Modellprojekt der Pfarrei Christkönig

So will ein Blinder Brücken bauen: Die besondere Geschichte eines angehenden Diakons

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Bald hält Aleksander Pavkovic seine erste Predigt in Christkönig. Dabei hilft ihm ein Computer mit einer Brailleschriftzeile für Blinde.

Nymphenburg - Mit 41 Jahren macht der promovierte Slawist Aleksander Pavkovic eine Ausbildung zum Diakon. Ganz besonders dabei ist: Pavkovic ist blind

Für Dr. Aleksander Pavkovic wird es bald richtig spannend. Dann wird der angehende Diakon zum ersten Mal selbst einen Gottesdienst in der Pfarrei Christkönig abhalten, wo er im Rahmen einer mehrjährigen Ausbildung seit kurzem ein Praktikum absolviert. Die Besonderheit: Der 41-jährige Gerner ist von Geburt an blind und damit der erste Vollblinde, der in der Erzdiözese München und Freising zur Diakonausbildung angenommen wurde.

Bald hält Aleksander Pavkovic seine erste Predigt in Christkönig. Dabei hilft ihm ein Computer mit einer Brailleschriftzeile für Blinde.

„Bei der Gestaltung eines Gottesdienstes lernen die anderen Bewerber vieles durch Zuschauen und Nachahmen. Das läuft bei mir anders“, sagt Pavkovic. Sein Vorteil: „Ich bin es von klein auf gewohnt, neue Wege zu erkunden.“ Vor baulichen Barrieren hat der promovierte Slawist keine Angst. „Alles, was irgendwie mit Bewegung im Raum zu tun hat, funktioniert gut, erfordert aber etwas mehr Zeit und Vorbereitung.“ Schwieriger wird’s, wenn Gestik oder Mimik ins Spiel kommen. „Andere schauen bei der Predigt in die Gesichter der Menschen und sehen deren Reaktion. Auch sonst spielt Blickkontakt oft eine große Rolle. Ich bin auf Kommunikation angewiesen,“ sagt er.

Brückenbauer zwischen den Welten

Warum er sich überhaupt dieser Herausforderung stellt, hat mehrere Gründe: Hauptberuflich ist der 41-Jährige in Teilzeit in der Landesgeschäftsstelle des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes tätig. Sein Fachgebiet sind barrierefreie Medien und IT-Beratung von Firmen und Blinden. Diese Tätigkeit will er auch fortführen, im Nebenberuf aber als Diakon wirken. „Die Apostel und Missionare früher hatten ja auch alle einen Hauptberuf und verkündeten in ihrer Freizeit das Evangelium – aus reiner Freude. Ich finde, das braucht es auch heute noch.“ Zudem hofft der Gerner, der seit 13 Jahren mit einer ebenfalls blinden Frau verheiratet ist, als „Brückenbauer“ zwischen verschiedenen Welten vermitteln zu können. „Ich kann Erfahrungen aus meiner Lebens- und Arbeitswelt in die kirchliche Arbeit einbringen und umgekehrt die christlich-kirchliche Weltsicht in die Arbeitswelt hineintragen“, sagt er und ergänzt: „Ein Diakon erfüllt in beiden Bereichen eine wichtige Stellvertreter-Funktion.“ Nicht zuletzt möchte er auch anderen Menschen mit Behinderung Mut machen, ihre Talente zu nutzen. „Wenn ich damit ein Stück weit Vorbild sein kann, soll mir das recht sein.“ Allerdings möchte er sich nicht auf die Behinderten-Seelsorge konzentrieren. „Ich mache das gerne mal, aber bitte nicht ausschließlich.“ Am liebsten wäre es ihm, „wenn es in der Wahrnehmung der Gemeinde irgendwann nicht mehr wichtig ist, dass ich blind bin“. In den nächsten eineinhalb Praktikumsjahren in Christkönig ist er jedoch froh über jede Unterstützung. „Ich brauche die Rückmeldung der Leute“, betont er – und bereitet sich schon fleißig auf seine künftigen Aufgaben als Prediger, Vorsänger und Ansprechpartner bei vielen verschiedenen Seelsorgsfragen vor. ul

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