Ordensgelübde abgegeben

Auf Lebzeit an Gottes Seite

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Schwester Birgit ist gerade in Pasing zur Nonne geweiht worden – früher war die 39-Jährige Atheistin

Sie steht vor dem Brunnen der Pasinger Fabrik. In blauer Jeans und schwarzem T-Shirt kommt sie einem lachend entgegen, Schwester Birgit vom Orden Congregatio Jesu. „Ich weiß, ich seh nicht aus wie eine Nonne. Ich habe meinen Habit nicht an“, sagt die 39-Jährige. „Ich arbeite im katholischen Medienhaus Sankt Michaelsbund am Stachus. Da trage ich normale Kleidung. So fühle ich mich auch am wohlsten.“

Schwester Birgit ist eine von zwei Novizinnen, die jetzt das Ordensgelübde auf Lebenszeit (siehe Kasten) in der Institutskirche in Pasing abgelegt haben. „Nonne wollen nicht wirklich viele werden“, sagt sie. „Wir sind rund 2000 Schwestern weltweit, im deutschsprachigen Raum 350, davon sind etwa 50 „jüngere“ Schwestern – bei uns ist das die Altersspanne bis Mitte 60. Nachwuchs können wir also immer brauchen.“

Schwester Birgit selbst war nicht von Anfang an katholisch. Sie ist in einem atheistischen Elternhaus groß geworden. „Ich habe mich kurz vor der Firmung und im Rahmen der Firmvorbereitung taufen lassen“, erzählt die heute 39-Jährige. Wie es dazu kam, erklärt sie ganz salopp: „Ich hatte als Kind evangelische Nachbarn, bin dann freiwillig in den katholischen Religionsunterricht gegangen. Ich glaube, damals fand ich den Lehrer spannender. Und ich habe irgendwann angefangen, testweise mit Gott zu reden und zu beten.“

Doch den Traum, Nonne zu werden, hatte sie damals noch nicht. In Konstanz studierte sie erst mal Jura, wurde Juristin und arbeitete später im Klinikmanagement. „Irgendwann war mir das aber zu wenig. Ich wollte mein Leben für mehr einsetzen und habe mich entschlossen, neue Prioritäten zu setzen“, erklärt Schwester Birgit. Ihre Familie und ihre Freunde haben sie dabei unterstützt. „Natürlich war es anfangs komisch für sie, aber ihnen war es wichtig, dass es mir dabei gut geht.“

Damals war sie 30. Bis zum Gelübde war es ein langer Weg. „Zweifel gehören dazu, denn der Glaube verändert sich. Ich versuche dann einfach, Antworten zu finden“, sagt sie. „Ich glaube aber, es ist gefährlicher, wenn man zu überzeugt ist. Dann blendet man vielleicht Realitäten aus.“

Marie-Anne Hollenz

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