Rat und Räume

Arnulfstraße 197: Hier begegnet und bildet man sich – unter einem Dach

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Ysma Kaddouri (sitzend) aus Algerien perfektioniert ihre Deutschkenntnisse, um als Erzieherin arbeiten zu können. Die frühere Lehrerin für arabische Literatur besucht dazu einen sogenannten Kompass-Kurs der IG-Initiativgruppe an der Arnulfstraße.

Neuhausen – Gleich vier interkulturelle Institutionen finden im Zentrum an der Arnulfstraße 197 ein neues Zuhause. Welche Möglichkeiten und Kurse es gibt, lesen Sie hier

An der Arnulfstraße 197 ist ein neues Zentrum für interkulturelle Begegnung, Bildung, Hilfen im Alltag sowie künstlerische und nachbarschaftliche Aktivitäten entstanden. Vier Träger, die bisher an verschiedenen Standorten agierten, präsentieren sich jetzt „alle unter einem Dach“. So lautet auch das Motto des Eröffnungsfestes am Donnerstag, 11. April.

Fast 80 Vereine und selbstorganisierte Gruppen – von muttersprachlichen Angeboten für Kinder in 13 Sprachen bis zur Selbsthilfegruppe gegen Redeangst – nutzen über die städtisch geförderte Raumbörse dort jetzt kostenfrei Räume. Organisiert wird dieses Angebot vom Kulturzentrum „Gorod“, das zu Jahresbeginn an der Arnulfstraße eingezogen ist, und vom Selbsthilfezentrum München, das jetzt ebenfalls dort ansässig ist. 

Leben ins Haus bringen nun zudem der Verein „Morgen“, ein Zusammenschluss von Migrantenorganisationen mit mehr als 70 kulturellen Gruppen, und die „IG-Initiativgruppe“. Dieser Verein für interkulturelle Begegnung und Bildung ist in dem Haus an der Arnulfstraße bereits seit 2013 mit Integrationskursen und Bildungsangeboten für Frauen aktiv und hat damit quasi den Grundstock für das neue Zentrum gelegt. „Wir alle arbeiten schon länger zusammen“, erklärt „Morgen“-Geschäftsführerin Friederike Junker. 

Nachdem das Kulturzentrum „Gorod“ seine bisherigen Räume an der Hansastraße verlassen musste und unweit des Steubenplatzes eine neue Heimat gefunden hat, fassten noch weitere Institutionen den Neuhauser Standort ins Auge. Dazu kam, so IG-Sprecherin Monika Kleck, „ein guter und flexibler Vermieter“. Das Ergebnis: vier Träger mit vielen Gemeinsamkeiten und ergänzenden Angeboten unter einem Dach und damit neue Chancen für alle Nutzer – „mit und ohne Migrationshintergrund“, wie Sprecher aller Träger betonen.

Auf vier Etagen mit je 750 Quadratmetern Fläche begegnen sich dort nun täglich 300 bis 400 Menschen aus bis zu 30 unterschiedlichen Kulturkreisen. Allein 1000 Quadratmeter stehen für die Raumbörse zur Verfügung. Klingt nach viel, ist es aber nicht, da sich die meisten Gruppen abends oder am Wochenende treffen wollen. 

„Da sind die Räume schon fast ausgebucht“, sagt Junker. Vernetzung ist daher laut Juri Chervinski von „Gorod“ auch im neuen Zentrum das oberste Gebot. „Interessenten und Gruppen im Haus werden aktiv angeleitet, sich zu vernetzen“, sagt er. Was übrigens nicht nur der effizienten Raumauslastung, sondern auch dem Frieden im Haus dienen soll. „Wichtig ist, dass man immer miteinander im Gespräch bleibt“, weiß Kleck.

Und: Kaum eröffnet, gibt es schon Erweiterungspläne. Das Erdgeschoss soll noch umgebaut und ins Zentrum integriert werden. „Gorod“ schwebt vor, dort eine Jugendherberge mit etwa 60 Plätzen und Bildungsangeboten einzurichten.

Ursula Löschau

Das Eröffnungsfest und Projekte im neuen Zentrum

Zur Eröffnung des neuen Zentrums an der Arnulfstraße 197 laden die Träger am Donnerstag, 11. April, zu einem Fest ein. Das Programm reicht von einer eritreischen Kaffeezeremonie über Dumpling-Kochen bis hin zu orientalischer Musik. Beginn ist um 17.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Mit dem Ziel, preisgünstige Nachhilfe anbieten zu können, will das Kulturzentrum „Gorod“ Nachhilfelehrer aus verschiedenen Migrantenvereinen zusammenbringen. Interessierte treffen sich am Sonntag, 28. April, ab 17 Uhr. Um internationale Küche und Kulturabende dreht sich ein weiteres geplantes Projekt. Darüber wird am Freitag, 5. Mai, ab 19 Uhr informiert. 

Um Anmeldung per E-Mail unter info@gorod.de wird gebeten.

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