Lücken im Konzept

Parklizenz-Zone: Anwohner im Pasinger Norden leisten Widerstand

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Die Anwohner im Pasinger Norden wollen schärfere Kontrollen der Polizei statt eines Parklizenzgebietes.

Pasing – Die Stadt will im Pasinger Norden ein Parklizenzgebiet einführen. Das stößt allerdings auf erheblichen Widerstand der Anwohner. Welche Punkte sie kritisieren lesen Sie hier

Mit diesem Widerstand gegen ein Parklizenzgebiet im Pasinger Norden hatte Benjamin Stjepanovic vom Planungsreferat nicht gerechnet. „Wir werden uns mit allen Mitteln zur Wehr setzen, damit unsere Kolonie nicht durch ein Parklizenzgebiet verschandelt wird“, kündigte Anwohner Reinhard Lutz an.

Stjepanovic hatte vorher auf einer Einwohnerversammlung vorgestellt, dass die Stadt ein Parklizenzgebiet zwischen Bahnlinie, Schirmerweg, Nymphenburger Kanal und Offenbachstraße für sinnvoll hält. Die Parkplätze dort seien tagsüber fast komplett belegt. Die Stadt geht sogar davon aus, dass rund 180 Stellplätze fehlen. „Wenn die Anwohner abends nach Hause kommen, finden sie keinen Parkplatz mehr“, sagte Stjepanovic.

Dem widersprach Hermann Wolter von der Initiative Exter Kolonie I entschieden: „Die Einwohner haben Abstellmöglichkeiten auf ihren Grundstücken oder in Tiefgaragen. In anderen Fällen haben sie sich mit der Situation arrangiert.“

Die Anwohner kritisieren scharf, dass eine Parkzone nicht ausreicht, sondern ein grundlegendes Verkehrskonzept nötig ist.

Er befürchtet, dass durch ein Parklizenzgebiet statt der derzeitigen Dauerparker künftig Kurzparker in die Siedlung kämen. Parken auf der Nordseite sei dann ein attraktives Angebot für Leute, die zum Einkaufen oder zum Arzt ins Pasinger Zentrum müssten. „Es kommen mehr Autos, weil anders als heute die Chance besteht, einen freien Parkplatz zu finden. Dieser verstärkte Parksuchverkehr belastet das Gebiet zusätzlich“, so Wolter. Stjepanovic glaubt an die gegenteilige Entwicklung: „Es ist mehr Parkraum frei. Deshalb muss man nicht mehr um das Viertel kreiseln, bis man einen Parkplatz findet.“

Außerdem glaubt Wolter, dass nur wenige reine Anwohnerparkplätze ausgewiesen würden. „Wir zahlen somit für etwas, dass gar nichts bringt“, kritisierte er. Stjepanovic verwies darauf, dass noch nicht feststeht, wie die Stadt das Parkgebiet gestalten will.

Wolter war nicht der einzige, der skeptisch war. Nikolaus Schmitt-Walter wohnt in der Nusselstraße und damit außerhalb der geplanten Parklizenzzone. Von dort seien es fünf Minuten zu S-Bahn. Er befürchtet, dass Pendler künftig einfach dorthin ausweichen würden. Deshalb forderte er, das Gebiet nach Osten auszuweiten.

„Parkplätze sind eines der Probleme, die hier keine große Rolle spielen“, meinte ein anderer Anwohner. Vielmehr müsse sich die Stadt um den Durchgangsverkehr kümmern, der meist viel zu schnell unterwegs sei. Das Parklizenzgebiet könne nur Teil eines grundlegenden Verkehrskonzepts für den Pasinger Norden sein, das die Stadt den Bewohnern schon seit Jahren verspreche, so Wolter.

Bei einer Gegenstimme forderten die Anwohner, das Thema Parken erst in Angriff zu nehmen, wenn ein Verkehrskonzept vorliegt. Dann soll die Stadt auch prüfen, die Parkzone im Osten bis zur Mendelssohnstraße auszuweiten. BA-Chef Romanus Scholz hält ein Parklizenzgebiet zwar weiterhin für sinnvoll. Aber wegen der eindeutigen Stimmung vor Ort will er die Umsetzung des Verkehrskonzepts abwarten und die Lage dann nochmal neu bewerten.

Andreas Schwarzbauer

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