Bürgerbüro wird zur Anwaltskanzlei

Vertriebenen-Chef fliegt aus Bundestag

+
Dr. Bernd Fabritius macht aus seinem bisherigen Bürgerbüro in der Nymphenburger Straße eine Anwaltskanzlei.

Neuhausen: So geht es weiter für CSU-Politiker Dr. Bernd Fabritius.

Dr. Bernd Fabritius macht aus seinem bisherigen Bürgerbüro in der Nymphenburger Straße eine Anwaltskanzlei.

Die Watschn, die die Wähler der CSU bei der Bundestagswahl erteilten, trifft ihn: Dr. Bernd Fabritius, Münchner CSU-Abgeordneter in Berlin und Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV), wird in der kommenden Wahlperiode nicht im Bundestag vertreten sein. „Das Ergebnis war für mich ein Schock und eine große Enttäuschung – nicht so sehr, dass ich persönlich nicht mehr dem Bundestag angehören werde, sondern dass so viele Menschen auf offensichtliche Lügen und Rattenfängerei hereingefallen sind“, erklärt der 52-Jährige, der keinen eigenen Wahlkreis hat, aber auf Listenplatz 4 eigentlich eine hervorragende Ausgangsposition hatte. Doch die Stimmen reichten letztendlich nicht, nur noch bis zum 22. Oktober hat er sein Bundestagsmandat. 

Sein Büro in Berlin hat der Anwalt aus Trudering schon geräumt, sein Bürgerbüro in der Nymphenburger Straße 19 will er nun wieder als Kanzlei nutzen. „Aber ich habe die Hoffnung, dass ich in Berlin bleiben kann. Meine Umzugskisten lasse ich erst einmal dort.“

Denn Fabritius spekuliert auf ein Amt wie beispielsweise das des Integrationsbeauftragten der Bundesregierung. „Die Interessenvertreter der Vertriebenen, Aussiedler und Spätaussiedler sind seit der Wahl deutlich geringer im Bundestag vertreten. Es wäre ein großer Fehler, deren Spitzenkräfte jetzt nicht in irgendeiner Form zu beteiligen“, warnt Fabritius in eigener Sache. „Wir reden hier von vielen Millionen Wahlberechtigten, denen ansonsten das Signal vermittelt würde, dass ihre Anliegen für die Union nicht mehr so wichtig sind.“

In Berlin zu bleiben, würde dem Politiker, der 1984 mit seiner Familie von Rumänien nach Deutschland kam, erleichtern, sein ehrenamtliches Amt als Präsident des Bundes der Vertriebenen auszufüllen. Und diese Position erachtet er als wichtiger denn je. „Wir müssen die Menschen dort abholen, wo wir sie verloren haben.“

Einige aus dem Bund der Vertriebenen wandten sich mittlerweile der AfD zu. Die ehemalige langjährige BdV-Präsidentin Erika Steinbach machte sogar Wahlkampf für die Partei. Doch Fabritius betont, dass der Bund der Vertriebenen kein Nährboden für Sichtweisen der AfD sei. „Wir sehen uns als überparteilicher Verband, wir haben auch Grüne und Linke in unseren Reihen. Aber wir haben auch Menschen, die national denken, denen Begriffe wie Heimat, Kultur und Identität wichtig sind und die sich von den nicht haltbaren Versprechungen der AfD täuschen haben lassen.“
Maren Kowitz

Bund der Vertriebenen

Der 1957 gegründete Verein erhebt den Anspruch, die Interessen der von Flucht, Vertreibung und Aussiedlung betroffenen Deutschen zu vertreten. Darunter fallen rund 15 Millionen Heimatvertriebene, Sowjetzonenflüchtlinge und Spätaussiedler. Die Mitgliederzahlen des BdV sind umstritten, laut Medienberichten liegen sie bei 550 000.

Auch interessant:

Meistgelesen

Kommentare