Dieser Historiker entdeckt ein lange verschollenes Denkmal

Rätsel gelüftet: Wie die Stadt die fehlende Braut freikaufen könnte

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Auf dem Bahngelände an der Richelstraße steht die Skulptur „Die Trauernden“ – allerdings ohne die vierte Figur.

Neuhausen – Es ist eine kunsthistorische Sensation: Jahrzehnte nachdem das Bronze-Quartett „Die Trauernden“ auseinandergerissen wurde, könnte es wieder vereint werden – Hallo kennt die Geschichte

Franz Schröther von der Geschichtswerkstatt Neuhausen lüftete das Rätsel um die verschollene Braut.

Diese Chance muss Franz Schröther von der Geschichtswerkstatt Neuhausen einfach nutzen: Jahrzehnte, nachdem das Denkmal „Die Trauernden“ in den Wirren des Krieges auseinandergerissen wurde und eine von vier Figuren, die Braut, verschollen schien, erfuhr der Stadtteilhistoriker jetzt durch Zufall, wo die Verschwundene abgeblieben ist: „Sie befindet sich in Privatbesitz in München. Das wäre die Gelegenheit, das Ensemble, das seit 1973 in Neuhausen steht, wieder zu vervollständigen“, sagt er und appelliert an den örtlichen Bezirksausschuss, die Stadt und die Bahn, die Trauernden wieder zu vereinen.

Seit 1927 erinnerten die vier Bronze-Figuren – das Mädchen, die Braut, die Mutter und die Witwe – in der Kuppelhalle des Verkehrsministeriums an der Hopfenstraße an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Postler und Eisenbahner. Bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg wurde das Ministeriumsgebäude schwer beschädigt. 1959 wurden die zerstörten Gebäude abgerissen. Drei Figuren konnten aus den Trümmern gerettet werden. „Die vierte hat wohl damals ein Altmetallhändler aus dem Schutt geklaubt“, erzählt Schröther. Dann verlor sich jede Spur der Braut. 

Da das Gelände der Bundesbahndirektion an der Richelstraße nahe der Donnersbergerbrücke kürzlich verkauft wurde, ist die Zukunft des Denkmals ungewiss.

Mädchen, Mutter und Witwe fanden 1973 einen neuen Platz auf dem Gelände der Bundesbahndirektion an der Richelstraße nahe der Donnersbergerbrücke in Neuhausen. Schröther fragt sich jedoch, wie lange das Denkmal dort noch stehen wird, denn das Gelände wurde verkauft. „Wir wollen natürlich, dass die Figuren im Stadtteil bleiben – und zwar alle vier zusammen. Darum sollen sich die Verantwortlichen jetzt kümmern.“ Soweit er weiß, wäre der Besitzer der Braut verhandlungsbereit.

Ursula Löschau

Das sagt die Bahn zu dem Verkauf

Für die Bahn ändert sich mit dem Verkauf der Immobilie an der Richelstraße nichts. „Wir haben langlaufende Mietverträge und werden an diesem Standort bleiben“, teilte ein Sprecher der Bahn mit. „Wir wachsen eher und suchen neue zusätzliche Standorte.“ Was der Verkauf für das Denkmal „Die Trauernden“ auf dem Gelände bedeuten wird, kommentiert der Sprecher so: „Wir beteiligen uns nicht an irgendwelchen Spekulationen, sehen aber auch nichts, dass sich ändern wird“.

Das Denkmal unter Denkmalschutz

Die Braut in ihrer Nische im Verkehrsministerium 1933.

Der Münchner Bildhauer Karl Kroher (1892 bis 1964) bekam 1921 den Auftrag, für das Bayerische Verkehrsministerium ein Denkmal für die 2200 im Ersten Weltkrieg gefallenen Angehörigen der bayerischen Post und Eisenbahn zu schaffen. In der Mitte des Fußbodens der Kuppelhalle des Gebäudes war eine rechteckige Tafel eingelassen, die an die Gefallenen erinnerte. 

Das eigentliche Denkmal bildeten vier jeweils etwa 2,80 Meter hohe Bronze-Figuren, die in Nischen standen. Sie versinnbildlichten die um die Gefallenen trauernden Angehörigen. Jede der Figuren hatte einen Lorbeerzweig in der Rechten, den sie symbolisch auf die Gedenktafel abzulegen schienen. Jetzt stehen die drei Figuren, die einst in der Erzgießerei Ferdinand von Millers gegossen wurden, ohne Lorbeerzweig Rücken an Rücken. In dieser Form steht das Kunstwerk unter Denkmalschutz, was eine Veränderung nach Auskunft von Dorothee Ott, Sprecherin des Landesamts für Denkmalpflege, aber nicht ausschließt. Sie erklärt: „Wer ein Denkmal verändern möchte, braucht nur vorher eine denkmalrechtliche Erlaubnis – erteilt wird sie von der Unteren Denkmalschutzbehörde.“

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