Umzug des Briefzentrums 2021 nach Germering geplant

1000 Postler in Angst

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Der Verkauf des Areals an die Büschl-Unternehmensgruppe bedeutet für rund 1000 Beschäftigte des Briefzentrums, dass sie 2021 ausziehen müssen.

Neuhausen – Das Postgelände wurde kürzlich verkauft: Während sich die einen schon ein neues Viertel mit Kultur, Wohnungen und Gewerbe ausmalen, fürchten 1000 Beschäftigte um ihre Arbeitsbedingungen. 

Rund 1000 Post‑ Mitarbeiter im Münchner Briefzentrum an der Arnulfstraße sind verunsichert. Wenn die Pläne ihres Arbeitgebers aufgehen, sollen sie ab 2021 in Germering arbeiten. „Wir sehen den Umzug kritisch“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Rudolf Klepper.

Post-Betriebsratschef Rudolf Klepper versteht die Ängste der Münchner Postler.

Viele der Sortierkräfte seien teilzeitbeschäftigt, jeweils zwischen drei und fünf Stunden tätig, wobei die erste Schicht um 4.30 Uhr beginne. Ein Großteil lebe in der näheren Umgebung des Arbeitsplatzes. „Die Beschäftigten haben Ängste, was sie am neuen Standort erwartet und mit welchem Mehraufwand der längere Arbeitsweg verbunden sein wird“, weiß er aus Reaktionen bei den jüngsten Betriebsversammlungen. „Darüber laufen schon Gespräche mit der Arbeitgeberseite.“

Was den Betriebsratschef besonders stört: „Die Stadt hat uns signalisiert, dass sie kein Logistikzentrum will. Damit werden 1000 Arbeitsplätze aus dem Stadtgebiet verdrängt. Für mich hat die Post bisher immer zur Stadt München gehört, das will man jetzt nicht mehr.“ 

Unternehmenssprecher Dieter Nawrath erklärt auf Hallo-Anfrage: „Selbstverständlich wird die Deutsche Post alles tun, um unser qualifiziertes und gutes Personal zu halten.“ Es gebe für solche Verlagerungen entsprechende Tarifverträge. „Demnach sind Fahrtkosten-Zuschüsse für Mitarbeiter, Verrechnung der Fahrzeit und anderes möglich“, so Nawrath. 

Darüber hinaus kündigt er für den geplanten Umzugszeitraum 2021 an: „Wir werden schon wegen der normalen Fluktuation wie dem Erreichen der Altersgrenze und einer technischen Erweiterung im Briefzentrum neue Mitarbeiter im Westen von München suchen und gewinnen.“ Er bestätigt aber auch: „Die Entscheidung, ob unser Vorhaben umsetzbar ist, liegt bei der Stadt Germering.“ Dort steht die Meinungsbildung im Stadtrat erst noch an. 

„Wichtig für eine Entscheidung des Stadtrates sind sicherlich Germeringer Interessen. Diese Interessen werden bestimmt von den unterschiedlichsten Aspekten, die es im Stadtrat abzuwägen gilt“, erklärt der dritte Bürgermeister Helmut Ankenbrand. Er geht davon aus, dass die Pläne der Post „im nächsten Frühjahr“ im Stadtrat vorgestellt werden.

Ursula Löschau

Pläne für Neuhausen und neues Briefzentrum

Voraussetzung für den Bau eines neuen Stadtteils auf dem ehemaligen Postgelände ist, dass die Post wie geplant bis 2021 ihr Briefzentrum aus der Halle verlagert.

Die Büschl-Unternehmensgruppe, die das 100 000 Quadratmeter große Postgelände an der Arnulfstraße gekauft hat, will dort einen neuen kleinen Stadtteil mit einem Mix aus Wohnen, Arbeiten, Kultur und Gastronomie schaffen. Für die denkmalgeschützte Paketposthalle gibt es Überlegungen, dort einen Veranstaltungssaal, eventuell auch soziale Einrichtungen unterzubringen. In der Diskussion, die inzwischen den Stadtrat erreicht hat, werden für das Areal zudem Hochhaus-Ideen laut. Voraussetzung ist, dass die Post wie geplant bis 2021 ihr Briefzentrum aus der Halle verlagert. In Germering, westlich des dortigen DHL-Areals, soll ein neues Zentrum für 1390 Mitarbeiter entstehen. Der dortige Stadtrat hat über das Bauvorhaben und eine Änderung sowohl des Flächennutzungs- als auch des Bebauungsplans aber noch nicht entschieden. Das Thema steht dort voraussichtlich im Frühjahr zur Debatte.

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