Unterstützung in Corona-Zeiten

Obermenzinger fordert Taxi-Gutscheine für bedürftige und behinderte Münchner

Taxi-Fahrer hilft Seniorin aus dem Taxi in einen Rollstuhl
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Mit dem Taxi-Gutscheinen sollen mobilitätseingeschränkte Menschen wieder mehr am Geschehen teilnehmen können.

Stephan Pilsinger (CSU) will Risikogruppen in Corona-Zeiten mit Taxi-Gutscheinen aus der Isolation holen. Im Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing erntet er Kritik...

  • Stephan Pilsinger (CSU) fordert Taxi-Gutscheine für bedürftige und behinderte Münchner aus Risikogruppen
  • Behindertenbeauftragter begrüßt Vorschlag, zeigt sich aber auch skeptisch
  • Deutliche Kritik aus dem Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing

Pasing-Obermenzing - Die Stadt München soll bedürftigen, mobilitätseingeschränkten Münchnern mit Behindertenausweis als Weihnachtsgeschenk Taxi-Gutscheine ausgeben. Das fordert Stephan Pilsinger in einem Antrag im Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing. Die aktuell hohen Infektionszahlen träfen vor allem Menschen mit Schwerbehinderung – oft Senioren – hart, so Pilsinger.

Taxi-Gutscheine sollen bedürftigen Senioren helfen, an Weihnachtszeit teilzunehmen

Stephan Pilsinger wünscht sich Taxi-Gutscheine für Münchner mit Behindertenausweis und München-Pass.

„Ich arbeite in einer Hausarztpraxis. Dort habe ich beobachtet, dass viele ältere Patienten zu verängstigt sind, um noch die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen.“ Um mit dem Fahrrad zu fahren oder zu Fuß zu gehen, hätten sie nicht die körperlichen Voraussetzungen. „Sie gehen nicht mehr auf die Straße und sind isoliert. Mit den Taxi-Gutscheinen hätten sie die Gelegenheit, an der Weihnachtszeit teilzunehmen. Sie würden es ihnen ermöglichen, Weihnachtsbesorgungen zu machen oder in die Christmette zu kommen.“

Das sagen Taxi-Genossenschaft und Behindertenbeauftragter

Für die Taxi-Genossenschaft München wäre es kein Problem, den Vorschlag umzusetzen: „Seniorenfahrten mit Unterstützung aller Art, wie Begleitung zur Haustür, zur Arztpraxis, beim Tragen des Wocheneinkaufs oder beim Ein- und Aussteigen, sind selbstverständlich“, sagt Jörg Wohlfahrt. Der Transport von Rollatoren oder Rollstühlen sei ebenfalls problemlos möglich.

Münchens Behindertenbeauftragter Oswald Utz begrüßt den Vorstoß ebenfalls: „Der öffentliche Nahverkehr ist grundsätzlich nicht so ausgebaut, dass ihn Behinderte ohne Probleme nutzen können. Und in der aktuellen Situation hätten Gutscheine noch einen zusätzlichen Vorteil, weil sich Risikogruppen von Menschenansammlungen fernhalten sollen.“ Vorbild könne das Frauen-Nacht-Taxi sein, bei dem die Stadt pro Fahrt zwischen 22 und 6 Uhr fünf Euro übernimmt. Damit es kein „Schaufensterantrag“ bleibt, mahnt Utz zur Eile: „Es ist schon Anfang Dezember, Weihnachten ist bald.“

Kritik im Bezirksausschuss: Antrag kommt zu spät

Genau das kritisierten die anderen Fraktionen, als Pilsinger den Antag im Bezirksausschuss stellte. Ingrid Standl (Grüne) meinte: „Es ist zu spät, die Idee ist heuer nicht mehr umsetzbar.“ Constanze Söllner-Schaar (SPD) verwies darauf, dass es mindestens ein Jahr gedauert habe, sich ein Konzept für das Frauen-Nacht-Taxi zu überlegen.

Pilsinger verteidigte sich damit, dass die Corona-Beschränkungen erst vor kurzem verlängert worden seien. Sven Wackermann (CSU) unterstützte ihn: „Mag sein, dass wir spät dran sind, aber wir sind nicht zu spät. Man muss nur schauen, was wir in diesen Zeiten auf die Schnelle umgesetzt haben.“ Er nannte Mini-München und die Sommerstraßen als Beispiele. Christian Müller (SPD) entgegnete, dass der Stadtrat die Taxi-Gutscheine beschließen müsse. Die nächste Vollversammlung sei am Mittwoch vor Weihnachten. Das sei zu knapp.

FFP2-Masken statt Taxifahrten in Corona-Zeiten

Söllner-Schaar kritisierte allerdings auch die Idee an sich: „In Corona ist es ungünstig, in geschlossenen Räumen wie einem Taxi zu sitzen.“ Sie hätte es für sinnvoller gehalten, FFP2-Masken zu fordern. Wackermann widersprach: „Ein Taxi mit Hygienekonzept und Plexiglasscheibe ist deutlich besser, als jemanden mit FFP2-Maske in den öffentlichen Nahverkehr zu schicken.“ Pilsinger war zudem bereit, den Antrag um die Forderung nach den FFP2-Masken zu ergänzen.

Die Grünen wiederum monierten, dass im Antrag nicht klar festgelegt sei, welche Gruppe Anspruch auf die Gutscheine hätte. Für Pilsinger war diese Kritik nicht nachvollziehbar. Aus dem Antrag gehe klar hervor: Menschen mit Behindertenausweis und München-Pass, die zu einer Risikogruppe gehören. Er appellierte: „Der Bezirksausschuss sollte diesen Impuls aussenden.“ Allerdings konnte er seine Kollegen nicht überzeugen. Das Gremium lehnte den Antrag ab. Nur die CSU un drei Grüne sprachen sich dafür aus.

Andreas Schwarzbauer

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