Gitarrist Georg Klanthe, Gründungsmitglied der „Saragossa Band“

Vom Tour-Bus in den Wohnwagen

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Vor mehr als 30 Jahren gehörte Georg Klanthe zu den erfolgreichsten Musikern Deutschlands – das Polaroid zeigt ihn mit Kapitänsmütze. Nun hat er sein „Studio“ im Wohnwagen.
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Im Lenbach-Palast: Verleihung der Goldenen Schallplatte 1982
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Vor mehr als 30 Jahren gehörte Georg Klanthe zu den erfolgreichsten Musikern Deutschlands – das Polaroid zeigt ihn mit Kapitänsmütze. Nun hat er sein „Studio“ im Wohnwagen.
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Vor mehr als 30 Jahren gehörte Georg Klanthe zu den erfolgreichsten Musikern Deutschlands – das Polaroid zeigt ihn mit Kapitänsmütze. Nun hat er sein „Studio“ im Wohnwagen.
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Vor mehr als 30 Jahren gehörte Georg Klanthe zu den erfolgreichsten Musikern Deutschlands – das Polaroid zeigt ihn mit Kapitänsmütze. Nun hat er sein „Studio“ im Wohnwagen.
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Vor mehr als 30 Jahren gehörte Georg Klanthe zu den erfolgreichsten Musikern Deutschlands – das Polaroid zeigt ihn mit Kapitänsmütze. Nun hat er sein „Studio“ im Wohnwagen.

Früher bereiste er mit der „Saragossa Band“ die Welt, heute lebt Georg Klanthe auf dem Campingplatz.

Einst ist er mit David Bowie um die Häuser gezogen und stand mit den Scorpions auf der Bühne. Er spielte vor 30 000 Fans in Budapest und war aus der Musikszene Deutschlands nicht wegzudenken: der Gitarrist Georg Klanthe, Gründungsmitglied der „Saragossa Band“. Heute lebt er in einem schäbigen Wohnwagen in Obermenzing, auf gerade mal zehn Quadratmetern. Vom Glamour und Glitzer seines Musiker-Daseins ist nichts übrig.

Ein Absturz? Nicht für Klanthe. „Wer weiß, wo ich sonst reingerutscht wäre – die ganzen Musiker sterben doch alle so früh“, sagt er. Denn freilich, in den wilden 80er-Jahren hat er auch mal Koks geschnupft oder Joints geraucht. Heute trinkt der 61-Jährige keinen Tropfen Alkohol. Im Gegenteil, wenn er am Campingplatz mal die Gitarre auspackt und spielt – dann verschwindet er wieder, wenn die Leute zu betrunken sind. „Das nervt“, findet er. Da will er lieber seine Ruhe.

Inzwischen arbeitet der Bühnenprofi als Koch in Unterhaching, dort zaubert er Karotten-Mango-Cremesuppe oder Enten-Gröstl. Doch sein Herz schlägt weiter für die Musik. Etliche Gitarren hat der Vollblut-Musiker in seinem Wohnwagen untergebracht – sie nehmen den Großteil der urigen Eckbank ein. Das Beste für ihn: „Hier ist mein eigenes kleines Studio“, sagt er zufrieden und zieht ein orangefarbenes Handtuch beiseite. Darunter verbirgt sich ein kleines Mischpult, daneben steht ein Laptop. Damit nimmt er seine Musik auf, Gesang und Gitarrenstücke, und mischt sie. Ganz anders klingt diese Musik, die er heute macht. Kein heiteres Karibik-Feeling. Stattdessen melancholische Texte, die er auf Bairisch singt.

Manchmal, ganz selten, spielt er noch vor Publikum: In der Waldeslust, dem Restaurant, in dem er kocht. Bloß nie mehr Partymusik – wie Saragossas größter Hit „Zabadak“. Das war auch ein Grund, warum Klanthe die Band nach unzähligen Auftritten, bei denen er immer Seeräuber oder Kapitän war, verlassen hat: „Ich wollte mal andere Musik machen, nicht immer das Gleiche.“ Außerdem hatte es Zoff in der Band gegeben.

Dass er seit fünf Jahren im Wohnwagen lebt, ist „Zufall – hat sich so ergeben“. Das Haus, in dem er in Obermenzing wohnte, wurde abgerissen. Da der Musiker nicht sofort eine Wohnung fand, dachte er: „Dann lebe ich mal zwei, drei Monate im Campingwagen, das geht schon.“ Daraus sind fünf Jahre geworden. „Ich habe einfach nichts gefunden.“ Die Preise viel zu hoch, als Musiker sowieso schwierig. „Und beim Wohnungsamt hieß es: Sie haben doch ein Dach über dem Kopf.“

Manchmal, im Sommer, wenn die Luft lau ist, die Sterne funkeln, sitzt er gerne vorm Wohnwagen und spielt Gitarre. Einerseits mag er den Ort, schätzt es, dass er gemütlich grillen kann mit einigen netten Leuten und einen riesigen Garten hat. Andererseits nervt es ihn auch.

„Im Winter friert mir das Wasser in den Flaschen ein“, schimpft er. „Und ich kann nicht mal meine Gasflasche draußen stehen lassen – wird alles geklaut.“ Und zum Waschen muss er in die Gemeinschaftsduschen.

Die Wohnungssuche hat er dennoch aufgegeben. Sein Plan: „Vier Jahre arbeite ich noch bis zur Rente, derweil bleibe ich im Wohnwagen.“ Dann will er zurück in seine Heimat, die in Oberbayern in der Nähe von Rosenheim ist.
Hanni Kinadeter

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