Seele von Herz Jesu sagt Servus

Aus 14 Tagen wurden 40 Jahre: Mesner Erich Artmann geht in Rente

Erich Artmanns Lieblingsplatz: eine Sitzbank auf dem Friedhof der alten Winthirkirche.
+
Erich Artmanns Lieblingsplatz: eine Sitzbank auf dem Friedhof der alten Winthirkirche.

Neuhausen - In 40 Jahren als Mesner in der Pfarrei hat Erich Artmann viele tausend Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen begleitet - Was ihn am meisten berührt hat und wie schwer ihm der Abschied fällt

An die 4000 Taufen, 2500 Hochzeiten und ungezählte Beerdigungen hat Erich Artmann (63) in seinen 40 Jahren als Mesner in der Pfarrei Herz Jesu begleitet. Viele besondere und bewegende Momente. Ein Ereignis jedoch war einschneidender als alle anderen: der Brand der früheren Herz-Jesu-Kirche in der Nacht vom 25. auf 26. November 1994 und dessen Folgen.

„Das war meine Kirche“, sagt er. Aufgewachsen im Waisenhaus in Neuhausen war er schon als Kind dort und von seiner Erstkommunion 1964 an für zehn Jahre Ministrant in Herz Jesu. Kurz nach seiner Ausbildung als Kunstmaler fragte ihn der damalige Pfarrer Fritz Betzwieser, ob er für zwei Wochen für den kranken Mesner einspringen könnte. Er half und blieb. „Das waren lange 14 Tage“, blickt er kurz vor seiner Verabschiedung in den Ruhestand beim Pfarrfest am Sonntag, 10. Juni lachend zurück.

Die alte Winthirkirche mag Erich Artmann wesentlich mehr als die 2000 geweihte, neue Herz-Jesu-Kirche.

Vieles hat sich in diesen 40 Jahren verändert. „Ich hab’ bis heute ein Problem mit der modernen, neuen Kirche, auch weil ständig etwas kaputt geht“, verrät er. Die Regulierung des Raumklimas sei schwierig, auch mit Lautsprechern und Lichtern gebe es immer wieder Probleme. „So schön die Kirche ist, so störanfällig ist sie auch“, bestätigt Pfarrer Robert Hof. Und: „Früher hatten wir mehr Messbetrieb, heute ist es mehr Veranstaltungs- und Konzertbetrieb“, betont der Mesner. Diese Entwicklung habe allerdings schon in den 70er-Jahren begonnen.

Mesner Erich Artmann und Pfarrer Robert Hof.

„Weniger Kirchenbesucher, weniger Messen“, fasst Artmann zusammen.

Dennoch bleibe die Vorbereitung der Gottesdienste sowie die Pflege der liturgischen Gewänder – neben vielfältigen Hausmeistertätigkeiten – eine Hauptaufgabe. „Der Mesner ist immer der Erste, der die Kirche aufsperrt, und der Letzte, der das Licht ausmacht“, weiß er. Besonders bei den großen Festen will der 63-Jährige seinem Nachfolger, einem 19 Jahre jungen Mann aus Benediktbeuern, bei Bedarf auch gern mit Rat und Tat beistehen. „Es soll reibungslos weitergehen.“ Denn: Die Pfarrei liegt ihm auch als Gläubigem am Herzen. Deshalb ist er seit kurzem im Pfarrgemeinderat aktiv. Und damit ihm nicht langweilig wird, hat er seit Jahren noch einen Schrebergarten in Obermenzing. ul

Fest zum Patrozinium

In 40 Jahren als Mesner in der Pfarrei hat Erich Artmann viele tausend Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen begleitet. Jetzt ist es Zeit sich zur Ruhe zu setzen.

Die Herz-Jesu-Kirche feiert am Sonntag, 10. Juni, ihr Patrozinium (die Schutzherrschaft, der die Kirche unterstellt ist) mit einem großen Pfarrfest an der Lachnerstraße 8. Um 10.30 Uhr beginnt ein musikalischer Festgottesdienst. In diesem Rahmen wird Erich Artmann in den Ruhestand verabschiedet. Danach lädt die Pfarrei im Pfarrsaal und auf der Terrasse zu einem Fest mit Speisen, Livemusik, Hüpfburg und Malecke ein. Ab 14 Uhr gibt es ein Kasperltheater im dortigen Kindergarten.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Freude über neues Schulhaus am Ravensburger Ring
München West
Freude über neues Schulhaus am Ravensburger Ring
Freude über neues Schulhaus am Ravensburger Ring
So wird Freihams neue Mitte
München West
So wird Freihams neue Mitte
So wird Freihams neue Mitte
Einer der Täter ist erst 13! Wartehäuschen zerstört und Snack-Automat geplündert
München West
Einer der Täter ist erst 13! Wartehäuschen zerstört und Snack-Automat geplündert
Einer der Täter ist erst 13! Wartehäuschen zerstört und Snack-Automat geplündert
Werfen wir Münchner bald 3D-Blicke in die Zukunft?
München West
Werfen wir Münchner bald 3D-Blicke in die Zukunft?
Werfen wir Münchner bald 3D-Blicke in die Zukunft?

Kommentare