WASSERVOGELFEST

Mit dem Wasservogel durch Neuhausen – kurioser Brauch mit Zukunft

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Der Wasservogel hoch zu Ross.

Großer Spaß und über Jahrhunderte alter Brauch, der tausende Schaulustige anzieht: Mit der siebten Auflage des Wasservogelfests am Sonntag, 28. Juli, steht Neuhausen ganz im Zeichen des Wasservogels mit seinem spektakulären Wurf in den Nymphenburger Schlosskanal.

Bereits um 10 Uhr treffen sich 20 Vereine und Musikkapellen mit rund 500 Teilnehmern auf dem Rotkreuzplatz – bevor es dann um 11 Uhr losgeht mit der Begrüßung und Vorstellung des mit Blättern behängten Wasservogels und seiner Geschichte. Noch auf dem Rotkreuzplatz richten sich Wasservogel-Sprüche an den TSV Neuhausen-Nymphenburg, den Neuhauser Millionenbauern Lorenz Hauser, den „Großwirt“ und die Blindeninstitutsstiftung. Der Festzug mit dem Wasservogel hoch zu Ross setzt sich um 11.45 Uhr Richtung Gerner Brücke in Bewegung.

Höhepunkt ist der Wurf des Wasservogels von der Brücke in den Nymphenburger Schlosskanal. Danach geht der Festzug weiter durch die Südliche Auffahrtsallee, Hubertusund Washingtonstraße über den Steubenplatz zur Gaststätte „Königlicher Hirschgarten“. Hier klingt das Wasservogelfest gemütlich bei Speis und Trank aus. 

Der kuriose Brauch stößt auf begeisterte Resonanz: Immer mehr Vereine, Musikanten, Sportler und Trachtler alter Altersstufen sind dabei. „Wenn ein alter Brauch so viele Menschen erfreut, dann hat unser Wasservogel glänzende Zeiten vor sich“, freut sich Initiatorin Ingeborg Staudenmeyer über die große Sommer-Gaudi im Viertel. Im Jahr 2017 ließen sich rund 7.000 Schaulustige das Spektakel nicht entgehen.

Das Neuhauser Wasservogelfest ist eine Jahrhunderte alte Tradition, die im Jahr 2007 in Neuhausen nach 178-jähriger Pause wiederbelebt wurde und alle zwei Jahre im Juli stattfindet. Traditionell stellt die FT Gern die Wasservogel- Gruppe mit dem Wasservogel. Ausgerichtet wird das Fest vom Verein für Stadtteilkultur Neuhausen-Nymphenburg e.V., der Geschichtswerkstatt Neuhausen und der FT Gern.

Neuhauser Wasservogelfest 2019

Sonntag, 28. Juli 2019 

Beginn:
11 Uhr, Rotkreuzplatz
(Ab 10 Uhr Treffen der teilnehmenden Vereine auf dem Rotkreuzplatz) 

Start des Festzuges Richtung Schlosskanal:
11.45 Uhr 

Route des Festzugs:
Rotkreuzplatz – Winthirstraße – Gerner Brücke – Wurf des Wasservogels in Nymphenburger Schlosskanal – Südliche Auffahrtsallee – Hubertusstraße – Washingtonstraße – Steubenplatz – „Königlicher Hirschgarten“

Das erwartet die Besucher beim Wasservogelfest:

Heuer finden die Sprüche der Wasservogelgruppe erstmals alle gleich zu Beginn des Programms auf dem Rotkreuzplatz statt. © ul
Mehrere Musikkapellen begleiten den Zug durchs Viertel. © ul
Darauf warten alle mit Spannung: der Sprung des Wasservogels in den Schlosskanal. © ul
Der Festzug führt auch diesmal wieder durch die Winthirstraße in Richtung Gerner Brücke. © hm
Auch heuer klingt das Fest im Hirschgarten gemütlich aus. © ul
Der Wasservogel hoch zu Ross. © ul

Geschichte zum Neuhauser Wasservogelfest

Mehrere Jahrhunderte lang wurde in Neuhausen alljährlich das Wasservogelfest gefeiert, dessen Ursprung vermutlich aus heidnischer Zeit stammt. Dieser Brauch war auch unter der Bezeichnung „Pfingstl“ bekannt. Es gibt zahlreiche Berichte über diesen Brauch, der nicht nur in den nördlichen und westlichen Vororten Münchens begangen wurde, sondern auch in der Hallertau und in Niederbayern. Deshalb gibt es zahlreiche Varianten, wie dieses Fest in den Regionen durchgeführt wurde. 

Die heutigen Veranstalter greifen auf die Beschreibungen zurück, die der Neuhauser Kupferstecher Albrecht Schultheiß (1823–1909), der Rektor der Neuhauser Schule, Joseph Lipp (1855–1932) und Neuhausens ehemaliger Bürgermeister Georg Lindau (1816–1895) niedergeschrieben haben. 

Jedes Jahr am Pfingstmontag wurde ein Bursche, meist derjenige, der als Geschichte zum Neuhauser Wasservogelfest Der Wasservogel hoch zu Ross Letzter in den Gottesdienst kam, zum „Wasservogel“ bestimmt. Er wurde mit Schilf, Binsen, Stroh, Laub und bunten Bändern geschmückt, bekam einen hölzernen Vogelkopf in die Hand gedrückt, wurde auf ein Pferd gesetzt und – begleitet von den anderen Burschen – durch die einzige Straße des Dorfes (= die Winthirstraße) geführt. 

Vor den Bauernhöfen sagte einer der Burschen einen Spruch auf, die anderen fügten am Schluss einen Juchzerer hinzu. Dann erhielten sie Naturalien (Eier, Mehl, Butter). Nachdem alle Anwesen abgeklappert waren, begab sich die Gruppe an den Rotkreuzplatz, dort wurde der Wasservogel vom Pferd herab in den in der Platzmitte befindlichen Dorfteich (die „Schwabenlacke“) geworfen. 

Aus den gesammelten Lebensmitteln wurden beim „Großwirt“ Kiachal (Küchlein) gebacken und mit der entsprechenden Biermenge verzehrt. 1828 wurde dieser Brauch verboten. Das kam so: Die Neuhauser hatten sich vorgenommen in diesem Jahr mit dem Wasservogel vor das Schloss Nympheburg zu ziehen und dem König Ludwig I. ihren Vers vorzutragen. Dafür hatten sie Rokokokostüme angezogen. 

Als sie vor dem Schloss ankamen, war ihnen allerdings der Moosacher Wasservogel zuvorgekommen, weil der Plan der Neuhauser an die Moosacher verraten worden war. Es entwickelte sich eine heftige Schlägerei, die erst durch das Eingreifen der Schlosswache beendet werden konnte. Der König verbot weitere Durchführungen des Wasservogelfestes, weshalb es 179 Jahre lang in Neuhausen nicht mehr stattgefunden hat. 

2007 wurde diese alte Tradition wieder zum Leben erweckt. Der Chef des Hauses Wittelsbach, Herzog Franz von Bayern, hat durch seine Teilnahme symbolisch das Verbot König Ludwigs I. aufgehoben. Alle zwei Jahre findet das Wasservogelfest seitdem statt – angepasst an die heutigen Gegebenheiten. (Quelle: Verein für Stadtteilkultur Neuhausen-Nymphenburg)

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