Angst vor Kommerzialisierung

Zirkus ums Kreativquartier in der Dachauer Strasse

Um die Sorgen der Quartier-Nutzer ging es jetzt bei einer Diskussion auf Einladung des Bezirksausschusses und des Labor-Vereins.
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Um die Sorgen der Quartier-Nutzer ging es jetzt bei einer Diskussion auf Einladung des Bezirksausschusses und des Labor-Vereins.

Neuhausen - Hier wollen die Nutzer mit entscheiden: Weil immer mehr Verwalter anstatt Gestalter das Quartier mieten, sorgt sich der Verein Labor München um die Zukunft seiner kreativen Stätte

Im Kreativlabor am Leonrodplatz brodelt es. Zuerst hat die Stadt auf der rund 6000 Quadratmeter großen Freifläche am Leonrodplatz den Zirkus Roncalli genehmigt, ohne das mit den jetzigen Nutzern abzustimmen. Jetzt will der Verein Wannda mit einem Kulturfestival im Mai dort gastieren, und die Verwaltung hat bereits gestattet, dass der Veranstalter einige Container auf der Fläche abstellen kann. Kurzum: Die rund 300 Künstler, die auf dem Gelände aktiv sind, fühlen sich übergangen. Und sie sehen in Roncalli und Wannda so etwas wie alarmierende Vorboten. Die Stadt will nämlich die Entwicklung und den Betrieb des Kreativlabors an der Dachauer Straße 110 bis 114 an die Münchner Gewerbehof- und Technologiezentrumsgesellschaft (MGH) übertragen.

Christian Schnurer vom verein Labor München bereiten die kommerzielle Nutzung Sorgen.

Viele haben nun Angst, dass sich das Quartier „vom Kunst- zum Gewerbehof“ entwickelt, warnt der Verein Labor München. „Vor allem stört uns, dass an keiner Stelle der Vorlage von Nutzerbeteiligung die Rede ist“, sagt Labor-Sprecher Christian Schnurer (kl. Foto). „Wenn die Entscheidung für die MGH fällt, dann brauchen wir Beteiligungsmöglichkeiten. Ohne Nutzerbeteiligung geht alles in die Hose“, betont Schnurer. Allein das Thema Lärmschutz könnte für Konflikte zwischen einzelnen Nutzern sorgen. „Das haben wir bei Roncalli gelernt.“ So sei das Schwere Reiter nicht vor Lärm geschützt und habe seinen Betrieb während der Zirkusvorstellungen einschränken müssen.

Ähnliches könne beim Wannda Kulturfestival passieren. Kritikpunkt zwei: „Bisher sind auf der Freifläche möglichst viele und kleinteilige Nutzungen gedacht gewesen. Wannda hat eine ganz andere Größenordnung“, sagt Schnurer. Er möchte allerdings nicht denselben Fehler machen, den er der Koordinierungsstelle für das Kreativquartier vorwirft: fehlende Kommunikation. Deshalb will der Labor-Verein bald mit dem Wannda-Team sprechen. Nicht zuletzt ist dieser Verein 2012 selbst im Kreativquartier gegründet worden. Zunächst aber fällt am Donnerstag, 1. Februar, im Kommunalausschuss des Stadtrats die Entscheidung, ob künftig die MGH das Quartier managen wird. Die Stadtrats-Grünen fordern auf jeden Fall Mitspracherechte für die Nutzer und haben einen Änderungsantrag gestellt (siehe Kasten).ul

Kreative einbinden

Anna Hanusch vom Neuhauser Bezirks­ausschuss (BA), die auch Grünen-Stadträtin im Kommunalausschuss ist, fordert ein Gremium, in dem die Bestandsnutzer des Kreativlabors und der BA vertreten sind. Es soll unter anderem über Nutzungsverteilung und Mieterauswahl mitentscheiden. Zudem soll die Kommunikation besser werden.

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