Genossenschaft fordert sozialen Preis für Erbbaugrund

Neuhauser kämpfen um ihre Wohnungen

+
Einige Mieter leben seit über 50 Jahren in den Eisenbahner-Wohnungen an der Schluder-, Schlör-, Sedlmayr- und Donnersbergerstraße. Sie wollen sich nicht entwurzeln lassen.

Neuhausen - Einige Mieter leben seit über 50 Jahren in den Eisenbahner-Wohnungen. Doch jetzt haben sie Angst, ihr Zuhause zu verlieren

500 Familien in Neuhausen haben Angst um ihre Wohnungen in mehreren Häuserblocks der Baugenossenschaft München-West des Eisenbahnpersonals (EBG West). Die Genossenschaft will zwar rechtzeitig den Grund erwerben, bevor das Erbbaurecht dort 2030 ausläuft und damit den Wohnungsbestand für ihre Mitglieder sichern. Doch nach Auskunft von Vorstandsmitglied Roland Beck (62) verlangt das Bundeseisenbahnvermögen (BEV) für rund 18 400 Quadratmeter Grund 168 Millionen Euro, die erste Hälfte sogar schon bis 2025. „Das geht nicht“, sagt Beck. 

Deshalb appellieren er und die Mieter jetzt an Vertreter aller politischer Ebenen vom Bezirksausschuss (BA) bis zum Bundestag: „Gebt uns Zeit bis 2030 und die Chance, die Grundstücke zu einem realistischen und sozial verträglichen Preis zu kaufen.“ „Im Wahlkampf haben alle gesagt, sie wollen bezahlbaren Wohnraum schaffen. Hier gibt es ihn schon und er soll vernichtet werden, um möglichst viel Gewinn herauszupressen. Wir fühlen uns im Stich gelassen und verarscht“, sagt Mieterin Doris Karl aus der Schluderstraße. Sie und ihre Nachbarn sind überzeugt, dass die 110 Jahre alten Genossenschaftsbauten zugunsten teurer Neubauwohnungen abgerissen werden, wenn das BEV den Grund 2030 an Investoren auf dem freien Markt verkauft. „Ich will aber nicht wegziehen müssen. Das ist meine Heimat“, sagt Brigitte Gaul. 

Sozial verträgliche Mieten sollen gesichert werden

Für Roland Beck steht der Schutz bezahlbarer Mieten im Vordergrund. „Würden wir zum Preis des Bundeseisenbahnvermögens kaufen, müssten wir die Mieten verdoppeln“, sagt er. Bei einem Kaufpreis von 60 Millionen Euro dagegen „könnten wir sozial verträgliche Mieten garantieren und wären als Genossenschaft für die Zukunft abgesichert“. Mit einem frühzeitigen Grund­erwerb konnte die 1500 Mitglieder starke Gemeinschaft bereits 250 Wohnungen in Neuhausen vor Investoren retten (s. Kasten). 

Bei der anstehenden Herausforderung sind die Genossenschaftler auf politische Unterstützung angewiesen. Die Rückendeckung des BA Neuhausen-Nymphenburg ist ihnen dabei sicher. „Das Ziel muss lauten, den Kaufpreis zu senken. Der maximale Erlös ist nicht das Wichtigste“, sagt Viertelchefin Anna Hanusch. Das will der BA den zuständigen Bundesbehörden und Mandatsträgern nun schreiben.ul

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Kommentare