Nymphenburger Kaiser-Villa wird abgerissen

Kein Denkmal: Einstiges Kakteen-Mekka muss Neubau weichen

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Kein Denkmal, aber ein kleines Schmuckstück: Anwohnerin Aurelia Brüder bedauert den Abriss.

Nymphenburg – Ihren 100. Geburtstag wird diese Villa nicht mehr erleben: Das Gebäude, das der Münchner Kakteen-Fachmann Heinrich Kaiser 1920 errichten ließ, fällt der Nachverdichtung zum Opfer

Kakteen-Kaiser – weit sichtbar prangt die große historische Schrift an der Hauswand, fällt jedem an der Ecke Savoyen- und Menzinger Straße ins Auge. Doch mit dem nostalgischen Blickfang stadteinwärts ist es bald vorbei. Die gelbe Villa, die der Münchner Kakteen-Fachmann Heinrich Kaiser 1920 erbauen ließ, wird abgerissen. Ein Bauträger errichtet dort ein modernes Mehrparteienhaus mit sechs Wohnungen und einer Tiefgarage. Denn: Denkmalschutz hat die alte Villa nicht erhalten.

Auf dem Grundstück des Häuschens aus den 20er Jahren soll ein Mehrparteienhaus entstehen.

Dorothee Ott vom Landesamt für Denkmalschutz: „Das Gebäude wurde auf eine mögliche Denkmaleigenschaft hin untersucht – die noch vorhandene historische Bausubstanz reicht für einen Nachtrag in die Liste jedoch nicht aus.“ Nur die hölzerne Eingangstür mit ihren Kakteen-Schnitzereien scheint dem Amt vor dem Abriss schützenswert, sie soll künftig in dessen Bauteil­archiv aufbewahrt werden.

Aurelia Brüder, die hier gerne vorbeigeht, bedauert das sehr: „Ich finde es schade und traurig. Der Charme dieses Viertels geht Stück für Stück verloren.“ Rund herum würden alte Häuschen dem Erdboden gleich gemacht, moderne Mehrparteienhäuser gebaut. „Dabei würden sich gerade junge Familien über so ein Häuschen mit Garten freuen, es ist ja noch top in Schuss.“ Ein Nachbar, selbst Architekt, weiß, dass der Abriss die maximale Nutzung des Grundstücks zur Folge haben wird. „Der Erhalt so eines Hauses nach modernem Energie-Standard ist teuer. Ich würde trotzdem einen Anbau an den Altbau vorschlagen, um das schöne Gebäude zu erhalten.“ Familie Herrmann, die seit 1972 neben der ehemaligen Eigentümerin lebte, bedauert, versteht aber den Entschluss der ehemaligen Nachbarin, einer Witwe: „Nach dem Tod ihres Mannes wurde ihr das Haus einfach zu groß.“

Früher war der Wintergarten des Botanikers Kaiser neben dem Botanischen Garten der Treffpunkt für Kakteenfreunde und Sukkulentensammler aus aller Welt. Ehrentraud Bayer, Leiterin des Botanischen Gartens, erklärt: „Kakteen-Kaiser ist unter Kakteenexperten ein fester Begriff. Auch der Botanische Garten hatte mit ihm Kontakt, leider ist dieser nicht weiter dokumentiert.“

So wird in Nymphenburg in einigen Jahren nichts mehr an Heinrich Kaiser mit seiner Kakteenzucht erinnern.

Marie-Julie Hlawica

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