Gute Geister hinter Planen

Karlsgymnasium: Hausmeister-Ehepaar lebt seit Monaten hinter Planen

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Das Hausmeister-Ehepaar des Karlsgymnasiums, Franz und Hannelore Karges, vor ihrer eingerüsteten Wohnung – dort beginnt gerade die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes.

Turbulent: Nach 30 Jahren am Karlsgymnasium lebt das Hausmeister-Ehepaar nun auf einer Baustelle. Sie lassen sich trotzdem nicht aus der Ruhe bringen.

Pasing – In der Küche werkeln die Maler, das Fensterlicht verdunkelt ein Bauzaun, auf dem Baugerüst klettern Arbeiter und es hämmert, klopft und bohrt. Seit Monaten lebt Franz Karges (58) mit seiner Frau Hannelore (56) auf der Baustelle.

Das eingespielte Paar ist quasi immer im Dienst

Doch das Hausmeister-Paar vom Pasinger Karlsgymnasium lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: „Wir haben heuer unser 30-jähriges Jubiläum hier. Wir sind einiges gewohnt.“ Denn das eingespielte Paar ist quasi immer im Dienst. „Die Handwerker arbeiten samstags und in den Ferien, mal springt das Auto eines Lehrers nicht an, mal kommt abends ein Vater und sucht nach dem Musikinstrument seines Sohnes, das der im Klassenzimmer vergessen hat“, berichtet Karges.

Das Karlsgymnasium wurde bereits 1910 erbaut.

Als „Oberamtsmeister“ einer der ältesten Münchner Schulen wacht er mit seiner Ehefrau seit 30 Jahren über das denkmalgeschützte Schulgebäude und die über 700 Schüler direkt am Pasinger Stadtpark.

Eben wird die Schule von 1910 saniert, endlich neu gestrichen, der Neubau mit Dreifachturnhalle beginnt voraussichtlich im Herbst. Seit Frühjahr lebt Familie Karges quasi auf der Baustelle, bis zum Herbst wird ihre Wohnung noch eingerüstet sein. Am 10. Oktober jähren sich die 30 Jahre, die das Paar hier lebt. „Dann strahlt der Altbau in neuem Glanz“, freuen sie sich. Nur die Sanitäranlagen der Hausmeisterwohnung, WC und Bad aus den frühen 80er-Jahren, bleiben unangetastet. „Die Stadt hat beschlossen, es so zu lassen.“

Direkt neben dem Haupteingang verbirgt sich die schlichte Tür, die zu ihrer privaten Wohnung führt. „Oberamtsmeister“ steht auf dem Türschild. Vom Schulflur geht es ins Arbeitszimmer, dann einen halben Stock hinauf, in die Privatwohnung. Erst kommt die Küche, dazu vier Zimmer, Bad und Toilette: genau richtig für eine Familie mit zwei Kindern.

In den Sommerferien geht es mit der Arbeit erst richtig los

Wenn irgendwo Not am Mann ist: Bei Karges wird geklingelt und geklopft. „Jeder weiß ja, dass wir da wohnen.“ Langweilig wird es dem Ehepaar also nie, selbst in den großen Sommerferien nicht. „Gerade, wenn keine Schüler im Haus sind, geht es hier ja erst richtig los. Die Grundreinigung des Hauses steht an, Technik prüfen, Schlösser und Fensterhebel auf Sicherheit und Funktion kontrollieren, die Bestückung der Klassenzimmer sicherstellen – da fällt einiges an.“ Bei Schulfesten, Veranstaltungen, Prüfungen: Die Hausmeister sind die Ersten und Letzten, sperren auf und zu, überzeugen sich davon, dass alles am Haus okay ist.

Ruhig ist es, so idyllisch das Haus gelegen ist, nicht wirklich. Denn das Mauer-Eck vor dem Lehrerparkplatz ist an den Wochenenden ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche: „Die kaputten Flaschen, die ich weggeräumt habe, kann keiner zählen. Um 23 Uhr rufe ich auch mal die Polizei“, sagt Karges. 

Doch wohnen und arbeiten an einem so besonderen Fleck, macht dem Ehepaar Spaß, sonst hätten sie nicht schon den dritten Rektor miterlebt: „Wir sind da ein Super-Team.“ Marie-Julie Hlawica

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