Schluss in Schwabing: Kultbühne für Live-Musik zieht nach Allach

Schwabinger Kultbühne zieht in die Schießstätte

In der „Schießstätte“ in Allach steht im Januar ein Pächterwechsel an – und was für einer: Die Regie übernehmen die langjährigen Wirtsleute vom „Schwabinger Podium". Im Gepäck haben sie das Live-Musik-Programm ihrer Kultkneipe. Mehr über ihre Ideen, den Wandel in Schwabing und seine Folgen erfahren Sie hier.

Sie haben nicht viel gemeinsam, die Live-Musik-Kneipe „Schwabinger Podium“ an der Wagnerstraße und das Gasthaus „Schießstätte“ auf dem Vereinsgelände der Feuerschützengesellschaft „Der Bund“ an der Servetstraße in Allach. Doch das soll sich bald ändern: Michael Vogel (45), Sohn der „Podiums“-Wirte Renate (64) und Fredl Vogel (69), übernimmt ab Januar die „Schießstätte“ und will dort die gut 35-jährige Live-Musik-Tradition aus der Schwabinger Kultkneipe fortsetzen.

Traurig und optimistisch zugleich: Das Wirtepaar Fredl und Renate Vogel mit Sohn Michael Vogel (v. re.) bereitet schon den Umzug in die Allacher „Schießstätte“ (kl. Foto Mitte) vor.

Zugegeben: Hätte das Haus, in dem das „Podium“ 1972 eröffnet wurde, im Mai 2014 nicht den Besitzer gewechselt, wäre von einem Umzug nach Allach vermutlich nie die Rede gewesen. Der neue Eigentümer hat jedoch andere Pläne mit der Schwabinger Immobilie, bis hin zu Abriss und Neubau (Hallo berichtete). Und Vogels Vertrag läuft zum 28. Februar definitiv aus. „Wir gehen mit weinenden Augen raus, freuen uns aber auch über das Neue“, betont der 45-Jährige. 

Etwa zwei Jahre hat er nach der passenden Alternative gesucht. „In Schwabing gab’s gar nichts, aber auch in vielen anderen Vierteln in München und auch außerhalb war nichts dabei“, berichtet Michael Vogel, der mit seiner Familie in Nymphenburg lebt. Seine Mutter erklärt: „Sobald die Vermieter etwas von Live-Musik hören, schlagen sie die Hände über dem Kopf zusammen.“

Der Kontakt zum „Bund“ und der „Schießstätte“ kam schließlich über einen Brauereivertreter von Hacker-Pschorr zustande. In Allach sieht Vogel sowohl viele Möglichkeiten als auch wenig Konfliktpotenzial beim Lärm. Der Saal im ersten Stock soll für regelmäßige Live-Konzerte, aber auch für andere Kultur­ereignisse wie Kabarett- und Theaterveranstaltungen genutzt werden. Das Zugpferd soll aber die Musik bleiben. „Wir werden alles versuchen, um die Clubatmosphäre mit rüberzunehmen. Auch die Einrichtung kommt mit“, kündigt Renate Vogel an. Allerdings soll der Saal auch weiterhin für Vereins- und Familienfeiern offenstehen. Gaststätte und Biergarten will Vogel „gutbürgerlich bayerisch“ führen.

Los geht’s an der Servetstraße Anfang Februar. Parallel dazu nimmt die Wirtefamilie Abschied von Schwabing. „In den letzten zwei Wochen im Podium werden wir nochmal richtig Gas geben“, verspricht Fredl Vogel. Er hat das Lokal vor 40 Jahren mit seiner Frau übernommen und seitdem seinen Teil zum Flair des Viertels beigetragen. „Dieses alte Schwabing gibt es aber nicht mehr. Die Originale fehlen so langsam alle“, sagt die 64-Jährige. Nur noch wenige der Kultkneipen sind übrig geblieben (siehe Kasten). „Alles ist stark im Wandel. Und der trifft jeden“, bestätigt ihr Sohn und fügt hinzu: „Diese Veränderung macht uns den Abschied auch leichter.“ Ursula Löschau

Kneipen-Sterben in Schwabing

Schlechte Nachrichten für Musikfans: Nach dem „Podium“ wird mit dem „Alfonso’s“ Ende Mai eine der allerletzten Live-Musik-Kneipen in Alt-Schwabing schließen. „Wir machen am 31. Mai 2017 dicht“, sagt Inhaber Frank Meister (71). Nach seinen Informationen sollen auf dem Gelände an der Franzstraße 5 neue Wohnungen entstehen. Sein Vertrag wurde zum Jahresende 2017 gekündigt, er hat den Schlusspunkt dann vorgezogen. „Weil’s im Sommer keinen Sinn hat. Da leg’ ich nur noch drauf“, sagt er. In dem 1988 eröffneten Club mit nur 30 Plätzen treten fast täglich Rock-, Jazz- und Blues-Bands auf. Jetzt ist Meister auf der Suche nach neuen Räumen. Allach sei keine Alternative, „zu weit draußen“, sagt er – noch.

Andere Kult-Kneipen in Schwabing wie das „Roxy“ und die „Clemensburg“ sind bereits verschwunden. Das „Heppel & Ettlich“ musste 2009 im Stadtteil umziehen, konnte so aber seinen Theaterbetrieb retten. ul

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