Ein Kampf um Kunst, Handwerk und Leidenschaft

Sie sind die Hüter der schwarzen Kunst

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In der Werkstatt stehen jahrzehntealte Setz- und Druckmaschinen, die alle noch voll funktionsfähig sind.

Neuhausen – Der Umgang mit schweren Gerätschaften und filigranem Papier ist eine Kunst für sich: Dieser Verein will die Neuhauser Buchdruck-Werkstatt erhalten und handwerkliches Wissen weitergeben

Das Foto zeigt die früheren Druckerei-Mitarbeiter Hanns Arthur Louis (links) und Manfred Sonntag beim Überprüfen eines Andrucks am Original  Heidelberg Cylinder im Jahr 1979.

Andy Warhol, Jasper Johns, Willi Baumeister: Die Liste namhafter Künstler, die Christoph Dürr (83) in 55 Jahren Galeristentätigkeit ausgestellt hat, ist lang. Mit Max Ackermann zum Beispiel eröffnete er 1968 seine erste Ausstellung, nachdem er Räume in der Stuckvilla bekommen hatte. Und Arbeiten des selben Künstlers sind jetzt auch in Dürrs Druckerei an der Hübnerstraße 5 zu sehen, wo der Neuhauser seit 1996 seine beiden Leidenschaften vereinigt: zeitgenössische Kunst und handwerklichen Buchdruck. Diese Kombination hat Neuhausen ein „einzigartiges Juwel“ beschert, wie Bernd Mayer, Sprecher des neu gegründeten Vereins Freunde der Buchdruck-Werkstatt sagt.

Bernd Mayer, Markus Lades und Christoph Dürr (von links) wollen die Neuhauser Buchdruck-Werkstatt erhalten.

Dieser Verein will die Druckerei erhalten und beleben und das Wissen über die jahrhundertealte Tradition des Buchdrucks – auch die schwarze Kunst genannt – weitergeben. „Noch ist die Werkstatt ein Geheimtipp. Aber das wollen wir ändern“, so Mayer, der selbst gelernter Drucker ist und im Bereich der Neuen Medien arbeitet. Geplant sind unter anderem Workshops für Studenten der Mediadesign Hochschule München. „Sie sollen mit den Ursprüngen des Handwerks vertraut gemacht werden“, erklärt Markus Lades, Vorsitzender des Vereins. „Ich bin im Viertel aufgewachsen und habe sträflicherweise erst vor drei Jahren zum ersten Mal den Weg hier herein gefunden“, berichtet er. Dann ist es ihm ergangen wie allen, die die Werkstatt mit den imposanten, alten Maschinen und den bunten Bildern überall betreten und mit Christoph Dürr ins Gespräch kommen: „Was da an Leben, Leidenschaft und Wissen an diesem Ort vereint ist, das muss man erhalten.“

Christoph Dürr hat seit 1996 seine beiden Leidenschaften – zeitgenössische Kunst und handwerklichen Buchdruck – in der Neuhauser Werkstatt vereinigt.

Dürr gründete bereits 1959 in Schwabing seine erste Druckerei und das „1-Pfennig-Blatt“, ein Anzeigenblatt. 1971 übernahm er die seit 1927 bestehende Druckerei an der Hübnerstraße. Seit 1963 ist er zudem Galerist, von 1986 bis 1991 in der Stuckvilla. „Durch die Druckerei war ich nicht abhängig von Bilderverkäufen. Das war mein Vorteil“, erklärt der 83-Jährige. Allerdings wurde der handwerkliche Buchdruck seit den 90er-Jahren von der Digitalisierung immer mehr verdrängt. Christoph Dürrs Manufaktur ist eine der letzten in München.

Ursula Löschau

Kunstausstellung

Einige der Bilder von Max Ackermann, die in der Ausstellung zu bewundern sind.

Die Galerie Christoph Dürr an der Hübnerstraße 5 zeigt bis 31. Januar Ölbilder und Siebdrucke von Max Ackermann. Außerdem sind unter anderem Arbeiten von Joseph Beuys aus der Sammlung Günter Stöberlein sowie 18 Originalholzschnitte von Emanuel Eckel zu sehen. 

Christoph Dürr an einer Linotype-Setzmaschine.

Diese Eckel-Werke illustrieren das Buch „Zeitfluchten über Wortbilder und Bildwörter“ mit Gedichten verschiedener Autoren. Dieses ist jetzt mit Unterstützung der Freunde der Buchdruck-Werkstatt im Christoph Dürr Verlag in einer Auflage von 80 Exemplaren erschienen. Geöffnet ist die Ausstellung bei freiem Eintritt dienstags bis freitags von 14 bis 18, samstags 11 bis 14 Uhr.
Nähere Informationen unter: http://buchdruck-werkstatt.de

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