Stadt baut Wohnungslosen-Unterkunft

Bürger fordern Baustopp

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Ärger am Haidelweg: Cihan Kara (Foto 3.v.li.) und seine Nachbarn wollen nicht, dass die Stadt auf der freien Wiese eine Wohnungslosen-Unterkunft baut.

Wütend blicken die Anwohner des Haidelwegs auf den Bagger-Fahrer, der die Wiese gegenüber umgräbt. „Was ist da los?“, fragt der Pasinger Cihan Kara. „Wo sollen die Kinder denn jetzt spielen?“ Der Ärger in Pasing, was die Stadt sagt

Tief gräbt der Bagger-Fahrer die Schaufel in die grüne Wiese, hebt eine Ladung Erde hoch und lässt sie auf einem Berg an Humus und Gras fallen – immer wieder und wieder. Fassungslos sehen die Anwohner der Neubausiedlung am Haidelweg zu. „Wo sollen jetzt die Kinder spielen?“, fragt Cihan Kara unsicher. „Wir dachten, der Bau einer Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände sei vom Tisch.“

Das war auch der letzte Stand von Hauptkommissar Rudolf Neumann von der Pasinger Polizei, die sogleich von den Bürgern eingeschaltet wurde. „Wir dachten, es gehen unrechtmäßige Dinge vor“, sagt Kara. Doch der Baggerfahrer zeigt ihnen Pläne der Stadt. „Wieso wurden wir nicht informiert? Keiner weiß, was los ist. Noch nicht einmal der Bezirksausschuss hat uns Bescheid gesagt“, ärgert sich Anwohnerin Silke Bergmann.

Doch Gremiums-Chef Romanus Scholz (Grüne) wusste selbst bis zu diesem Zeitpunkt nicht, was auf dem Grundstück am Haidelweg gegenüber der Straße am Hackelanger vonstattengeht. „Die Stadt hat uns nicht informiert“, sagt er. „Ich finde das unverschämt!“ Erst nach mehreren Telefonaten habe er erfahren, dass dort eine Erweiterung der Unterkunft für Wohnungslose an der Planegger Straße gebaut wird. „Mitte Juli soll es dazu auch eine Infoveranstaltung für die Bürger geben. Das hätte vorher passieren müssen, um den jetzigen Ärger zu vermeiden“, sagt Scholz.

Das Sozialreferat weist hingegen jegliche Vorwürfe schlechter Informationspolitik zurück. In einem Schreiben der Pressestelle heißt es, dass die Bezirksausschüsse (BA) über die jeweiligen Standortbeschlüsse regelmäßig informiert würden. Dies sei auch beim Standort Planegger Straße/Haidelweg der Fall gewesen. Zudem seien die Planungen zu Unterkünften für Flüchtlinge und Wohnungslose auch im Rahmen der Bürgerversammlung im März behandelt worden. Aber: Über den konkreten Zeitpunkt des Baubeginns sei der BA nicht zusätzlich informiert worden.

„Dennoch hätte man die Infoveranstaltung vor Baubeginn machen sollen“, betont auch CSU-Stadtrat Johann Sauerer. „Die Anwohner dachten, dass nachdem die Leichtbauhalle für Flüchtlinge verworfen worden ist, nichts mehr kommt. Man hatte einfach vergessen, dass der Stadtrat vergangenes Jahr dort auch eine Unterkunft für Wohnungslose beschlossen hatte.“

Diese wird voraussichtlich Ende September oder Anfang Oktober bezugsfertig sein. Die insgesamt 102 Plätze werden mit wohnungslosen Familien belegt. Im Zuge der aktuellen Entwicklungen werden sich laut Sozialreferat unter den Wohnungslosen auch ein hoher Anteil anerkannter Asylberechtigter befinden.

„Für uns macht das, was jetzt gebaut wird, keinen Unterschied“, sagt Kara. „Wir sind total verzweifelt.“ Anwohner Jens Krumpholz lässt jetzt von einem Anwalt prüfen, ob die Pasinger einen Baustopp erwirken können.

Marie-Anne Hollenz

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