Mittelschule an der Peslmüllerstraße

Paten für Peslmüllerschüler gesucht

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Schüler-Paten wie Herbert Erharter arbeiten an der Peslmüllerschule mit Jugendlichen in Kleingruppen. Hier übt Erharter gerade mit Xaver (von links), Laurenz und Guglielmo Lesen.

Senioren hoffen auf neue Kollegen für ehrenamtliche Nachhilfe. Was Interessenten können sollten, lesen Sie hier.

Das Wort ist kaum zu erkennen: „Hems-är-me-lig“, liest Laurenz zögerlich und mit Pausen zwischen den Silben vor. Der 13-Jährige scheint nicht zu wissen, was sich hinter diesen Buchstaben verbirgt. „Was steht da?“, fragt deshalb Herbert Erharter. Laurenz konzentriert sich. „Hemds-är-me-lig“, liest er jetzt – immer noch langsam, nun aber fehlerfrei. „Und was bedeutet das?“, hakt Erharter nach. Achselzucken. „Nachlässig!“ Solche Erklärungen gibt Erharter seit fast drei Jahren – Hallo sei Dank.

Denn Anfang 2014 berichtete Hallo, dass Senioren an der Mittelschule an der Pesl­müllerstraße Förderunterricht in verschiedenen Fächern geben und Unterstützung suchen. „Daraufhin habe ich mich für Deutsch gemeldet“, sagt Erharter. Jetzt ist es der 71-Jährige, der neue Kollegen sucht. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern Klaus Skarabela (75) und Günter Köstler (76) hofft der frühere Leiter der Münchner Großmarkthalle auf weitere Paten für jeweils anderthalb Nachhilfe-Stunden pro Woche für ausgewählte Schüler-Kleingruppen.

„Denn der Bedarf ist da: Die Lern- und Wissensdefizite sind bei den Schülern sehr groß, vor allem, wenn ein Migrationshintergrund vorliegt“, sagt Skarabela. „Und an der Pesl­müllerschule haben fast 80 Prozent der Kinder diesen Hintergrund.“ Um sie beim Lernen zu unterstützen, brauche es keine besonderen Kenntnisse: „In Deutsch und Mathe und im Allgemeinwissen sollte man einigermaßen fit sein, zudem Geduld mit Kindern und eine Portion Gelassenheit haben, das genügt.“

Dass Herbert Erharter dachte, dieses Anforderungsprofil passe zu ihm, ist nun drei Jahre her. Seither engagiert er sich – weil er etwas zurückgeben will. „Ich hatte ein erfolgreiches Leben“, sagt er. „Vielleicht trage ich nun dazu bei, dass die Schüler das später auch mal sagen können.“

Die Schüler wissen diese Unterstützung zu schätzen: „Herr Erharter hilft uns richtig gut“, meint der 13-jährige Guglielmo. „Seit er da ist, kann ich viel besser lesen als früher“, pflichtet sein Kumpel Laurenz ihm bei. „Hemds-är-me-lig“, wiederholt er wie zum Beweis. Was er nun deshalb so perfekt aussprechen kann, weil es Paten wie Herbert Erharter gibt. Paten, die darauf achten, dass die Schüler mit ihrer Zukunft eben so nicht umgehen: nachlässig.

Christopher Beschnitt

Wer Schüler-Pate werden möchte, kann sich an Rektor Rudolf Weiß wenden; Telefon: 82 08 59 09 21.

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