Fenster verklebt, Türen zu

Ladensterben in Neuhausen geht weiter

1 von 8
1969 war Eröffnung: Reindl Herrenmoden räumt nach 48 Jahren die Regale – für immer.
2 von 8
1969 war Eröffnung: Reindl Herrenmoden räumt nach 48 Jahren die Regale – für immer.
Der Feinkostladen hielt sich 44 Jahre, bis Oktober.
3 von 8
Der Feinkostladen hielt sich 44 Jahre, bis Oktober.
Schuhhaus Raab steht seit 2016 leer.
4 von 8
Schuhhaus Raab steht seit 2016 leer.
Ladensterben im ganzen Viertel: Egal ob in der Donnersbergerstraße...
5 von 8
Ladensterben im ganzen Viertel: Egal ob in der Donnersbergerstraße...
Ladensterben im ganzen Viertel: Egal ob in der Donnersbergerstraße...
6 von 8
Ladensterben im ganzen Viertel: Egal ob in der Donnersbergerstraße...
Ladensterben im ganzen Viertel: Egal ob in der Donnersbergerstraße...
7 von 8
Ladensterben im ganzen Viertel: Egal ob in der Donnersbergerstraße...
oder in der Schulstraße: Die Einzelhändler schließen nach und nach – und niemand folgt.
8 von 8
oder in der Schulstraße: Die Einzelhändler schließen nach und nach – und niemand folgt.

Neuhausen: Hier blutet Neuhausen aus.

Wieder schließt ein Traditionsgeschäft: Reindl Herrenmoden am Rotkreuzplatz sperrt zum Ende des Jahres zu. Anzüge nach Maß, eine klassische Krawatte oder die Winterjacke, an den Ärmeln exakt gekürzt – damit ist jetzt Schluss. Dabei wollte das Ehepaar Petra (53) und Stephan Sanktjohanser (53, Foto), die das 1969 gegründete Modegeschäft vor acht Jahren vom Eigentümer übernahmen, bis zur Rente weitermachen. Jetzt ziehen sie die Reißleine: „Seit Januar kamen immer weniger Kunden, der Umsatz brach ein. Wir haben jeden Tag gekämpft, lange überlegt und machen nun schweren Herzens zu.“ Die 50 Quadratmeter-Ladenfläche kann mit den großen Ketten in der Stadt nicht konkurrieren.

Bestellungen im Internet, die Abnahmebedingungen großer  Firmen, der Wegfall der klassischen Herrenbekleidung, „das alles sind Gründe, warum wir Einzelhändler nicht überleben können“, sagt die Ladeninhaberin. Sie sind leider kein Einzelfall. Viele Läden um sie herum haben schon dicht gemacht. Neuhausen blutet aus.

Da wo einmal unterschiedlichste bunte Schaufenster den Charme des Viertels prägten, sind die Scheiben großflächig verklebt, neue Pächter fehlen. Angela Globig (65), Vorsitzende der Werbegemeinschaft Rotkreuzplatz, ist schlicht entsetzt. Sie hat erst dieser Tage von der Geschäftsaufgabe der Sanktjohansers erfahren. „Die steigenden Mieten und der Online-Handel machen die Neuhauser Ladenstruktur kaputt“, schimpft sie. Dabei geht es ihr als Geschäftsfrau nicht nur um fehlende Einnahmen oder mangelnde Arbeitsplätze vor Ort. „Neuhausen wird unpersönlicher. Im Internet habe ich keine sozialen Kontakte, jeder bleibt allein und anonym. Keiner redet miteinander, niemand weiß, wer Du bist, oder fragt nach, wenn die alte Dame von gegenüber plötzlich nicht mehr einkauft!“

Dass schon viele Traditionsgeschäfte schließen mussten, hat für sie noch einen anderen Aspekt: „Viele junge Leute eröffnen unüberlegt, scheitern schnell. Dieser ständige Wechsel der Geschäfte macht Neuhausens gewachsene Struktur kaputt!“ Auch die Bezirksausschuss-Vorsitzende des BA 9, Anna Hanusch, beobachtet den Wandel: „Mit Konkurrenz in der Stadt ist es nicht einfach, hier ein Geschäft zu betreiben. Hohe Mieten sorgen beim Gewerbe für Verdrängungsdruck.“

Für die Sanktjohansers war er zu hoch. Ihr Entschluss steht: „Es ist vorbei. Es gibt keinen Plan B.“ Reindl Herrenmoden wird es nie mehr geben.
mjh

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare