstag in der Wohngruppe lebt. Ada hat sich, wie er selbst sagt, immer sehr wohl in der offenen Gemeinschaft der WG gefühlt. Er bereitet sich nun, kurz vor seinem 18. Geburtstag, darauf vor, die „Familie“ zu verlassen und Kinderpfleger zu werden. Nach seiner Ausbildung will er für ein Jahr nach Südafrika reisen, um sich vor Ort als Volontär zu engagieren. Seine Betreuerin Barbara Zoller ist mächtig stolz auf ihren Schützling. Das Betreuer-Kind Verhältnis in der Obermenzinger Unterkunft ist sehr vertrauensvoll. „Wie in jeder Familie gibt es mal gute und mal schlechte Tage“, sagt die Gruppenleiterin Franziska Wallner.

Diese familiäre Geborgenheit hat sich bereits bei der ersten Wohngruppe 2006 eingestellt. Zum Geburtstagsfest kamen jetzt viele Ehemalige der Einrichtung zu Besuch. Sie erinnern sich an die „Geschwisterlichkeit unter den WG-Bewohnern“. Ihre Erzählungen machen Mut: Alle Jugendlichen sind ihren Weg gegangen. Viele wohnen allein, machen gerade ihr Fachabitur oder arbeiten bereits. Von der Bäckerin bis zur angehenden Lehrerin, die Jugendlichen stehen im Leben.

Auf die Frage, was sie aus ihrer Zeit in der Einrichtung am meisten vermissen, einigen sich alle schnell: „Das gute Essen und der Spaß, den wir zusammen hatten!“ Zu den schönsten Erinnerungen der ersten Bewohner gehört der gemeinsame Campingurlaub in Italien, der sie zusammengeschweißt hat.

„Die Wohngruppe Obermenzing schafft für die Kinder und Jugendlichen ein Zuhause, in dem sie sich wohlfühlen und entwickeln können“, sagt Franziska Wallner. Wichtig sei, für die Kinder und Jugendlichen eine sichere Atmosphäre zu schaffen. Jeder könne sich dort individuell entfalten, was sich jetzt, zehn Jahre nach dem Start, in den unterschiedlichen Werdegängen zeige.

Auch Kevin Ada wird bald zu den Ehemaligen gehören, die ihren eigenen Weg gehen. Die Türen der WG werden ihm aber immer offenstehen. gap

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