Der Wahnsinn in München

Schwabinger Kunstpreis: Er verarbeitet tragische Erlebnisse in seinen Comics

Uli Oesterle verarbeitet tragische Erlebnisse in seinen Comics. Für seine Arbeit wird er jetzt mit dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet.
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Uli Oesterle verarbeitet tragische Erlebnisse in seinen Comics. Für seine Arbeit wird er jetzt mit dem Schwabinger Kunstpreis ausgezeichnet.

München - Uli Oesterle zeigt in seinem grafischen Roman die Stadt von ihrer düstersten und furchteinflößendsten Seite

Eine Reporterin steht am Sendlinger Tor und spricht über Familienangehörige, die einfach verschwinden. „Sie fallen einer drolligen Amnesie anheim“, sagt die Comic-Figur im grafischen Roman „Hector Umbra“. Zeichner der in München spielenden, düsteren Fantasy-Geschichte ist Uli Oesterle (52). Der hat das, wovon seine erfundene Reporterin spricht, wirklich erlebt. Am Mittwoch, 13. Juni, wird Oesterle in der Kategorie Literatur mit dem Schwabinger Kunstpreis geehrt.

Bekannte Bauwerke wie die Frauenkirche sind Teil des grafischen Romans „Hector Umbra“.

Psychische Krankheiten sind in Oesterles Geschichten allgegenwärtig. Das hat einen besonderen Grund: „Anfang der 90er habe ich viel gekifft. Wegen einer allergischen Reaktion auf Haschisch hatte ich plötzlich einen schweren Gedächtnisausfall, genannt Aphasie. Ich wusste nicht einmal mehr, wie die Dinge heißen“, erzählt Oesterle. „Das ging ein paar Wochen und war sehr verstörend für mich.“

Eine Zeichnung aus Oesterles Werk „Vatermilch“. Die Figur darauf verkörpert Oesterles Vater, der lange auf der Straße gelebt hat.

2009 erweckt er die Figur Hector Umbra zum Leben, die eine spezielle Fähigkeit hat: Umbra sieht die Wahnvorstellungen anderer Menschen. Auch das Werk, an dem Oesterle gerade arbeitet, ein 500 Seiten langer grafischer Roman in zwei Bänden, hat eine psychische Krankheit zum Thema. „Meine Comics sind immer ein Stück weit autobiografisch“, sagt Oesterle. „Vatermilch“ sei am nächsten an der Wirklichkeit dran. Es geht darin um Oesterles verstorbenen Vater. Durch starken Alkoholkonsum entwickelte dieser das Korsakow-Syndrom, eine Form der Amnesie. Er verließ die Familie, als sein Sohn sieben Jahre alt war. „Die ersten zwei Jahre, nachdem mein Vater uns verlassen hat, hatte ich noch Kontakt mit ihm. Danach war er einfach verschwunden“, erzählt Oesterle. In dieser Zeit habe sein Vater viel auf der Straße gelebt. „Unter anderem hat er bei Freunden im Schrebergarten gehaust, ohne dass die etwas davon wussten. Das kommt auch im Roman vor.“

Die letzten zehn Jahre vor seinem Tod lebte Oesterles Vater in einem

Bekannte Bauwerke wie das Rathaus sind Teil des grafischen Romans „Hector Umbra“.

Heim in Karlsruhe. „Die Schwestern haben mir nach seinem Tod von ihm erzählt. Er war ganz ruhig, höflich, hat keinen Tropfen Alkohol mehr getrunken“, erinnert sich der Zeichner. Er selbst habe einen anderen Mann erlebt. „Mein Vater war ein Draufgänger, kam gut bei Frauen an, lebte über seine Verhältnisse. Die Krankheit hat ihn wohl demütig gemacht.“

Wann der grafische Roman erscheint, steht noch nicht fest. „Angestebt ist 2020“, sagt Oesterle. Geld verdient er aktuell vor allem durch Wimmelbilder, Magazin-Illustrationen und Info-Grafiken, die er in der „Artillerie“ in der Elisabethstraße anfertigt. Laura Felbinger

Das ABC der Filmkunst 

Kinobetreiber und Filmproduzent Thomas Kuchenreuther (72) erhält den Schwabinger Kunstpreis.

Auch Kinobetreiber und Filmproduzent Thomas Kuchenreuther (72) erhält den Schwabinger Kunstpreis. Er hat mit seinem inzwischen verstorbenen Bruder Steffen die Kuchenreuther Kinos ins Leben gerufen, darunter das ABC Filmkunst-Kino, welches die Jury besonders lobt. „Der Preis war eine große Überraschung für mich,“ sagt er. jl

Traumhafte Klavierklänge

Das Klavierduo um Yaara Tal und Andreas Groethuysen wird für seine herausragende künstlerische Leistung auch mit dem Schwabinger Kunstpreis geehrt.

Das Klavierduo Yaara Tal und Andreas Groethuysen reist von Schwabing aus bereits über 30 Jahre in die ganze Welt. Die Virtuosen haben bereits viele Preise gewonnen, darunter fünfmal den Echo. Nun gesellt sich als Anerkennung für ihre herausragende künstlerische Leistung auch der Schwabinger Kunstpreis dazu.

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