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Vorsicht: Online-Service wider Willen

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„Ich mache meine Termine noch selber aus“, sagt Fußpflegerin Gabriele von den Hoff. Sie wehrt sich dagegen, dass ein Online-Portal ohne ihr Einverständnis einen Terminservice für ihre Praxis startete.
„Ich mache meine Termine noch selber aus“, sagt Fußpflegerin Gabriele von den Hoff. Sie wehrt sich dagegen, dass ein Online-Portal ohne ihr Einverständnis einen Terminservice für ihre Praxis startete. © ul

Nymphenburg – Verwirrungen und Kommunikationsprobleme: Hallo erzählt die Geschichte einer Nymphenburgerin, die durch eine Terminanfrage über das Internet in Aufregung versetzt wurde

Stellen Sie sich vor, Sie haben über ein Portal wie dastelefonbuch.de online einen Termin in einer Fußpflegepraxis reserviert. Die Praxis­inhaberin erfährt davon aber gar nichts oder hält es für einen Irrtum, denn sie hat das Portal nie mit einem Terminservice beauftragt. So geschehen bei Gabriele von den Hoff (59), die seit 13 Jahren am Romanplatz medizinische Fußpflege anbietet und jetzt nur durch Zufall erfahren hat, dass sich eine Kundin übers Internet bei ihr angemeldet hat. „Wie können die das machen, ohne mich vorher zu fragen“, ärgert sie sich. Auch im Interesse der Kunden: „Wenn solche Termine dann platzen, sind die zurecht verärgert.“

Doch der Reihe nach: Gabriele von den Hoff steht allein in ihrer Praxis, legt großen Wert auf eine vertrauensvolle, persönliche Kundenbetreuung. Als sie am Telefon von einer Frau erfährt, dass diese zuvor über dastelefonbuch.de einen Termin bei ihr gebucht hat, fällt die Geschäftsfrau aus allen Wolken. „Wer hat das veranlasst?“, ist ihre erste Frage. „Und was ist mit dem Datenschutz?“ Schließlich hat die Kundin einige persönliche Angaben gemacht. Beim Durchforsten ihrer E-Mails findet sie im Abfall-Ordner dann eine „Offene Terminanfrage“ von besagtem Portal, inklusive der Möglichkeit, weitere Anfragen zu stoppen. Beruhigt ist sie aber nicht: „Womöglich habe ich vorher schon Anfragen gelöscht, weil ich sie für unerwünschte Werbung hielt.“

Julia Berger von der Verbraucherzentrale Bayern kann die Verunsicherung verstehen. „Diese Art Zwangsbeglückung von Kleinstunternehmen sehe ich auch als problematisch an“, sagt sie. Vor allem, „wenn man den Service erst ablehnen kann, nachdem die erste Anfrage eingegangen ist“. Es sei fraglich, „ob dastelefonbuch.de die Möglichkeit der Terminanfrage ohne Einwilligung der Unternehmen vorsehen kann“, sagt Berger. Kunden rät sie zu „besonderer Vorsicht bei der Angabe von Daten“ – sowohl generell als auch speziell: „Da es hier über einen Vermittler geht, muss man noch zurückhaltender sein.“

Michael Hein von der Deutsche Tele Medien GmbH, zu der unter anderem „Das Telefonbuch“ gehört, teilt auf Hallo-Anfrage mit: „Nutzer dieses Services müssen nach Klick auf den grünen Button den Datenschutzbestimmungen zustimmen.“ Die Angebote zur Online-Terminbuchung würden aufgrund von Verbraucher-Wünschen weiter ausgebaut. In einer aktuellen Studie hätten 80 Prozent der Befragten eine Direktbuchung als „nützliche Funktion“ begrüßt. Den im Telefonbuch eingetragenen Unternehmen werde der „kostenlose Mehrwertservice“ automatisch angeboten. Genutzt werde er derzeit von etwa 30 Prozent der Firmen. Gabriele von den Hoff gehört nicht dazu. „Einfach so vor Tatsachen gestellt zu werden, hat für mich einen unseriösen Charakter“, sagt sie.

Ursula Löschau

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