Rettung für die Löwen

Badenburg: 250 Jahre alte Figuren beschädigt – So soll der Verfall verhindert werden

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Der linke der beiden Löwen hinter der Badenburg hat im wahrsten Sinne des Wortes sein Gesicht verloren. Es wird nun wiederhergestellt.

Er hat im wahrsten Sinn des Wortes sein Gesicht verloren. Die Rede ist vom linken Löwen auf der Rückseite der Badenburg im Schloss­park. Doch er hat Glück: Restaurator Silas Ploner will ihn retten.

Nymphenburg – Der Anblick ist schockierend: Vom Gesicht des majestätisch wirkenden Löwen links von der Treppe auf der Rückseite der Badenburg ist fast nichts mehr übrig. Entsetzte Besucher des Nymphenburger Schlossparks schlagen Alarm. 

Gleichzeitig reagiert die Bayerische Schlösserverwaltung auf den jüngsten Schaden. Steinrestaurator Silas Ploner (31) und sein Team vom Restaurierungszentrum der Schlösserverwaltung sind bereits damit beschäftigt, die 250 Jahre alte Skulptur und ihr Pendant auf der rechten Seite der Treppe zu retten und – wo nötig – wiederherzustellen.

Dazu wurden beide Figuren inzwischen eingehaust. „Um sie vor weiteren Beschädigungen zu schützen und weil sie für die kommenden Schritte ganz trocken sein müssen“, erklärt Ploner. Diese Schritte wären: die Festigung des Steins mit einem speziellen Kieselgel, das Auffüllen von Hohlstellen und die Ergänzung von fehlenden Teilen. 

Impressionen der Badenburg-Löwen

Der rechte der beiden Badenburg-Löwen (vorne) ist weniger Sonneneinstrahlung und Hitze ausgesetzt als der linke und noch weitgehend intakt.
Der rechte der beiden Badenburg-Löwen (vorne) ist weniger Sonneneinstrahlung und Hitze ausgesetzt als der linke und noch weitgehend intakt. © ul
Die beiden Löwen wurden 1769 von Charles de Groff geschaffen und bestehen aus Regensburger Grünsandstein. Das Foto entstand kurz bevor sie zu ihrem Schutz eingehaust wurden.
Die beiden Löwen wurden 1769 von Charles de Groff geschaffen und bestehen aus Regensburger Grünsandstein. Das Foto entstand kurz bevor sie zu ihrem Schutz eingehaust wurden. © ul
Steinrestaurator Silas Ploner vor dem inzwischen eingehausten „Patienten“ an der Badenburg.
Steinrestaurator Silas Ploner vor dem inzwischen eingehausten „Patienten“ an der Badenburg. © ul
Der Steinrestaurator in seinem Reich im Restaurierungszentrum. Er und sein Team sind für mehrere hundert Steinskulpturen in 45 Sehenswürdigkeiten der Bayerischen Schlösserverwaltung zuständig.
Der Steinrestaurator in seinem Reich im Restaurierungszentrum. Er und sein Team sind für mehrere hundert Steinskulpturen in 45 Sehenswürdigkeiten der Bayerischen Schlösserverwaltung zuständig. © ul

„Das wird vermutlich mit Hilfe eines Abgusses vom rechten Löwen gemacht“, erklärt der Restaurator, der sich dabei jedoch Unterstützung von einer externen Bildhauerfirma holen wird. Das Ziel: „Der Löwe wird im Lauf der Sommersaison wieder sein vollständiges Gesicht bekommen.“ Und auch ältere Schäden sollen behoben werden.

Warum die Figur aus Regensburger Grünsandstein so gelitten hat, ermittelt der Restaurator aktuell. Sicher sei: „Als die Wintereinhausung im April abgenommen wurde, war das Gesicht noch da.“ Seine Vermutung: In den 80er-Jahren wurden die Skulpturen mit einer sogenannten Acrylharz-Tränkung behandelt, um sie zu konservieren. 

„Ich nehme an, dass sich das Acrylharz mit dem Stein unter bestimmter Hitzeeinwirkung nicht so gut verträgt“, sagt Ploner. Und es sei erwiesen, dass der linke Löwe viel mehr Sonne abbekomme als der rechte. Allerdings ist der Fall für den Restaurator damit noch lange nicht geklärt. „Wir werden das mit Wärmebildkameras weiter beobachten, auch bei anderen Objekten.“

Ursula Löschau

Das kritisiert ein Schlosspark-Kenner

Ralf Sartori wirft der Schlösserverwaltung Nachlässigkeit beim Schutz der Parkfiguren vor.

Ralf Sartori, Gründer des Nymphenspiegel-Kulturforums, ist fast täglich im Schloss­park unterwegs und macht sich um den linken Badenburg-Löwen schon länger Sorgen. „Die Schlösserverwaltung hat verpennt, dass der seit Jahren verfällt.“ So habe die Figur schon vor geraumer Zeit eine Augenbraue und eine Kralle verloren. Als jetzt fast die ganze Schnauze abgefallen ist, schlug er öffentlich Alarm. „Das ist für mich Ausdruck krasser Gleichgültigkeit.“

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