Wasserkraftwerk am Zehentstadelweg

Knatsch um Wasserkraftwerk

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Das ist der Sohlabsturz, an dem die Würm in die Tiefe fällt. Dort soll das Kraftwerk entstehen.

Der Plan für eine Anlage an der Würm spaltet den Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing.

Die Politiker im Bezirkausschuss (BA) Pasing-Obermenzing sind uneins in der Bewertung des geplanten Wasserkraftwerks an der Würm. Dieses soll am Hotel Schleuse am Zehentstadelweg entstehen (Hallo berichtete). Während SPD und Grüne das Projekt einer privaten Investorin begrüßen, ist die CSU skeptisch. Das ist deutlich geworden, als die Planer ihre Idee nun im BA vorstellten.

Laut Landschaftsarchitektin Barbara Urlberger vom Büro Mahl-Gebhard-Konzepte hat das Vorhaben vier Vorteile: „Es ermöglicht erstens eine regenerative Energiegewinnung; es verbessert zweitens die Lärmsituation, da die Kraftwerksturbine leiser ist als der zwei Meter hohe Sohlabsturz, den es aktuell dort gibt; das Grundstück würde drittens naturnah und parkähnlich aufgewertet, und Fische könnten viertens die Würm künftig komplett durchschwimmen.“

Östlich der Würm soll nämlich ein sogenannter Fischpass in einem „sanft modellierten Gelände“ entstehen, der den Tieren das Umwandern des Kraftwerks ermögliche. Aktuell kämen die Fische wegen des Sohlabsturzes nicht fluss­aufwärts. Während der Bauarbeiten müsse die Würm über den späteren Pass umgeleitet werden. Das Kraftwerk, so Url­bergers Ingenieur-Kollege Knud Kramer, habe eine Turbine mit einer elektrischen Leistung von 70 Kilowatt und eine Jahresleistung von 400 000 Kilowattstunden. „Das reicht für etwa 128 Haushalte“, erklärt der Planer. Und noch eine Zahl ist bei dem Projekt wichtig: die der Baumfällungen. Neun – dafür aber Ersatzpflanzungen – soll es den Planern zufolge geben.

Der CSU stößt das bitter auf. „Das ist kein ökologisches, sondern ein ökonomisches Projekt“, empört sich Pasings CSU-Chef Winfried Kaum. BA-Boss Romanus Scholz (Grüne) hingegen bewertet das Vorhaben „im Grundsatz positiv“, ebenso wie Rüdiger Schaar, stellvertretender Vorsitzender der Pasinger SPD. Er findet: „Man kann doch über die Energiewende nicht immer nur reden.“

Geredet werden wird über das Kraftwerk in Obermenzing auf jeden Fall wieder, sobald das Vorhaben konkret wird. „Bis jetzt sind die Planungsstände vorläufig“, sagt Barbara Urlberger. „Das heißt, bis zur Einreichung der Genehmigungsunterlagen bei den zuständigen Behörden können sich Details noch ändern.“ Die Einreichung solle „demnächst“ geschehen, die Genehmigung dauere dann etwa ein Jahr. Christopher Beschnitt

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